Gerade eben freute sich Feldbrunnens Gemeindepräsidentin über das beste FDP-Amteiresultat in der Kantonsratswahl. Aber daheim im Dorf sieht Anita Panzer die eigene Partei im Streit. Bei den Liberalen rumort es gewaltig. So gewaltig, dass sich Paul Meier dazu veranlasst sah, kurz vor den Kantonsratswahlen die Bevölkerung mit einem Leserbrief in dieser Zeitung zu informieren. Darin macht er darauf aufmerksam, dass von den vier bisherigen freisinnigen Gemeinderatsmitgliedern einzig Anita Panzer zur Wiederwahl nominiert wurde.

Sonja Venturi hört aus persönlichen Gründen auf, wie sie auf Nachfrage bestätigt. Sie tritt bei der kommenden Gemeinderatswahl nicht mehr an. Die beiden anderen, Vizegemeindepräsident Thomas Schluep und Adrian Zbinden, wollen nicht mehr für die FDP antreten. Alt-Gemeinderat Paul Meier schreibt im Leserbrief, Parteipräsident René Garo habe die kantigen Thomas Schluep und Adrian Zbinden aus der FDP geekelt, weil diese nicht seine Ansichten teilen würden. Im Titel erhebt er gar Garo zum «heimlichen Gemeindepräsidenten» von Feldbrunnen.

Wollte Meier der wirklichen Gemeindepräsidentin mit seinem Leserbrief kurz vor den Kantonsratswahlen eins auswischen? Er war vor vier Jahren Kronfavorit der FDP fürs Gemeindepräsidium, bevor Panzer ihn an den Gemeinderatswahlen in den Schatten stellte. Danach zog er seine Kandidatur fürs Gemeindepräsidium zurück und demissionierte auch als Gemeinderat. Jetzt, im Leserbrief, schreibt Meier, dass die Ortspartei vor vier Jahren noch für eine Verjüngung des Gemeinderates plädierte und jetzt präsentiere sie eine FDP-Liste mit mehrheitlich Senioren.

Protest gegen die Ortspartei

Wie dem auch sei: Paul Meiers Leserbrief sticht in eine offene Wunde. Die Rücktritte von Schluep und Zbinden sind nicht zufällig. Sie sind als Protest gegen die eigene Partei einzuordnen. Der Grund ist möglicherweise im Steuerparadies Feldbrunnen zu suchen. Im kleinen Dorf der Reichen am Jurasüdfuss hat sich etliche wirkliche und vermeintliche Kompetenz in Sachen Finanzen angehäuft. Eine ausserbehördliche Gruppe Finanzen versorgt seit einiger Zeit die Behörden mit Gegenentwürfen zu deren Finanzstrategie. An der letzten Gemeindeversammlung wurde gar unter dem Traktandum Gemeindeordnung der Antrag gestellt, eine Finanzkommission fest zu installieren. Der Antrag kam knapp durch – gegen den ausdrücklichen Willen des Gemeinderates und von Anita Panzer.

In der Diskussion sagte damals Vize Thomas Schluep: «Die Äusserungen und das Verhalten dieser Gruppe in den letzten fünf Jahren lassen den Gemeinderat befürchten, dass sich diese künftige Finanzkommission zu einem Schattengemeinderat mit entsprechender politischer Einflussnahme entwickelt, und das lehnen wir ab. Angst davor hat der Gemeinderat keineswegs, aber auf die programmierten, unseligen und heftigen Diskussionen können wir gerne verzichten.» Pikant ist in diesem Zusammenhang, dass der FDP-Dorfparteipräsident ebenfalls Mitglied der ausserbehördlichen Gruppe Finanzen ist.

Bedauern wegen Spaltung

Die Gemeindepräsidentin bedauert die Spaltung in der FDP-Ortspartei sehr. Wir haben als Gemeinderatscrew in den letzten vier Jahren viel erreicht.» Zu den Beweggründen für die Demission von Schluep und Zbinden erklärt Panzer: «Sie fürchteten möglicherweise, nicht nominiert zu werden.» Die ausserbehördliche Gruppe Finanzen habe sich zwar immer wieder bemerkbar gemacht, sei vom Gemeinderat aber auch immer wieder zurückgebunden worden. Dass die Gemeinde nun eine Finanzkommission aufgebrummt kriegt, sieht sie konstruktiv. «Die Gemeindeversammlung hat entschieden. Wir werden das beste daraus machen.»

Vor der Parteiversammlung von Ende Februar hätten verschiedene Seiten an ihr gezerrt. «Es wurde versucht, mich zu vereinnahmen.» Sie zog deshalb die Konsequenzen: «Ich trage den Hut der Gemeindepräsidentin. Aus parteiinternen Querelen halte ich mich damit ab sofort heraus.» Sie werde sich als Gemeindepräsidentin wie bis anhin für die ganze Gemeinde einsetzen. Dies innerhalb der FDP, aber nicht nur für die Partei, sondern für alle Einwohnerinnen und Einwohner.

«Wir waren perplex»

Parteipräsident René Garo kommentiert den Leserbrief von Paul Meier nicht. Er weist darauf hin, dass die FDP-Nominationsversammlung bestens organisiert worden sei. «Wir hatten 9 Kandidaten für die 7 Listenplätze. Das Nominationsverfahren verlief wie vor 4 und 8 Jahren. Vor 4 Jahren war Thomas Schluep selber Parteipräsident. 46 Personen besuchten die Versammlung. Alle Kandidaten stellten sich vor. Aber Schluep und Zbinden erklärten am Ende ihrer Vorstellung, dass sie sich nicht der Nomination stellen werden. Wir waren perplex.» Er bedaure dies sehr, und es sei für ihn schwierig nachvollziehbar, dass sich die Zwei nicht einem demokratischen Abstimmungsverfahren unterziehen wollten.

Eine Problematik rund um die ausserbehördliche Gruppe Finanzen verneint René Garo. «Wir, eine Gruppe finanzinteressierter Einwohner von Feldbrunnen, haben zweimal in der Ära Studer und in der Ära Panzer den Antrag gestellt, eine Finanzkommission einzuführen. Da war ich noch nicht Parteipräsident, das bin ich erst seit knapp einem Jahr.» Die Gruppe habe den demokratischen Weg genommen und an der letzten Gemeindeversammlung vom 5. Dezember 2016 eine Mehrheit für ihr Anliegen gefunden. «Wäre die Finanzkommission wirklich der Grund für die Aktion von Schluep und Zbinden, wären sie doch gar nicht zur Nomination angetreten», glaubt Garo.

Mit eigener Liste an die Wahlen

Thomas Schluep und Adrian Zbinden wollen aktuell nichts sagen. Sie planen einen Informationsbrief an die Bevölkerung in dieser Woche, lässt sich Schluep entlocken. In diesem wollen sie ihre Abspaltung von der FDP-Dorfpartei erklären. Zudem wollen sie mit einer freien Liste zur Gemeinderatswahl antreten, wie gemunkelt wird.