Das Vollstreckungsgesuch von Espace Real Estate in Sachen Raubtierpark René Strickler hat wegen der Raubkatzen eine aussergewöhnliche Dimension. Das stellt das Richteramt Bucheggberg-Wasseramt fest, wo das Vollstreckungsgesuch am Dienstag eingereicht worden ist.

Deshalb hat das Richteramt nun eine Verhandlung angesetzt, an der das Vorgehen mit allen Beteiligten inklusive René Strickler besprochen und entschieden werden soll. 

Wildtierhalter in Verantwortung

Wie vorgehen in solch einem aussergewöhnlichen Fall? Der Zürcher Rechtsanwalt Antoine F. Goetschel hat schon verschiedene Fälle mit Zwangsräumungen von Tieren miterlebt. «Denken Sie beispielsweise an Katzenhalter, die zu viele Tiere besitzen.» Er erinnere sich an einen Fall mit 50 Katzen, die untergebracht werden mussten. «Das ist rein von der Menge her gesehen ein Problem. Die Veterinärbehörden geben sich jeweils grosse Mühe, gute Plätze zu finden», zeigt er Vertrauen in die Vorgehensweise der Behörden.

Goetschel, der auch Präsident von Global Animal Law ist, berichtet von einer Zooräumung im deutschen Hanau. «Dort musste ein Platz für ein Nashorn gefunden werden, was zu Schwierigkeiten für die Behörden führte.»

Das Urteil von Goetschel ist klar: «Die Wildtierhalter müssen sich selber überlegen, wie sie die Situation einer Räumung bewältigen können. Das sollte nicht zur Aufgabe der Öffentlichkeit werden.» Man dürfe erwarten, dass Wildtierhalter sich Gedanken machen, wie eine allfällige, realistische Lösung aussehen könnte. «Vor allem, wenn man Jahre zur Verfügung hatte. Jetzt auf hilflos zu machen, ist an der Grenze des Erträglichen.» Der Kinderzirkus Knie in Rapperswil hatte das gleiche Problem mit den Delfinen, als die Delfinhaltung in Kritik geriet. «Glücklicherweise wurde ein Delfinarium gefunden, das die Tiere aufnahm.»

Auf Kosten des Tierhalters

Antoine F. Goetschel war massgeblich mitbeteiligt am Bundesverfassungsartikel zur Würde der Kreatur (BV; Art. 120 Abs.2). «Oft ist von Tierliebe die Rede. Da stellt sich die Frage, stimmt die selbst proklamierte Tierliebe mit der Verantwortung gegenüber den Tieren überein.» Wenn der Raubtierhalter nicht in der Lage sei, seine Tiere zu halten, müsse man ihm diese entziehen. «Auf Kosten des Tierhalters», fügt Goetschel an. Er spricht von einem Auslaufmodell. «Manche verspielen den Goodwill der Öffentlichkeit und den letzten Funken an Sympathie gegenüber der Wildtierhaltung. Ihr Verhalten erhöht den Druck gegen diese Form von Tierhaltung.»