Flumenthal

«Reich wird man nicht, aber es macht Spass»: Abenteuer-Brüder erzählen von ihren Reisen

Andreas (links) und Christian Zimmermann in ihrem Büro in Flumenthal, wo sie jeweils ihre Reisen in alle Welt planen.

Andreas (links) und Christian Zimmermann in ihrem Büro in Flumenthal, wo sie jeweils ihre Reisen in alle Welt planen.

Mit Fotos, Videos und Erzählungen berichten die Brüder Andreas und Christian Zimmermann aus Flumenthal von ihren abenteuerlichen Reisen.

Ein Brüderpaar aus Flumenthal sorgt für Unterhaltung in unzähligen Sälen, Pfarreizentren oder Schulen in der Schweiz. Seit 1993 berichten sie mit Fotos von ihren Reisen. Damals dokumentierten Andreas und Christian Zimmermann mit Dias und Erzählungen eine 3000 Kilometer lange Kanufahrt auf dem Yukon River im Nordwesten Kanadas. «Das war auch die einzige Reise, die wir gemeinsam unternahmen», sagt Christian Zimmermann. Heute werden die Reportagen mit Videos ergänzt. «Die Leute schätzen es, wenn sie beispielsweise einen Schotten in seinem breiten Dialekt reden hören.»

Die Brüder sind nicht mehr in ihren erlernten Berufen tätig. Sie haben in Flumenthal neben dem gemeinsamen Zweifamilienhaus einen praktischen kleinen Neubau hingestellt, der Büro, Lager und Zentrale ihres Zweimannbetriebes Global AV-Produktionen GmbH ist. AV steht für Audio Vision. Hier planen sie die Reisen oft Jahre im Voraus.

Neben den Reisen und deren Verwertungen mit Diashows, Multivisionen und Reiseberichten haben sie auch seit zehn Jahren die Vertretung in der Schweiz für die Präsentations-Software, die sie selber verwenden. Die Räumlichkeit in Flumenthal ist deshalb auch für Schulungen und Kurse eingerichtet. «Jeder hat seinen Job, das hat 25 Jahre lang funktioniert. Reich wird man nicht. Wir hätten auf unseren gelernten Berufen mehr verdient. Aber es macht Spass», erzählt Christian Zimmermann.

Das Hobby zum Beruf gemacht

Aber das Reisen und darüber berichten in Bild und Ton ist seit 25 Jahren das Hauptgeschäft von Andreas (Jahrgang 1963) und dem fünf Jahre jüngeren Christian Zimmermann. «Wir haben anfangs auf unseren Berufen gearbeitet und nebenbei das Hobby betrieben. Aber dann wurde der Aufwand zu gross, und wir machten unsere Hobbys zum Haupterwerb», erzählt Andreas Zimmermann.

Dabei ist Kreativität gefragt. «Wir zeigen ja nicht Familienfotos, sondern wollen einen spannenden Foto- und Videoabend über ein Land oder eine Abenteuerreise bieten. Wir erzählen Geschichten oder machen auch Interviews mit interessanten Menschen, denen wir unterwegs begegnen», wirbt Christian Zimmermann. Wichtig seien die richtige Kombination und persönliche Erlebnisse. Und nicht zuletzt würden die Besucher es auch schätzen, wenn der Reisende vorne auf der Bühne persönlich anwesend ist, und man ihm Fragen stellen kann. Viele Besucher bereiten eine ähnliche Reise vor, oder haben eine solche absolviert. Andere interessieren sich für die Aufnahmen.

