Recherswil ist in den letzten fünf Jahren von 1600 auf rund 2000 Einwohnerinnen und Einwohner angewachsen. Der Aufwand für Gemeindepräsidium und Verwaltung hat folglich deutlich zugenommen. Der Gemeindepräsident arbeitet heute wesentlich mehr als die 22,5 Prozent, die er vor acht Jahren eigentlich einmal übernommen hatte.

Da sich dieser Aufwärtstrend mit der aktiven Zentrumsplanung fortsetzen wird, steht eine Reorganisation der Gemeindeführung an. Am Dienstagabend versammelten sich rund vierzig interessierte Einwohnerinnen und Einwohner zur öffentlichen Mitwirkungsveranstaltung.

Es wurde engagiert diskutiert, nachdem der externe Berater Thomas Gehrig die beiden zur Wahl stehenden Varianten erläutert hatte. Befürwortende Voten gab es sowohl für die Variante «Fondamento», die eine Stärkung der Gemeindeverwaltung vorsieht, wie auch für die Variante «Faro», welche das Pensum des Gemeindepräsidiums auf 50 Prozent aufstockt und dessen Person als «Leuchtturm» stärkt.

Jäggi favorisiert «Faro»

Jörg Aebischer, Präsident der FDP, betonte etwa: «Ich bin klar der Meinung, dass die Gemeinde im Milizamt geführt werden muss. Wir wollen eine kollegiale Führung, nicht eine präsidiale.» Die Übernahme eines 50-Prozent-Pensums sei vielen Leuten aufgrund ihrer Arbeitssituation nicht möglich, was folglich gegen das Modell «Faro» spreche. Wichtig sei vielmehr eine starke operative Führung – etwa in Form einer Gemeinde-Geschäftsleitung. Weitere «Fondamento»-Befürworter befürchteten, dass die anderen Gemeinderäte unter einem starken Gemeindepräsidenten an Einfluss verlieren könnten.

«Faro»-Befürworter relativierten hingegen, dass die 50-Prozent-Anstellung auch ein Vorteil sein könne – so wisse man nämlich, worauf man sich einlasse und werde auch entsprechend bezahlt.

Auf seine persönliche Favoritenvariante angesprochen, erklärte Gemeindepräsident Hardy Jäggi: «Ich kann mit beiden Varianten leben, aber sie müssten dann auch so umgesetzt werden, wie sie hier auf dem Papier stehen. Und da muss ich ganz ehrlich sagen, dass ich mir bei der Variante «Fondamento» nicht sicher bin, ob uns das gelingen wird», so Jäggis klares Votum.

Das «Fondamento»-Gemeindepräsidium wäre mit 25 Prozent nur halb so gross wie in der Variante «Faro», viele Aufgaben müssten von Gemeindeverwaltung und Gemeinderat übernommen werden. Was für Jäggi aber sicher nicht mehr in Betracht komme, sei die aktuelle Situation.

Ist «Faro» personenabhängig?

Die Versammlung hat sich aber keineswegs auf den aktuellen Gemeindepräsidenten Hardy Jäggi versteift – im Gegenteil. «Werden wir, wenn Hardy Jäggi einmal nicht mehr Gemeindepräsident sein möchte, jemanden für dieses Amt finden?», so ein Votum, das wiederum darauf abzielte, dass ein Amt von 50 Stellenprozenten nicht mit jedem Beruf vereinbar sei.

«Ich bin überzeugt, dass eine Gemeinde von unserer Grösse, eine Gemeinde die stetig wächst, nicht mehr im Milizsystem geführt werden kann», so Hardy Jäggi. Es brauche mehr – insbesondere, wenn man in die Zukunft blicke und sehe, was alles auf die Gemeinde zukomme, etwa in Form neuer Projekte und anstehender Arbeiten.

Finanzen sind zweitrangig

Einig waren sich die Anwesenden, dass die Entscheidung nicht von den Kosten abhängen dürfe. Die erwarteten Mehrkosten unterscheiden sich in den beiden Versionen nämlich kaum. Bei «Fondamento» spricht man von einem Mehraufwand von 50'000 Franken, bei «Faro» sind es 64'000 Franken pro Jahr. Noch bis 2. April können im Rahmen der Vernehmlassung Stellungnahmen abgegeben werden.

Am 21. Mai finden dann die Gemeinderatswahlen statt – noch bevor überhaupt über das neue Modell entschieden wurde. Dies geschieht nämlich erst an der Gemeindeversammlung vom 8. Juni, kurz bevor dann am 2. Juli das Gemeindepräsidium gewählt wird.