Schnottwil

Reed und Trachsel: Diese Paarung bewegt am Konzertabend

Die Klarinetten im Zusammenspiel.

Die Klarinetten im Zusammenspiel.

Die Musikgesellschaft Schnottwil wartete mit einem anspruchsvollen und vielfältigen Konzertabend unter Dirigent Thomas Trachsel auf.

Die Musikgesellschaft Schnottwil fing ihr Konzert mit «Spring March» aus Japan an. Das Schöne an der Musik ist, dass auch im November ein Frühlingsmarsch gefällt. Er muss nur spannend geschrieben und elegant gespielt werden, wie eben in Schnottwil. Unbekannt dürfte dem Publikum auch die Fortsetzung gewesen sein. Guzman Carcels «Himno a Bunol» braucht in unserem Sprachgebiet keine Übersetzung. Nicht ganz zufällig aus Spanien mitgenommen hat sie der Dirigent der MG Schnottwil, Thomas Trachsel. Mit der Sociedad Musical La Artistica aus dieser Stadt verbindet ihn eine besondere Freundschaft. Sie hat alle fünf bisher von Trachsel komponierten Sinfonien aufgeführt, meist wohl als Uraufführungen. Trachsel vermag wie kaum einer die musikalischen Feinheiten einer Komposition aus einem Orchester zu kitzeln. Das kam bei der Pavane als ideale Fortsetzung besonders zur Geltung.

Was im Programm einfach «Pavane» heisst, meint eigentlich «Pavane pour une Infante défundante». Komponiert wurde sie vom vielseitigen Franzosen Maurice Ravel (1875–1937). Der Gedanke, den damals 24-jährigen Ravel könnte der wirkliche Tod einer Königstochter in Spanien zur Komposition angeregt haben, liegt nahe. Schliesslich ist er ja auch nahe an der Grenze zu Spanien aufgewachsen. Aber dieser Gedankengang ist falsch. Er stellte sich lediglich vor, wie eine entsprechende Komposition klingen könnte. Er wollte auch ganz einfach ausprobieren, wie man so etwas auf dem Klavier darstellen könnte. Er komponierte damals ja ausschliesslich für Klavier. So ist diese Pavane ursprünglich ein Klavierstück.

Erst Jahre später macht er daraus eine Orchesterfassung, die 1910 uraufgeführt wurde. Und auch da war es für ihn wohl ein Probierstück auf dem Weg zum anerkannten Instrumentationskünstler. Ravel selber verstand nie, wieso dieses Probierwerk so beliebt wurde. Das hinderte Johan de Meij jedoch nicht, sich mit Ravels Werk zu befassen. Er veröffentlichte 1991 die anspruchsvolle Version für Blasorchester.

Hauptwerk gefunden

Das ist Material, mit dem so feinfühlige Dirigenten wie Trachsel etwas anfangen können. Die fein ziselierten Details etwa der Oboe und dem Englischhorn müssen auch interpretiert werden können. Das wurden sie – im Wechsel einfach besetzt – durchaus. Etwa zur gleichen Zeit arbeitete Alfred Reed an einem Auftrag zu einer Komposition für das World Music Festival 1993 in Kerkrade. Es wurde sein bekanntestes grösseres Werk.

Seine Dauer und sein Schwierigkeitsgrad entsprachen genau den Vorstellungen der Musikkommission der MG Schnottwil. Das Hauptwerk des Konzertes war gefunden, die dreisätzige «Fourth Symphoy» des Amerikaners. Beim ersten Satz, bezeichnet mit Elegy, war man hörbar um fein getragenes Spiel bemüht. In der ersten Hälfte des zweiten Satzes gefiel besonders die Passage mit den beiden nahezu solistischen Fagotten im Vordergrund. In der Tarantella – so ist der dritte Satz überschrieben – bekamen die Klarinetten ihren gebührenden Platz.

Das ganze Werk wurde als gelungener Reed mit viel geschmeidigem Trachsel drin wahrgenommen. Sicher kein denkbarer Schreibfehler stand im Titel, mit dem der zweite Konzertteil begann. «Raise of the Son» wählte der Amerikaner Rossano Galante sicher bewusst. Ein kräftiger Bass mit viel geblasenem und gestrichenem Holzanteil drin bildete den Teppich. Dieser bekam der gehobenen Unterhaltungsmusik des zweiten Teils. Davon profitierte insbesondere das Jay Bobcook Arrangement von John Barrys «Dances with Wolves». Gut bekam das auch der Bearbeitung des deutschen Arrangeurs Stefan Schwalgin (1965) von «Im Weissen Rössl». Dieses Singspiel schrieb grösstenteils Ralph Benatzky.

Eine Konzession an einen Grossteil des Publikums war der abschliessende Marsch «Bellinzona» von Gian Battista Mantegazzi. Für die grosszügige Zugabe liess Trachsel nochmals die Stimmen des zweiten Satzes von Reeds Symphony auf die Notenpulte holen. Auf den «Solothurner Marsch» als zweite Zugabe zu verzichten mochte er aber nicht.

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