2016 stand bei den Raiffeisenbanken Solothurn, Wandflue und Weissenstein im Zeichen der Fusion. Nun folgte die erste Generalversammlung der neuen Raiffeisenbank Weissenstein. Hatten bisher kleinere Lokalitäten ausgereicht, wurden die Genossenschafter heuer in die festlich dekorierte Eishalle in Zuchwil eingeladen, wo sie vom Jodlerchörli Weissenstein begrüsst wurden. 1560 Stimmberechtigten folgten dem Ruf, darunter einige kritische Geister, welche eine Erhöhung der Verzinsung erwirkten.

«Ende 2015 waren die Prognosen düster», blickte Verwaltungsratspräsident Silvio Bertini zurück. Letztlich sei das vergangene Jahr aber «gar nicht so schlecht» gewesen. So habe man den Währungsschock gut verarbeitet und europaweit eine moderate aber stetige Erholung in der zweiten Jahreshälfte verzeichnet.

Für 2017 wagte Bertini von einer «Aufhellung» zu sprechen, wenn auch mit Unsicherheiten. Es sei etwa unklar, ob noch mehr Länder einen EU-Austritt wagen. Jener Frankreichs sei zumindest vorerst vom Tisch. Und der Eurowechselkurs entwickle sich in die richtige Richtung für das Exportland Schweiz. «Nun hoffen wir auf Stabilität.»

Vom Zinsgeschäft abhängig

Trotz Fusion und schwierigem Marktumfeld spricht die Bank von einem erfolgreichen Jahr. So wertet sie das Plus von 4 Prozent bei den Kundeneinlagen als Zeichen des Vertrauens. Auch im Ausleihungsgeschäft verzeichnet die Bank ein Plus, wenn auch nur um 0.5 Prozent. Und trotz Mehrausgaben in Zusammenhang mit der vollzogenen Fusion, sind Geschäfts-, Sach- und Personalaufwand gesunken.

Mit Blick auf das Zinsgeschäft konstatierte Tony Broghammer, Vorsitzender der Bankleitung, allerdings: «Die Luft wird dünner». Der Netto-Erfolg aus diesem betrug 19.9 Mio. Franken, was 85.8 Prozent des Geschäftsertrages entspricht. Angesichts dessen dass Mitbewerber aggressiv auf dem Markt auftreten, wolle man die Abhängigkeit davon reduzieren und entsprechend die Standbeine Versicherung und Vorsorge stärken.

Gegenantrag gewinnt

Mit der Jahresrechnung zeigten sich die anwesenden Stimmberechtigten zufrieden, sie genehmigten sie einstimmig. Der Verwaltungsrat hatte eine Verzinsung des Genossenschaftskapitals von 4 Prozent beantragt, woraufhin der Genossenschafter Sepp Marti, Bettlach einen Gegenantrag formulierte. Angesichts des guten Geschäftsjahres bestehe bei den Genossenschaftern der Raiffeisenbank Weissenstein die Erwartung einer Verzinsung von 6 Prozent, so Marti.

Silvio Bertini bestätigte erneut, man habe ein gutes Geschäftsjahr hinter sich. Der Verwaltungsrat folge aber dem Motto «Spare in der Zeit, so hast du in der Not» und habe daher eine tiefere Verzinsung beantragt. Die Mehrheit der Stimmberechtigten hielt letztlich die Argumente Martis für überzeugender und befürwortete seinen Antrag mit 838 zu 673 Stimmen. Damit beträgt die Gewinnreserve neu 1,033 Mio. Franken (statt 1,164 Mio. Franken) und die Verzinsung 392'418 Franken (statt 261'612 Franken).

In seinem Ausblick versprach Bertini auch in Zukunft umfangreichen und zahlbaren Service. Ausserdem setze man sich weiterhin mit der zunehmenden Digitalisierung auseinander. «Der Bankschalter der Zukunft ist digitaler» und die Bedeutung des Bargelds werde abnehmen – trotz neuer Noten. Ausserdem lauerten mit dieser Entwicklung auch Gefahren, wie die jüngsten Cyber-Attacken gezeigt haben.