Luterbach
Queen, Metallica und Filmmusik: Patrick Gläser rockt auf der Orgel

Patrick Gläser überzeugte in der reformierten Kirche Luterbach mit seinem für ein Orgelkonzert ungewöhnlichen Repertoire.

Hans Blaser
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Im richtigen Licht für ein Rockkonzert spielt Patrick Gläser an der Kirchenorgel.

Im richtigen Licht für ein Rockkonzert spielt Patrick Gläser an der Kirchenorgel.

Hans Blaser

Wie er zum Organisten wurde, der mit Pop-, Rock- und Filmmusik auf der halben Welt umherzieht, sprach Patrick Gläser nur kurz an. Er hatte mehrere Ziele. Jungen und sehr jungen Menschen den Aufenthalt in der Kirche angenehm zu gestalten war einer. Die Orgel auch Menschen näherzubringen, die mit der klassischen Orgelliteratur nichts anfangen können ein weiterer. Er will auch zeigen, dass Unterhaltungsmusik ganz ohne Schlagzeug und E-Gitarre wirken kann.

Einen besseren Beweis als seine Cover-Version von «Nothing else matters» wie sie – farbig unterlegt – auch auf You Tube zu finden ist, gibt es wohl nicht. Genau auf diesen von James Hetfield geschriebenen Titel führt er seinen heutigen Erfolg zurück. Das habe ihm damals so vielfältiges und fast ausschliesslich positives Echo gebracht. Das wiederum bestärkte ihn, sich weiterhin auch dieser Musikgattung zu widmen. Ja, er habe das fast müssen, weil es immer wieder verlangt wurde.

Wassergurgeln und Sonarpings

Natürlich erfuhr er auch Ablehnung. Besonders in Erinnerung sei ihm eine solche zum Hauptthema des Films «Das Boot». Da wetterte ein Mann, das U-Boot, dessen Geschichte der Film zeigt, sei doch ein Kriegsschiff gewesen. Dass es nicht in die Kirche passe, fand in Luterbach jedoch niemand. Interessant an diesem Stück, wie Gläser mit tiefen Bässen perfektes Wassergurgeln imitierte. Die Pfeiftöne schafften die Sonarpings aber weniger gut.
Patrick Gläser hatte die Orgel gut im Griff. Er musste sie ja auch erst kennen lernen. Er machte sich sogar die Mühe, sie dem Publikum zu erklären.

Diese Vorstellung krönte er mit einem beachtlichen Teil von Johann Sebastian Bachs rund zehnminütiger d-Moll Toccata BWV 565. Und die klang sehr authentisch und überzeugend. Wie beiläufig hatte er damit belegt, dass er natürlich auch das klassische Orgelspiel beherrscht.

Dabei hatte Gläser keine einzige geschriebene oder gar gedruckte Note bei sich. Für sein Repertoire gibt es die auch gar nicht, zumindest nicht zu kaufen. Er schreibt sie erstaunlicherweise auch nicht selber.

Das verstand man erst, nachdem er eine seiner Arbeitsweisen beschrieben hatte. Er höre sich Aufnahmen des gewünschten Liedes oder Musikstückes so oft wie nötig an. Nur nach Gehör erarbeite er die eigene Orgel-Interpretation davon. Die ist dann im Kopf offensichtlich dauernd gespeichert.

Der Mann kann singen

Weil er gerne auf Wünsche eingeht, ist ihm eben jede Vorlage recht. Das kann eine einzelne Männerstimme sein. So war das beim einzigen Stück des Abends, bei dem er selber auch zum Sänger wurde. Bei einem Casting dem er beiwohnte, habe ein junger Kandidat ein Lied gesungen, das ihn extrem berührt habe. Er habe es zuvor auch gar nicht gekannt. Danach habe er sich die Aufnahme zu diesem «Mary Did You Now» beschafft und die Orgelbegleitung dazu erarbeitet. Der Mann kann auch singen!

Seine Passion ist aber wirklich das Orgelspiel. So zauberte er ein Programm in die Kirche, das weit über «Conquest of Paradise» und «All You need is Love» hinausging. Mit Freddie Mercurys «Bohemian Rhapsodie» beschloss Gläser sein Konzert. Die Königin der Instrumente verdiene einen Queens-Titel zum Abschluss fand er. Zweimal musste sich Patrick Gläser nochmals an den Spieltisch setzen für die Zugaben.

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