Riedholz
Nach uns die Sintflut: Weltuntergang mit «Theaterfabulaktur» in Attisholz Nord

Die Theaterfabulaktur lässt in Attisholz Nord das Publikum am Weltuntergang teilhaben.

Urs Byland
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Draussen regnet es unaufhörlich. Drinnen soll gefeiert werden. Ankunft der Tante Charlotte bei Clara und Willi, die das Festessen organisieren.

Draussen regnet es unaufhörlich. Drinnen soll gefeiert werden. Ankunft der Tante Charlotte bei Clara und Willi, die das Festessen organisieren.

Urs Byland

Sie lebt in einer perfekten Welt - die Familie Rastenberg - in Vineta. Einmal im Jahr trifft sich die Familie. Dieses Mal soll der 50. Geburtstag von Vineta gefeiert werden. Es ist das letzte Familientreffen. Anhaltende Regenfälle künden das nahe Ende an. Vineta wird untergehen.

Soll uns diese Geschichte unsere eigene vor Augen halten? Beispielsweise die Klimakatastrophe, der wir entgegengehen im Wissen darum, dass wir sie abwenden könnten? Die Rastenbergs glauben bis zum letzten Augenblick, dass sie den Kopf aus der Schlinge ziehen können.

Mit einer Ausnahme: Frieda Rastenberg, die mit Andrea, die die familiären Geschäfte weiterführen soll, sowie der haltlosen und schwangeren Christine die jüngste Generation verkörpert, steht mit ihrer Wut gegen die Gedankenlosigkeit der älteren Generationen allein auf weiter Flur. Sie lässt sich nicht einfangen in die familiäre Bande. Aber auch ihr gelingt am Ende die Flucht nicht. Der Damm ist gebrochen. Sie kann nicht fliehen.

«Ich habe mein Leben gelebt»

Die mittlere Generation hält in Vineta den Karren am Laufen. Karl mit Ordnung und Disziplin, Martha als Geschäftsfrau und Clara mit ihrem Willi, mit dem sie das häusliche Glück zelebriert. Sie wollen den nahenden Untergang nicht wahrhaben. Bleibt noch die Vertreterin der Gründergeneration von Vineta, Tante Charlotte. «Ich habe mein Leben gelebt», verkündet sich mit Stolz und abgeklärt, aber vergisst, dass sie mit ihrem Leben, das Leben der nachfolgenden Generationen zerstört hat.

Vineta Theaterfabulaktur aus Bern im Attisholz Nord.

Vineta Theaterfabulaktur aus Bern im Attisholz Nord.

Urs Byland

Die ausgeräumte Industriehalle mit den «zerschundenen» Wänden und Decken sind das passende Ambiente für das Weltuntergangstheater. Dieses beginnt mit einer Areal-Führung, die untermalt von Geräuschen durch surreale Szenen führt.

Im zweiten Teil der Führung geht das Publikum am Seil, man fühlt sich auf einer Alpinwanderung, auf verschlungenen Wegen durch das Gebäude und begutachtet die wie im Zoo «ausgestellten» Mitglieder der Familie. So ist man bestens darauf eingestimmt, was folgt. In einer Mischung aus Parolen, Gesängen und Spielszenen entwickelt sich auf der Bühne die Geschichte bis zum eindrucksvoll inszenierten Ende.

Die Leistung des Ensembles unter der Regie von Brita Kleindienst ist überzeugend und jede und jeder für sich sehenswert. Authentisch gespielte Charaktere ziehen das Publikum in eine Geschichte hinein, mit Theaterszenen, die haften bleiben.

Weitere Auftritte: Do. 2., 19.45 Uhr, So. 5., 18 Uhr, Fr. 10., 19.45 Uhr, Sa. 11., 18 Uhr, So. 12., 12 Uhr (neu), Mi. 15., 19.45 Uhr (neu), Do. 16., 19.45 (neu).

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