Samuel Widmer
Reporter schmuggelt Ecstasy aus Sitzung beim Sekten-Guru

An dem Tag, an dem die Strafanzeige gegen Samuel Widmer bekannt wird, wird im deutschen Fernsehen eine Sendung über Heiler ausgestrahlt. Darin geht es auch um den Arzt und Leiter der Kirschblüten-Gemeinschaft. Die Vorwürfe brechen nicht ab.

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Reinhold Beckmann im Interview mit Samuel Widmer und Danièle Nicolet Widmer.

Reinhold Beckmann im Interview mit Samuel Widmer und Danièle Nicolet Widmer.

zvg/ARD

Die Vorwürfe gegen den Lüsslinger Psychiater Samuel Widmer brechen nicht ab. Nachdem der «Tages-Anzeiger» am Montagmorgen dem Leiter der Kirschblütengemeinschaft den jahrelangen Einsatz von illegalen Drogen vorgeworfen hatte, doppelt abends das ARD-Fernsehmagazin «Beckmann» nach.

In der Sendung mit dem Titel «‹Ich mach dich gesund!› Scharlatane und falsche Heiler», schleust sich ein Reporter in eine Therapiesitzung in Samuel Widmers Zuhause in Lüsslingen-Nennigkofen ein.

Während der Therapiesitzung schmuggelt der Undercover-Reporter die für ihn bestimmte Tablettenration aus den Räumlichkeiten und übergibt sie einem Arzt. Ein Test soll zeigen, welche Pillen es wirklich sind. Und die Befunde zeigen: Bei den Substanzen handelt es sich um Meskalin und den Hauptwirkstoff von Ecstasy, MDMA.

Bereits in einem Vorgespräch soll die Kursleiterin den Reporter auf eine im Kurs folgende Straftat hingewiesen haben. In der Sendung berichtete eine Aussteigerin aus der sektenähnlichen Gemeinschaft, dass jahrelang illegale Substanzen verwendet worden seien.

Widmer streitet ab

Widmer war am Dienstag für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Am Montag hatte er gegenüber dieser Zeitung ähnliche Vorwürfe dementiert. In seinen Therapien seien keine illegalen Substanzen verwendet worden.

Auch im Film betonen Widmer und seine Frau, Danièle Nicolet, nur erlaubte Medikamente abzugeben. Nur Ketamin (Anästhesiemittel) und Ephedrin (bewirkt Rauschzustände) und kein Ecstasy würde verabreicht. «Leute nehmen manchmal Ecstasy selbst mit, weil sie diese Pillen bevorzugen. Wir geben aber nur die erlaubten Pillen ab», sagt Danièle Nicolet Widmer.

«Wir haben vom Fernsehbeitrag Kenntnis genommen», sagt Cony Zubler, Medienbeauftragte der Solothurner Staatsanwaltschaft. Gegen Samuel Widmer und drei Personen aus seinem Umfeld läuft ein Strafverfahren wegen Widerhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz. Letzten Donnerstag wurden mehrere Razzien durchgeführt. Ob Drogen gefunden wurden, ist unklar. «Polizei und Staatsanwaltschaft haben keine illegalen Substanzen gefunden», erklärte der 66-jährige Arzt gegenüber dieser Zeitung. Schliesslich gebe es auch nichts zu finden.

Ob die Razzien auch aufgrund der Fernsehrecherchen stattgefunden haben, will die Staatsanwaltschaft nicht sagen. Bekannt ist: Die Hausdurchsuchungen erfolgten offenbar aufgrund einer Anzeige der Zürcher Sektenaufklärungsstelle Infosekta. Unklar ist, inwieweit die Anzeige mit den Recherchen von «Tages-Anzeiger» und «Beckmann» zusammenhängen. (ldu/lfl)