Feldbrunnen-St. Niklaus

Projekt für Alterswohnungen steht auf wackligen Füssen

Auch Familien sollen in der geplanten Überbauung mit den «moderaten» Mietpreisen willkommen sein. Ob die Wohnungen je gebaut werden, ist unklar.

Auch Familien sollen in der geplanten Überbauung mit den «moderaten» Mietpreisen willkommen sein. Ob die Wohnungen je gebaut werden, ist unklar.

Mit der Überbauung «Wohnen am Dorfplatz» plante die Gemeinde Feldbrunnen-St. Niklaus Wohnungen für Senioren, aber auch für Familien zu bauen. Jetzt ist das Siegerprojekt in der Schublade gelandet. Es ist nicht klar, ob das Projekt realisiert wird.

Von einem Fiasko zu sprechen wäre verfehlt. Ein Fehlschlag ist die geplante Überbauung «Wohnen am Dorfplatz» in Feldbrunnen-St. Niklaus durchaus. Die Gemeinde will im Zentrum Mehrfamilienhäuser bauen und damit Wohnungen für Familien und Senioren mit «moderaten» Mietzinsen anbieten. Das ist ein seltenes Gut im steuergünstigen Dorf.

Seit 1988 wird in Feldbrunnen über ein solches Projekt diskutiert. 2009 hatte die Gemeindeversammlung die «altersgerechten Wohnungen» in Auftrag gegeben. Später fand man, dass die Logis auch Familien mit schulpflichtigen Kindern offenstehen sollen. Ein Wettbewerb wurde ausgeschrieben, spätestens im Frühling 2014 sollte der Bau beginnen. Jetzt ist unklar, ob überhaupt jemals Baumaschinen auffahren werden.

«Wären in einen Chlapf gelaufen»

Nach monatelangem Feilschen mit dem beauftragten Basler Architekturbüro dsar hat die Gemeinde die Zusammenarbeit abgebrochen (wir berichteten). Man sei nicht miteinander klargekommen, sagt Jean-Pierre Simmen, Präsident der Kommission «Wohnen am Dorfplatz». Die Kommission begleitet das Projekt und überwacht die Kosten. «Die Architekten wollten immer teurer bauen», sagt Simmen. Sie seien nicht bereit gewesen, auf den von der Gemeinde gesteckten finanziellen Rahmen von 6 Millionen einzugehen. Hätte Feldbrunnen mit ihnen weitergearbeitet, wäre man in einen «Chlapf» reingelaufen, so Simmen. Das Vertrauen in die Arbeit der Architekten sei nicht mehr vorhanden. 

Auf der Internetseite von dsar Architekten wird das Modell mit den zwei dreigeschossigen Häusern mit Attika, die sich «auf selbstverständliche Art in der Dorfmitte von Feldbrunnen einfügen», noch immer präsentiert. Im Gemeinderat aber ist man ratlos, wie es weitergehen soll. «Jetzt gehen wir fast zurück auf Feld eins», sagt Gemeindepräsidentin Anita Panzer (FDP). Drei Möglichkeiten zeichnen sich ab: Die Gemeinde zieht das Projekt mit einem anderen Büro durch, es wird an ein Generalunternehmen ausgelagert – oder die Gemeinde verkauft das Land und bläst die Übung ab.

Architekten wehren sich

Noch nicht ganz abgeschrieben haben offenbar die Architekten das Projekt. Man wäre bereit gewesen, weiterhin mit der Gemeinde zusammenzuarbeiten. Es stimme so nicht, dass man nicht auf die Vorgaben eingehen wollte, sagt Geschäftsleiter Benedikt Schlatter. Allerdings habe man nicht die verlangte Bausummengarantie unterschreiben können. Die Vorstellungen des Gemeinderates seien noch tiefer gewesen als die bewilligten 6 Millionen. Doch das Architekturbüro habe 6,7 Millionen veranschlagt, hiess es dann im Rat. Laut Benedikt Schlatter ist der Beschluss zum Kostendach zu einem unüblich frühen Zeitpunkt erfolgt. In diesem Stadium sei nur eine Grobkostenschätzung möglich.

Das anvisierte Kostendach bedinge Vereinfachungen, etwa eine Verkleinerung des Volumens. «Wir haben anhand einer Studie klar aufgezeigt, mit welchen Massnahmen der Bau günstiger wird», sagt Schlatter. Doch eine Verringerung des Bauvolumens würde eine geringere Rendite abwerfen. Was passiert nun mit dem Wettbewerbsprojekt? Sind Elemente daraus verwendbar? Aufgrund des Urheberrechts steht für Architekt Schlatter fest: «Ohne vorherige Einigung mit Feldbrunnen ist das nicht möglich.»

Finanzierung unsicher

Eine Herzensangelegenheit ist «Wohnen am Dorfplatz» für alt Gemeindepräsident Rolf Studer. Er bezeichnet es als «nicht fair», wenn die Architekten Kosten aufschlagen, nachdem der Kredit bewilligt wurde. Es sei richtig, dass der Rat die Zusammenarbeit abgebrochen hat. Studer ist überzeugt, dass eine Lösung gefunden wird. Eine Möglichkeit sei, den Bau an einen Generalunternehmer auszulagern. Der Einbezug verschiedener, auswärtiger Büros sei oft eine mögliche Fehlerquelle, weiss der Bauingenieur.

Nun sollen vorerst die Sonderkommission und die Finanzverwalterin prüfen, ob das Ziel der «moderaten Mietpreise» überhaupt noch eingehalten werden kann. Vor gut einem Jahr war die Rede von 1850 bis 2100 Franken für 4,5 Zimmer. Mittlerweile will sich niemand mehr zu konkreten Zahlen äussern.

«Wir machen keinen Schnellschuss», sagt Anita Panzer. Im Gemeinderat sei das Projekt noch immer unbestritten. Doch für Panzer steht fest: «Das Projekt darf den Steuerzahler keinen Rappen kosten.» Das heisst, es muss durch die Mietzinseinnahmen mindestens selbstragend sein, inklusive Werterhalt. Das habe man zwar geprüft, doch je länger es dauert, desto unsicherer sei, ob das Ziel eingehalten werden kann. Die Vorzeichen hätten sich geändert, nicht zuletzt durch die Einführung des neuen Rechnungslegungsmodells HRM 2.

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