Das vom Souverän gut geheissene Räumliche Leitbild legt bis 2030 ein Wachstum um 1 Prozent jährlich fest (mit einer Spanne zwischen 0,5 und 1,5 Prozent). Aktuell hat Riedholz 2305 Einwohner. Planer Alain Kunz rechnet grosszügig mit einem Anstieg auf 2880 Einwohner. In Riedholz und Niederwil wurden seit den letzten Ortsplanungsrevisionen insgesamt 123 020 Quadratmeter neu überbaut. Aktuell hat die Gemeinde noch 132 456 Quadratmeter Land in der Bauzone, welches nicht überbaut ist. Dieses Land reicht theoretisch für 355 Personen.

«Wir haben es schwer mit neuen Einzonungen», so das Fazit von Alain Kunz. Das vom Volk angenommene Raumplanungsgesetz setzt den Fokus unter anderem auf innere Verdichtung. Will sich Riedholz maximal entwickeln, dürfte vor allfälligen Neueinzonungen vom Kanton der Hinweis kommen, es zuerst mit innerer Verdichtung zu versuchen. Die Probleme stellen sich zweifach. Eigentümer von unbebauten Parzellen können nicht dazu gezwungen werden zu bauen. Und die innere Verdichtung ist ein langfristiger Prozess.

«Wir wollen nicht nur das Attisholz entwickeln», machte Kunz den Gemeinderäten Mut. Jetzt schon hinke die kantonale Prognose der Bevölkerungsentwicklung in Riedholz der Realität hinterher, so Kunz. «Die Gemeinde hat zudem mit dem Räumlichen Leitbild eine Aussage gemacht, die Gewicht haben muss.» Gründe genug also, doch Einzonungen zu begehren. Alain Kunz könnte sich auch vorstellen, dass im Areal Attisholz Nord ausgezont wird, und als Kompensation Einzonungen im Dorf möglich werden.

1,23 Hektaren neues Bauland

Die von Planer Alain Kunz und von der Ortsplanungsrevisionskommission vorgeschlagenen Änderungen der Bauzonenpläne hätten demnach eine Erweiterung der Bauzone um netto 1,23 Hektaren zur Folge. Der Gemeinderat lehnte aber eine der vorgeschlagenen Aufzonungen ab. Er sprach sich mit 6 zu 1 Stimmen sogar für eine Rückzonung des Reservelandes Wallierhof in Landwirtschaftsland aus. Dies um der gewünschten Aufzonung Stöcklimatt von der Reservezone in Bauland mehr Gewicht zu verleihen.

Etwas Verwirrung entstand bei der Abstimmung um die Einzonung von zwei Flächen in die Zone für öffentliche Bauten. Anfangs drohte das Areal beim Fussballplatz ausser Rang und Traktanden zu fallen. Die Höhe des möglichen Kaufpreises, der bei einer Nutzung (als Fussballplatz) entrichtet werden müsste, schreckte ab. Vorläufig bleibt das Begehren für eine Einzonung aber in der Ortsplanungsrevision. Ebenso das Areal, das bei der Bipperlisi-Station für eine Park & Ride-Anlage vorgesehen ist.

Land von Ex-Bundesrat

Die vorgesehenen Rückzonungen von 1,92 Hektaren mussten mit dem Entscheid des Gemeinderates um das Areal Wallierhof ergänzt werden. Der grösste Teil der Rückzonung soll den Rütirain betreffen. Die Reservezone, anschliessend an das Villenquartier hoch über Riedholz, fand in der Kommission keine Gnade und soll wieder in Landwirtschaftsland rückgezont werden. Der grösste Teil des Areals erinnert an das Abenteuer von Christoph Blocher im Attisholz. Als seine Ems-Gruppe über die Adisca AG Land im Attisholz kaufte, gehörte das Land im Rütirain mit dazu.

Der Gemeinderat schickte die Pläne zur Ortsplanungsrevision einstimmig in die Mitwirkung, die im November durchgeführt wird. Ausgeklammert ist das Areal Attisholz Nord. Dort läuft parallel die Nutzungsplanung Attisholz Nord. Beide Planungen sollen vor der öffentlichen Auflage, also nach der Mitwirkung und der Vorprüfung durch den Kanton, vereint werden.

Überlastetes Sozialteam

Das Team der Sozialen Dienste Mittlerer und Unterer Leberberg (SD MUL) ist an seine Grenzen gestossen. Grund sei der massive Anstieg der Anzahl anerkannter Flüchtlinge, der die dafür vorgesehenen Ressourcen sprenge. Im ersten Halbjahr stieg die Zahl von 18 auf 41 an. Die Menschen benötigten ein Mehrfaches an Anleitung, Begleitung und Betreuung wie bis anhin. Der Kanton rechnet bis im Winter mit zirka 30 Asylsuchenden pro Woche, die auf alle Sozialregionen verteilt werden müssen. Der Vorstand stellt deshalb den Antrag, den Stellenetat für die Sozialadministration um 60 Prozent zu erhöhen.

Vorgestellt wurde an der Gemeinderatssitzung auch der SD MUL-Voranschlag. Der Gemeindebeitrag der elf angeschlossenen Gemeinden erhöht sich insgesamt um 270 000 Franken. Grund dafür ist unter anderem auch der Bezug neuer Räumlichkeiten, der nötig wurde um die Sicherheit der Kunden aber auch des Teams zu gewährleisten. Am neuen Ort sind die Mietkosten doppelt so hoch wie bis anhin.