Riedholz
VCS und Birdlife bemängeln die Nutzungsplanung Attisholz Nord – dritte Einsprache stammt von Privatperson

Der eine Verband fordert bessere Voraussetzungen für ÖV und Langsamverkehr beim Areal Attisholz Nord, der andere setzt sich für mehr Mitsprache der Naturschützer ein.

Urs Byland
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Die Kritik zur Nutzungsplanung Attisholz Nord hält sich im Rahmen. Eingetroffen sind drei Einsprachen.

Die Kritik zur Nutzungsplanung Attisholz Nord hält sich im Rahmen. Eingetroffen sind drei Einsprachen.

Tom Ulrich

Sechs statt der üblichen vier Wochen dauerte die Auflage der Nutzungsplanung Attisholz Nord. Diese regelt, wenn sie denn so beschlossen wird, wie das Areal bebaut werden kann, was stehen bleiben soll und wie die Erschliessung verlaufen soll. Drei Einsprachen sind zur Planung eingetroffen. Je eine von den Verbänden VCS (Verkehrs-Club Schweiz) und Birdlife sowie die Einsprache einer Privatperson.

Der VCS Solothurn kritisiert die Arealanbindung für den öffentlichen Verkehr und den Veloverkehr als mangelhaft. In seiner Einsprache begrüsst der VCS zwar, dass sich die ganze Siedlung nach dem Prinzip der 2000-Watt-Gesellschaft richten soll. Aber mit dem angestrebten Modalsplit – einem Anteil des motorisierten Individualverkehrs von 50 Prozent – sei dieses Ziel kaum zu erreichen.

Konkret lautet der entsprechende Abschnitt in der aufgelegten Nutzungsplanung: «In der Wohn- und Mischzone Attisholz ist im Bereich Mobilität eine Aufteilung von 50 Prozent motorisiertem Individualverkehr, 35 Prozent öffentlichem Verkehr und 15 Prozent Fuss- und Veloverkehr verbindlich.»

Nur 30 bis 40 Prozent motorisierter Individualverkehr

Der VCS fordert, dass der Anteil des öffentlichen Verkehrs sowie des Fuss- und Veloverkehrs zusammen bei 60 bis 70 Prozent liegen soll. Das Attisholz sei nur mit den Güteklassen D2 und E an das öffentliche Verkehrsnetz angebunden. VCS-Vorstandsmitglied Heinz Flück kritisiert dies als ungenügend. «A wäre die beste Güteklasse. Bewertet werden unter anderem Haltestellendichte und Frequenz.»

Es brauche eine von Beginn an attraktive Anbindung des Planungsgebiets an den ÖV sowie gute Verbindungen für den Veloverkehr. Hier müsse auch der Kanton über seinen Schatten springen und zusammen mit dem Investor Vorleistungen erbringen. Zur Folge hätte dies auch eine Reduktion des Parkplatzangebotes.

Weiter würden für den Veloverkehr attraktive, direkte und sichere Verbindungen ins lediglich vier Kilometer entfernte Stadtzentrum von Solothurn fehlen. Sowohl auf der nördlichen wie auch auf der südlichen Seite der Aare seien diese Verbindungen notwendig. Südlich mit der direkten Verbindung über die Emme zum Emmenspitz, nördlich über die bereits bestehende Vögelisholzstrasse mit einer besseren Anbindung an die Kantonsstrasse Feldbrunnen–Riedholz. «Nur mit einer optimalen Anbindung mit diesen alternativen Mobilitätsformen kann der geforderte Modalsplit erreicht werden.»

Anliegen für Vögel berücksichtigen

Der Kantonalverband der Natur- und Vogelschutzvereine VVS/Birdlife möchte mit seiner Einsprache erreichen, dass die Anliegen für die Vögel und die Natur besser berücksichtigt werden, liegt doch Attisholz Nord nahe einem Schutzgebiet für Wasser- und Zugvögel. «Es ist eine Anregung», sagt Corinne Suter, Geschäftsführerin von VVS/Birdlife Solothurn. So sollen im Gestaltungsbeirat, einer Kontrollinstanz, die Abweichungen vom Richtprojekt und Fortschreibungen beurteilt und absegnet, auch eine Fachperson Einsitz bekommen, welche die lokalen Natur- und Vogelschutzvereine vertritt.




Chris Iseli

Die dritte Einsprache stammt von einer Privatperson, die sich für die in den Plänen eingezeichneten Naturobjekte einsetzt. Sie wünsche nicht nur deren Erhaltung, sondern deren Aufwertung und Förderung. Biodiversität und Artenschutz liegen der Privatperson am Herzen, «wo es sinnvoll und machbar ist».

Im Gemeinderat wurden die Einsprachen zur Kenntnis genommen. Verabschiedet wurde das weitere Vorgehen. So werden die Einspracheverhandlungen gestartet, sobald man eine Haltung der Gemeinde abgesprochen hat.

Keine Pioniere

Die Alpiq Hydro Aare AG würde gerne bei ihrem Flusskraftwerk Flumenthal, das teilweise auf Gemeindegebiet Riedholz liegt, eine Wasserstoffproduktion aufbauen. Deshalb erhielt die Gemeinde eine Voranfrage. Hintergrund ist ein Pionierprojekt zur «Dekarbonisierung des Schwerverkehrs». Also keine Diesellaster, die mit ihrem Abgas die Luft belasten, sondern Brennstoffzellen-Elektro-Laster, die betrieben mit Wasserstoff nur Wasserstoff ausstossen. Bereits wurden 1600 Lastwagen geordert, die vermietet würden. Ein Tankstellennetz garantiert die schweizweite Versorgung. Der benötigte Wasserstoff soll regional produziert werden, etwa im Kraftwerk Flumenthal. Die umfassenden Ausführungen des Projektleiters zeigten auf, dass weder der Wasserstofftransport (ähnlich dem Benzintransport) besonders gefährlich ist, noch viel mehr Verkehr (zirka 10 Lastwagen täglich) zu erwarten ist. Dennoch kam das umweltfreundliche Projekt im Gemeinderat nicht in die Spur. Moniert wurden der zu erwartende Verkehr, der vermutete gefährliche Umgang mit Wasserstoff, der Standort und sowieso sei eine Ermüdung vorhanden in Bezug auf neue Bauten in der Region und dem daraus entstehenden Verkehr. Der Entscheid wurde vertagt.
Einig war man sich wegen der in einer Motion kritisierten nächtlichen Störungen bei der Waschanlage. Für die vor Jahren aufgestellten Getränkeautomaten fehle eine Bewilligung. Der Betreiber muss nachträglich ein Baugesuch einreichen.