Bellach

Quinoa aus Schweizer Produktion steht kurz vor der Ernte

Mirjam Lüthi im Feld mit dem Fuchsschwanzgewächs.

Mirjam Lüthi im Feld mit dem Fuchsschwanzgewächs.

Quinoa, das nahrhafte Korn aus Südamerika, soll bald auch aus Schweizer Produktion auf den Tisch kommen. Familie Lüthi aus Bellach hat es auf einem Feld an der Aare angebaut – bald fahren die Mähdrescher zur Ernte auf.

Quinoa ist ein Verkaufsrenner. Bei Coop wachsen die Absatzmengen «seit längerer Zeit zweistellig», so Sprecher Ramon Gander. Die Importzahlen von Bio-Quinoa mit dem Knospe-Label entwickeln sich rasant: Laut Auskunft der Organisation Bio-Suisse, Inhaberin der Marke, stiegen sie innerhalb von fünf Jahren um mehr als das Zehnfache: Betrug die Importmenge 2009 noch 20 Tonnen, waren es letztes Jahr über 270 Tonnen. Konsumenten finden in den Regalen der Grossverteiler bis jetzt ausschliesslich Quinoa aus Südamerika.

Das soll sich demnächst ändern. Denn nun haben auch Schweizer Bauern das Potenzial der genügsamen Pflanze entdeckt. In einem Feldversuch hat die Vereinigung integriert produzierender Bauern, IP-Suisse, ein Anbauprojekt lanciert. Die Landwirtsfamilie Lüthi-Probst aus Bellach war unter den ersten, die den Versuch gewagt haben. Mit Erfolg. Bereits steht die zweite Ernte bevor. In Kürze soll sie beginnen. Mirjam Lüthi, Bäuerin und Agronomin, ist bei IP-Suisse gleich selber für das Projekt verantwortlich. Sie erklärt: «Wir wollten die Chance packen, ein Produkt mit steigender Nachfrage und gutem Preis auf den Markt zu bringen.» Lüthis haben auf einer halben Hektare Quinoa angepflanzt.

Gesund und nahrhaft

Das Feld liegt direkt an der Aare. Viele Spaziergänger bleiben stehen, um die fremd anmutende Pflanze aus der Gattung der Fuchsschwanzgewächse zu bestaunen und die Informationen auf dem Schild zu lesen: Quinoa, auch bekannt unter den Namen «Inkareis, Reismelde, Andenhirse, Perureis oder Gold der Inkas» ist eine einjährige, krautige Pflanze, die nahrhafte Körner produziert: Sie gilt als eine der «besten pflanzlichen Eiweissquellen auf der Welt», lesen neugierige Wanderer. Und weiter: «Sie enthält alle neun lebensnotwendigen Aminosäuren, ist reich an Mineralien und frei von Gluten, dem Klebereiweiss von Getreide, auf das manche Menschen allergisch reagieren.

Fachleute bestätigen die Vorteile von Quinoa. Der Zürcher Präventivmediziner David Fäh: «Quinoa ist für die Ernährung deutlich wertvoller als Mais und Reis und hochwertiger als Weizen.» Denn das Korn enthalte mehr Nahrungsfasern, weniger Kohlenhydrate, sei dafür reichhaltiger an wertvollen Fetten. Auch Brigitte Buri von der Schweizerischen Gesellschaft für Ernährung empfiehlt, Quinoa als gesunde Abwechslung auf den Speiseplan zu setzen: «Von der günstigen Zusammensetzung der Eiweisse können Veganer und Vegetarier profitieren.» Zudem ist das Korn vielseitig einsetzbar: Es hat einen nussigen Geschmack, passt als Beilage zu Gemüse, als Salat oder gepufft im Müesli.

Wenig anfällige Pflanze

Kämpften Lüthis im ersten Jahr noch mit wucherndem Unkraut, habe sich das nun verbessert: Mirjam Lüthi: «Wir haben anders angesät und können diesmal auch mit der Hackmaschine jäten.» Zuvor mussten sie das Unkraut in mühseliger Handarbeit ausreissen. Chemische Spritzmittel dagegen gebe es keine, so Lüthi, und solche gegen Schädlinge seien bei IP-Suisse ohnehin nicht erlaubt. Ansonsten hat sich die Pflanze als unkompliziert erwiesen. Lüthi: «Sie ist robust, wenig anfällig auf Schädlinge und verträgt auch Trockenheit problemlos.»

Für den Anbau in der Schweiz also gut geeignet und für manchen Landwirt «ein interessantes Nischenprodukt», kommt Mirjam Lüthi zum Schluss. Vorausgesetzt, es finden sich genügend Abnehmer. Mirjam Lüthi ist optimistisch: Sie verhandle bereits mit mehreren Interessenten. Welche, will sie noch nicht verraten.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1