Trolley Man

Bald werden sie in Solothurn und Olten zu sehen sein mit der Live-Reportage TransAustralia. «Klar hier stand ich mit meinem Abenteuer im Vordergrund», sagt Christian Zimmermann. In klassischen Reiseshows, etwa über Norwegen, Island, Schottland oder Kuba, wird mit den Fotos das Land präsentiert. In TransAustralia durchquerte Christian Zimmermann, der das Land schon dreimal bereiste, zu Fuss den Kontinent von Darwin bis Adelaide. Es war sein Bruder, der gelernte Maschinenzeichner, der die Idee hatte, Gepäck, Wasservorräte, Essen und Fotoausrüstung im Einkaufswagen zu transportieren. Diese witzige Idee hat auch in Australien Aufmerksamkeit erregt.

Mit dem Einkaufswagen durch Australien

Mit dem Einkaufswagen durch Australien

Bald war Christian Zimmermann als der «Trolley Man» bekannt. «Das Reisetempo war genial, und die kleinen, feinen Geschichten am Strassenrand waren interessant. Wildfremde Menschen hielten an, sobald sie mich erblickten, wussten bereits meinen Namen und spendeten auch mal ein kühlendes Bier.» Aufmerksamkeit erhielt er vor allem im Innern des Kontinents. Am Ende der Reise sei dieses Feeling vorbei gewesen. Im Grossraum Adelaide hielt man ihn für einen Obdachlosen. «Es war schon komisch, wenn die Leute bei Blickkontakt beschämt wegschauen. Das war ein spezielles Gefühl.»

Wilde Kängurus, tote Kängurus

Die Erlebnisse an den 105 Marschtagen bieten reichlich Stoff für die Live-Reportagen in den Sälen. Etwa die Suche nach Nachtlagern. «Da musste ich mit dem Einkaufswagen jeweils abseits der Strasse einen Platz suchen, damit ich nicht irgendwelchen komischen Gestalten eine Gelegenheit für einen Überfall bot.» Präsent hat er auch die Einladung einer Schulklasse zum Morgenessen. Nach dem Essen bat der Leiter zum Gebet. «Der letzte Satz lautete: Lieber Gott beschütze Christian und seinen Einkaufswagen vor allem Bösen, Roadtrains und wilden Kängurus.» Wilde Kängurus habe er schon gesehen. Die seien eher scheu gewesen. «Aber ich sah fast jeden Tag gegen 50 tote Kängurus auf der Strasse, die in der Hitze bestialisch stanken.»

Der gelernte Landschaftsgärtner war alleine unterwegs. Fotos und Videos machte er mit der selbstauslösenden Kamera auf dem Stativ. «Da musste ich jeweils wieder zurück, die Kamera holen.» So habe er wohl einige Kilometer mehr gemacht, als die 3059 Kilometer, die Darwin und Adelaide offiziell auseinander liegen. Die vielen Erlebnisse hat Christian Zimmermann in einem Tagebuch niedergeschrieben und in einem Reisebuch veröffentlicht.

Mit dem Rapid Einachser

Die aktuelle Kampagne TransAustralia geht nach rund 50 Auftritten bald zu Ende. Etwa 6000 Personen werden die Shows gesehen haben. «Anfangs besuchen wir jeweils die weiter entfernten Orte. Wenn wir dann nicht mehr so mögen, helfen die kürzeren Reisen», sagt der gelernte Maschinentechniker Andreas Zimmermann.

Die nächste Reise führt Andreas Zimmermann über 4200 Kilometer ans Nordkap und dann wieder retour. Dazu wählt er nicht etwa den kürzesten Weg. Mit einem Rapid Einachser peilt er das Ziel auf dem Landweg über Deutschland, Tschechei, die baltischen Staaten, Russland und Finnland an. Fünf Monate wird er unterwegs sein. Danach ist wieder der gelernte Landschaftsgärtner Christian Zimmermann an der Reihe. Er nimmt erneut den Einkaufswagen und will von Flumenthal nach Moskau marschieren.

Live-Reportage: TransAustralia. In der Region zu sehen am Do. 8. März Langenthal, Di. 13. März, Solothurn, Mi. 14. März, Burgdorf, Donnerstag 15. März, Olten. www.global-av.ch

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