Im Verbandsmagazin der Schweizerischen Vereinigung der Landplanung erhält Biberist keine guten Noten. Der Bericht «Der Landhunger eines Geschäftsmodells» beleuchtet den Einfall deutscher Detailhandels-Discountketten wie Aldi und Lidl. Fazit: Das Geschäft lohne sich für die Discountketten, allerdings beanspruchten die Niederlassungen Kulturland, mancherorts verschwenderisch viel und am falschen Ort.

Das typische Bild des «Discounters» ist das eines eingeschossigen Gebäudes am Rand oder ausserhalb des Siedlungsgebietes, ergänzt von Parkierungsflächen unter freiem Himmel. Die Aldi-Filiale in Biberist entspreche genau dieser Vorstellung. Die Wahrnehmung driftet dabei weit auseinander. Die Jungen Grünen Schweiz haben die Filiale an der Westtangente für ihre Zersiedlungsinitiative adoptiert und prangern im Werbematerial für die Initiative verschwenderischen Flächenverbrauch und fortschreitende Zersiedelung an (siehe Foto). Auf der anderen Seite sei in den offiziellen Planungsunterlagen der Gemeinde nachzulesen, dass die projektierte Filiale «den Gegebenheiten des Areals bestmöglich Rechnung trage». 

Fast in allen Bauzonen zulässig

Laut Bericht, der auf einer Studie von Raumplaner Andreas Hengstermann gründet, habe der Einfall der Discountketten nicht nur die Konkurrenz, sondern auch die Raumplanung überrascht. Denn Aldi oder Lidl haben klare Betriebs- und Standortkonzepte. Im bestehenden Planungsinstrumentarium würden diese aber nicht vorkommen. Die Nutzung der Filialen ist meist in allen Bauzonen zulässig.

Die Nutzungsziffern beschränken sich auf die Angabe von Maximalwerten. Diese würden keine Auseinandersetzung ermöglichen mit einer baulichen Unternutzung. Die Parkplatzanzahl fliesst meist als Minimalwert in die Planung, was den verschwenderischen Umgang mit Bauland fördere, so der Verfasser des Berichtes. Und beim Verkehrsaufkommen hätten manche Kantone zwar Grenzwerte festgelegt, aber nur für grosse Verkaufszentren. Zahlen, die ein Aldi und ein Lidl nicht erreichen.

Zu spät reagiert

Im Jahr 2005 eröffnete Aldi seine erste Filiale, 2009 folgte Mitbewerber Lidl. Der Ausbau des Filialnetzes ist bei beiden Ketten nicht abgeschlossen. Einzelne Gemeinden haben auf das «planungsrechtliche Vakuum», so der Bericht, mit Zonenanpassungen reagiert. So werden Verkaufsflächen für Güter des täglichen Bedarfs in diesen Zonen ausgeschlossen oder auf wenige hundert Quadratmeter beschränkt. Aber die Anpassung der Bauordnung sei in vielen Gemeinden zu spät erfolgt.

Die Discounter konnten viele ihrer Filialen noch erstellen. In einer Auflistung zeigt Studienautor Andreas Hengstermann auf, dass nur ein geringer Anteil (12 Prozent) der Filialen zentral gelegen seien, und als Quartier- oder Dorfladen fungieren. 14 Prozent liegen im weiteren Siedlungsbereich, 52 Prozent in Industrie- und Gewerbegebieten und 22 Prozent ausserhalb jeglichen Siedlungsgebietes. Letztere beiden Kategorien würden laut Kritikern zur Zersiedlung beitragen und Ortskerne veröden lassen.

Mögliche Massnahmen

Aktuell bestünden drei Wege, um Filialen vom Siedlungsrand in den Ortskern zu holen. Das oben erwähnte Verbot oder Einschränkung von Verkaufsflächen in Gewerbe- und Industriezonen, Parkplatzvorschriften, die ab einer gewissen Parkplatzgrösse eine Mehrgeschossigkeit verlangen und als weiteren Weg die Standortsuche gemeinsam mit den Discountketten.

Die Studie beschränkte sich laut Hengstermann auf Aldi und Lidl wegen der methodischen Vergleichbarkeit, weil bekannte Ketten wie Coop und Migros in einer «kooperativen Verfahrenskultur» zu planerischen-baulichen Kompromissen bereit seien. Ein Vergleich mit Denner und Landi wiederum sei nicht zulässig, weil diese oft in altrechtlichen Situationen stünden.

Beispiel Luterbach

Dass die Gemeinden oft wehrlos sind und unliebsamen Entwicklungen nur schwer entgegenwirken können, zeigt das Beispiel Luterbach. Dort wollte Lidl auf der Nordseite der Geleise, eher am Siedlungsrand eine Filiale erstellen. Die Gemeinde fürchtete eben um die Entleerung ihres Dorfkerns, verlor aber vor Gericht mit dieser Darstellung. Das Lidl-Baugesuch wurde genehmigt. Lidl wollte dann aber wegen anderer Gründen nicht mehr und verkaufte an Landi. Hier verlangte die Gemeinde nun einen Wohnanteil. Inzwischen wurde aber eine Planungszone über das Gebiet verhängt. Nächstens soll es dort mit dem Landi-Projekt aber weitergehen.

Quelle: Inforaum, Magazin für Raumentwicklung, Februar 1/2018