Aeschi
Rettungssanitäterin: «Jede Person kann Leben retten»

In allen drei Ortsteilen von Aeschi hängen seit kurzem sogenannte «AED-Geräte», also automatische externe Defibrillatoren. Eine der Rettungssanitäterinnen erklärt, dass man bei der Ersten Hilfe nichts falsch machen kann.

Rahel Meier
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Defibrillatoren in der Gemeinde Aeschi
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Neben Defibrillator und Beatmungsmaske sind auch noch Rasierer, Desinfektionstüchlein und Handschuhe im Paket vorhanden
In jedem Ortsteil von Aeschi ist ein Defibrillator angebracht. In Aeschi ist er bei der Turnhalle zu finden.
Ein anderer ist beim alten Feuerwehrmagazin in Steinhof
Der Defibrillator beim Strandbad in Burgäschi
Auf Knopfdruck fährt die Schublade mit dem Defibrillator aus, nach der Entnahme des Gerätes kann die Schublade wieder geschlossen werden

Defibrillatoren in der Gemeinde Aeschi

Rahel Meier

Die Defibrillatoren wurden von der Gemeinde angeschafft und stehen allen Einwohnern kostenlos zur Verfügung. «Bis eine Ambulanz von Solothurn her nach Steinhof gelangt, vergehen 21 Minuten. 19 Minuten sind es bis Burgäschi», erklärt Gemeindepräsident Stefan Berger. Er kam mit den Defibrillatoren allerdings bereits an seinem Arbeitsplatz in Berührung, absolvierte eine Schulung und diskutierte die Idee deshalb im Gemeinderat.

In allen drei Dorfteilen von Aeschi rücke zwar auch die Feuerwehr aus, wenn ein Herzstillstand gemeldet wird. «In der Jahresauswertung ist ausgewiesen, dass das rund zweimal pro Jahr passiert. Mit den öffentlich zugänglichen Defibrillatoren können jetzt aber alle reagieren und Leben retten.»

Kurse für alle

Damit die Bevölkerung die Angst vor den Defibrillatoren verliert, wurde ein Informationsabend durchgeführt. 47 Personen kamen, und rund die Hälfte von ihnen hat sich für einen Kurs eingeschrieben. «Jede Person kann Leben retten», sagt Heidi Vock. Sie ist Rettungssanitäterin und heute Geschäftsführerin bei der Notfalltraining Schweiz GmbH (Biberist). Ihre Firma hat Aeschi bei der Anschaffung der Geräte beraten und führt jetzt die Kurse durch. Bei einem Herzstillstand sinke die Überlebenschance pro Minute um 10 Prozent. Der einzige Fehler, den man machen könne, wenn man eine Person mit Herzstillstand vor sich habe, sei nichts zu machen.

Drei Standorte

Die Defibrillatoren sind frei zugänglich. Einer hängt bei der Mehrzweckhalle in Aeschi, einer beim alten Feuerwehrmagazin im Steinhof und einer beim Strandbad in Burgäschi. Die Kästen sind grün und wetterfest. Im Sommer werden sie gekühlt, im Winter beheizt und nachts leuchten sie blau. Beim Öffnen ertönt ein schriller Warnton und der Kasten leuchtet rot. Sobald man den Defibrillator und die Beatmungsmaske aus der Schublade im Gerätekasten entnommen hat, kann man diese wieder schliessen und der Warnton verschwindet. Im Paket sind neben Defibrillator und Beatmungsmaske beispielsweise auch Spezialelektroden für Kinder vorhanden, Handschuhe, Desinfektionstüchlein und ein Rasierer für Personen mit starker Brustbehaarung. Wurde der Defibrillator in einem Ernsteinsatz gebraucht, sollte er auf die Gemeindeverwaltung gebracht werden, damit er retabliert werden kann. (rm)

Die Kurse dauern rund eineinhalb Stunden. «Wir zeigen den Interessierten, wie das Gerät funktioniert und üben an Puppen. Wir bringen den Leuten aber auch bei, wie man einen Patienten bergen kann. Denn ein Defibrillator nützt nichts, wenn der Patient
mit Herzstillstand beispielsweise in einer Toilette eingeschlossen ist.» Alle Aescher Vereine dürfen ein Mitglied gratis an den Kurs schicken. Ebenso werden das Gemeindepersonal und die Lehrerschaft auf Kosten der Gemeinde geschult.

Die Geräte sprechen

Die Defibrillatoren in Aeschi stammen aus der neusten Gerätegeneration. «Sie sind sehr bedienerfreundlich und praktisch selbsterklärend», so Vock. So helfen sie auch mit, wenn sich jemand nicht traut, bei der Herzmassage tief genug zu drücken. «Die Geräte messen den Druck, den man gibt, und machen die Retter vor Ort darauf aufmerksam, dass sie beispielsweise stärker drücken dürfen. Ausserdem geben sie den Takt vor.» Nach Gebrauch sei es zudem möglich, den Einsatz auszuwerten.

Mehr als eine Person, die einen AED-Kurs bei der Notfalltraining Schweiz GmbH belegte, konnte ihr Wissen schon erfolgreich anwenden. «Letztes Jahr haben sechs unserer Kursteilnehmer dank beherzten Handelns ein Leben gerettet.»

Die Kurse in Aeschi finden am 20. August und am 3. September statt. Der Kursbeitrag beträgt 50 Franken, die Restkosten übernimmt die Gemeinde.