Recherswil
Statt Industriebetrieben lieber eine Zone mit Gewerbe- und Wohnnutzung

Entlang der Autobahn hat es in Recherswil grössere zusammenhängende Flächen. diese sollen von der Industrie nun in die Gewerbe- und Wohnzone umgezont werden. Die Ortsplanung liegt noch bis zum 8. Juli öffentlich auf.

Rahel Meier
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Die Parzelle zwischen der Unterführungsstrasse und der Kleinfeldstrasse ist aktuell komplett von Bauzone umgeben und soll neu von der Reserve- in die Bauzone umgezont werden.

Die Parzelle zwischen der Unterführungsstrasse und der Kleinfeldstrasse ist aktuell komplett von Bauzone umgeben und soll neu von der Reserve- in die Bauzone umgezont werden.

Hanspeter Bärtschi

Mit der Erarbeitung der Ortsplanung Recherswil wurde im Mai 2015 begonnen: Nun liegt sie öffentlich auf. Auf Wunsch der kantonalen Behörden mussten diverse Berichte nachgereicht werden. Das hat die Planung verzögert. «Wir sind alles andere als begeistert, dass mitten im Spiel die Regeln geändert wurden», so Gemeindepräsident Hardy Jäggi.

«Wir mussten zwei Mal einen Nachtragskredit sprechen.»

Das bestätigt auch Planer Christian Sigrist (SPI, Planer und Ingenieure AG, Derendingen): «Es ging einen Schritt nach vorne, dann wieder einen zurück.» Das Endresultat sei nun aber so, dass es allen aktuellen Vorgaben entspreche. «Wir konnten einen Grossteil der Anliegen aus der Mitwirkung umsetzen. Die Planung entspricht den Interessen der Behörden und der Einwohner», meint Sigrist weiter. Das kann auch Jäggi bestätigten: «Mit dem Resultat, wie es nun aufliegt, sind wir zufrieden.»

Nachfrage nach Bauland ist da

Recherswil ist heutzutage grösstenteils gebaut. Allerdings besteht seit Jahren eine kontinuierliche Nachfrage an Bauland. Mit Umzonungen innerhalb der Bauzone und der Festlegung geeigneter Baumasse kann der künftige Wohnraumbedarf sichergestellt werden.

Auch diverse Massnahmen zur Förderung der Innenentwicklung sind in die Planung eingeflossen. Dazu gehört beispielsweise die Einführung eines Nutzungsbonus bei der Umnutzung von Altbauten (Nutzungsverdichtung) oder für Arealüberbauungen, oder die Aufhebung der Zone W3r. «Wir haben eine maximale, aber auch eine minimale Ausnützungsziffer festgelegt», so Sigrist.

Mit einigen Grundeigentümern konnten zudem vertragliche Verpflichtungen zur Überbauung ihrer unüberbauten Grundstücke unterzeichnet werden. Viele solche Grundstücke sind aber kleine Flächen innerhalb der Wohnquartiere und auch wenn sie weiter brachliegen, macht eine Auszonung trotzdem keinen Sinn.

Arbeitsplatzzone wurde überprüft

Die Planungsbehörden haben sich während der Erarbeitung der Ortsplanung intensiv mit der heutigen bestehenden Arbeitszone auseinandergesetzt. Den Industrie- und Gewerbebetrieben wird mit den bestehenden Zonen eine Standortsicherheit geboten. Bisher noch unbebaute Areale – im Widacker und im Steinacker – werden aber von der Industrie- neu in die Gewerbe- und Wohnzone überführt. «Damit kann ein besserer Mix erzielt werden», so Planer Christian Sigrist (SPI, Derendingen).

Neue grössere klassische Industriebetriebe sollen künftig nicht mehr angesiedelt werden. Insbesondere Areale die in der Nähe der Autobahn liegen und gleichzeitig an Wohngebiete anschliessen, werden zur Umzonung vorgeschlagen.

«Das ist auch eine Konsequenz der geforderten Innenverdichtung»,

erklärt Sigrist. «Das Land ist bereits in der Bauzone, eine Umzonung macht deshalb Sinn. Zudem kann die Gemeinde den Übergang zwischen der Industriezone, der Gewerbezone und der Wohnzone so beeinflussen und die Emissionen für das angrenzende Wohngebiet vermindern.»

Eine Konsequenz daraus ist die Aufhebung des bestehenden Gestaltungsplanes im Widacker (Parzelle Nr. 828). Damit wird auch der Weg frei, für eine neue Arealerschliessung. Diese soll weiterhin über die Unterführungsstrasse erfolgen, aber wesentlich weniger Bauland beanspruchen. Auf dem Areal soll eine einheitliche Überbauung entstehen. Es muss wiederum ein Gestaltungsplan ausgearbeitet werden. Zudem wird dem Grundeigentümer eine Bauverpflichtung auferlegt.

