Biberist
Rentner wurde von Treuhandbüro um 42 500 Franken betrogen

Der Geschäftsführer einer ehemaligen Biberister Firma muss sich wegen Veruntreuung verantworten. Aber da jener auf einem Schuldenberg sitzt und seine Firma bankrott gegangen ist, fällt die vom Gericht verhängte Strafe vergleichsweise mild aus.

Beatrice Kaufmann
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Der Geschäftsführer einer ehemaligen Biberister Firma wurde der mehrfachen Veruntreuung, Urkundenfälschung sowie Ungehorsam im Betreibungs- und Konkursverfahren schuldig gesprochen. (Symbolbild)

Der Geschäftsführer einer ehemaligen Biberister Firma wurde der mehrfachen Veruntreuung, Urkundenfälschung sowie Ungehorsam im Betreibungs- und Konkursverfahren schuldig gesprochen. (Symbolbild)

AZ Archiv

Es klingt einfach: Giovanni P.* (81) und seine Schwägerin Angela D.* (84) wohnen in der Schweiz und fahren 2009 für einige Monate in ihr Heimatland Italien. Für die Dauer ihrer Reise erhält Giulio M.*s (50) Firma in Biberist – diese biete Hilfe in Finanzfragen – eine Vollmacht über das Konto von Giovanni P., um dessen Rechnungen zu bezahlen. Geschäftsführer M. aber investiert das Geld – und verliert es. Es folgt ein jahrelanges Hin und Her, das am Montag in eine komplizierte Gerichtsverhandlung gemündet ist. Am Schluss standen Aussagen im Raum, die widersprüchlicher kaum sein könnten.

42'500 Franken veruntreut

Vollmachten, Aufträge, Belege – im Amtsgericht wurden unzählige Akten gewälzt, alle unterschrieben von Giovanni P. bzw. Angela D. Im Zeugenstand sagten beide wiederholt: «Das ist meine Unterschrift, der Text ist mir aber unbekannt.» Hat Giulio M. die unterschriebenen Papiere teilweise nachträglich ergänzt? Laut Strafbefehl ist dies mindestens bei der Vollmacht zum Geldbezug von Giovanni P.s Konto der Fall.

Mithilfe dieser überwies M. 42 500 Franken von P.s Konto auf jene seiner Firmen. Den Verwendungszweck konnte der Sizilianer nicht erklären. Mal war es zu verwaltendes Vermögen, mal ein Vorschuss, mal für Investitionen gedacht. Fest steht: Das Geld erhielt Giovanni P. nie vollumfänglich zurück. Zwar existiert ein handschriftliches Dokument in Italienisch, in dem Angela D. scheinbar bestätigt, M. habe alle Schulden bei P. beglichen.

Als der Richter ihr das angeblich von ihr verfasste Schreiben vorlegt, zeigt sich: D. kann es nicht wortwörtlich vorlesen. Die Rentnerin erzählt, sie verfüge weder über Schul- noch Berufsbildung. Da sie zudem kein Deutsch verstehe, habe sie für Korrespondenz und Finanzen Hilfe bei Giulio M. gesucht.

Diese Hilflosigkeit sowie D.s Vertrauen hat M. missbraucht. Das Gericht konnte zwar beweisen, dass M. Giovanni P. rund 10 000 Franken zurückbezahlt hat. Der Rest aber blieb aus. Zu P.s Glück wählte Giulio M. eine ungeschickte Verteidigungstaktik: Mit der Behauptung, sich keinen Anwalt leisten zu können, vertrat er sich kurzerhand selbst.

Wie Lars Rindlisbacher, Verteidiger von Giovanni P., erklärte, hatte M. einen Pflichtverteidiger. Was mit dem Mandat passiert ist, bleibt unklar. Damit hatte M. keine Hilfe, als er sich vor Gericht immer weiter in Widersprüche verstrickte. So gab er zu, auf einem Auszahlungsbeleg, laut dem M. 30 000 Franken vom Konto Giovanni P.s bezogen hatte, mit dem Namen seines Klienten unterschrieben zu haben. Dies, weil er «perplex» gewesen sei, dass die Bank ihm das Geld aushändigte. In seiner Verwirrung habe er nicht mehr gewusst, wie er unterschreiben müsse.

Angeklagter: Bankrott und krank

Trotz allem habe man versucht, eine friedliche Lösung zu finden, erklärte der Sohn von Giovanni P., Luca P., im Zeugenstand. Erfolglos – letztlich wurde M. betrieben. Doch auch den Termin auf dem Betreibungsamt hat M. erst auf polizeilichen Druck wahrgenommen. Mittlerweile ist Ms. Firma bankrott, er selber sitzt auf einem Berg Schulden und ist gesundheitlich angeschlagen, wie er schilderte. Umstände, die die scheinbare Milde der vom Gericht verhängten Strafe erklären.

Giulio M. wurde der mehrfachen Veruntreuung, Urkundenfälschung sowie Ungehorsam im Betreibungs- und Konkursverfahren schuldig gesprochen. Die Geldstrafe beträgt 180 Tagessätze zu je 10 Franken, die Busse 200 Franken. Weiter muss M. den ausstehenden Betrag des veruntreuten Geldes von rund 32 700 Franken in Form von Schadenersatz an Giovanni P. zurückzahlen.

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