Zwei Parzellen aus der Reservezone eingezont

Überprüft wurden auch die bestehenden Reservezonen. Sie werden neu grösstenteils der Landwirtschaftszone zugeführt. Zwei Parzellen werden allerdings eingezont. Beide Parzellen sind aktuell komplett von der Bauzone umgeben. Eines der Grundstücke (GB Nr. 975) liegt zwischen der Unterführungsstrasse und der Kleinfeldstrasse. Die Parzelle misst 6100 Quadratmeter, wird der Wohnzone W3 zugeordnet und mit einer Gestaltungsplanpflicht und einer Bauverpflichtung belegt. Die zweite Parzelle ist im Gebiet Winkel/Käsereistrasse. Beide Einzonungen dienen der Arrondierung der Bauzone und müssen nicht kompensiert werden.

Auch die Zone für öffentliche Bauten und Anlagen (Oeba) wurde überprüft. Weil sie sich als unnötig gross erwiesen hat, wird ein Teil der heutigen Oeba beim Kindergarten Winkel neu in die Wohnzone W2 überführt. Im Bereich der Chänelmatten erfolgt ein flächengleicher Abtausch mit der Landwirtschaftszone zwecks Begradigung der Bauzonengrenze. Dies kommt zum einen der Nutzung der Oeba und zum anderen dem Bewirtschafter des Landwirtschaftslandes entgegen.

Naturinventar und Naturkonzept

Aufwertungen in der Landschaft sind nötig

16 bedeutende Gebiete oder Objekte sind im Naturinventar der Gemeinde Recherswil aufgenommen. Die wertvollsten Elemente sind laut Rolf Glünkin (ANL Beratungen Solothurn) die Bäche mit ihren naturnahen Uferbestockungen, sowie die Waldränder mit angrenzenden Dauerwiesen. Innerhalb des Siedlungsgebietes sind die meisten Bäche stark verbaut und die Uferbestockung oft naturfern. Hier besteht laut Glünkin ein hohes Aufwertungspotenzial.

Insgesamt, so das Urteil, sei Recherswil eher arm an vielfältigen, naturnahen Lebensräumen. Es fehlten vor allem Hecken, Feldgehölze mit grösseren angrenzenden ungedüngten und artenreichen Wiesen und alte Bäume.

Glünkin schlägt diverse Massnahmen vor, mit denen der Natur wieder mehr Raum gegeben werden könnte. Das beginne beispielsweise damit, dass die Gemeinde ihre Grün- und Umgebungsflächen naturnah gestalten und unterhalten sollte. Am Dorfbach und am Widlibach sollten die Bachufer naturnah gestaltet werden.

Weiter sollten die im Naturinventar aufgenommenen Waldränder mit angrenzenden ungedüngten Wiesen aufgewertet werden. Weiter könnten trockene (Mager)-Wiesen gefördert werden. Im «Ischlag» schlägt Glünkin aber eher (Fett)-Wiesen vor. An den Bächen ausserhalb des Siedlungsgebietes sollten vermehrt Bachröhricht und Hochstaudenfluren gefördert werden. Auch die Schaffung von kleinen Gehölzgruppen bei Weggabelungen wäre laut Glünkin eine realistische Möglichkeit zur Aufwertung. (rm)

Die Landwirtschaftszone wurde zum grössten Teil belassen. Einer der sieben Betriebe, die heute noch geführt werden, wird 2023 aufgeben. Die neue Ortsplanung berücksichtigt diesen Umstand.

Mit der Arbeit an der Ortsplanung wurden auch viele Einzelgrundstücke überprüft und die Zonierung teilweise angepasst. Ebenso wurde diverse umgesetzte Gestaltungspläne aufgehoben.

Unterirdische Parkierung wird vorgeschrieben

Bei Mehrfamilienhäusern mit sechs oder mehr Wohnungen wird künftig eine unterirdische Parkierung vorgeschrieben. Damit sollen die versiegelten Flächen verringert werden. «Für das Ortsbild ist es ebenfalls von Vorteil», so Christian Sigrist. Man sei sich bewusst, dass der Grundwasserspiegel in Recherswil sehr hoch sei. «Das ist aber kein Killerkriterium für einen Neubau.» Neu ist auch die Vorschrift, dass Flachdächer künftig extensiv zu begrünen sind.

Die Ortsplanung liegt noch bis zum 8. Juli öffentlich auf.