Mit Beginn der Legislatur 2013–2017 wurden nach einer Behördenreorganisation in Derendingen teilweise neue Kommissionen eingeführt. Eher unbekannt sind die Kommission für Gemeindeentwicklung oder die Kommission für Gesellschaftsentwicklung. Deren Präsident, der 41-jährige SP-Gemeinderat Patrick Reinhart, hat ganz neue Erfahrungen machen müssen.

Warum haben Sie sich für diese Kommission beworben?

Patrick Reinhart: Weil ich aus einem sozialen Beruf komme, ich bin Oberstufenlehrer, und weil meine Interessen berührt werden. Zudem wollte ich in eine der neu entstandenen, strategischen Kommissionen, weil ich das Gefühl hatte, obwohl ich im Gemeinderat bin, dass man in den Kommissionen trotzdem noch viel bewirken kann. Diejenige für Gemeindentwicklung setzt sich mehr mit baulichen und raumplanerischen Sachen auseinander. Mir passte die Kommission für Gesellschaftsentwicklung eher.

Sie sind auch Präsident des Vereins Kidz, der schulergänzende Tagesstrukturen organisiert, und haben gerade den Spatenstich für einen Neubau durchführen dürfen.

Das hängt natürlich mit der Kommission zusammen. Die Tagesstrukturen sind etwas, was in Derendingen fehlt. Und ich wollte mich dafür engagieren.

Wie verlief der Start?

Der Anfang war schwierig, weil wir Neuland betreten mussten. Klar hatten wir der Kommission zugeordnete Themen. Aber die Art, wie wir an die Themen herangehen sollten, das blieb uns überlassen.

Worin lagen die Schwierigkeiten?

Wir hatten nicht klare Aufträge. Anfangs sollte jeder sagen, was er will. Ich hoffte darauf, dass wir Zuständigkeiten in der Gruppe herauskristallisieren könnten. Also der ist für das Thema Alter zuständig, eine andere für Integration, jener für Jugend. Aber soweit war es noch lange nicht. Das brauchte einen Prozess. Ich habe schon gesagt, ich nehme mich dem Thema Schülerhort an, aber die anderen waren noch nicht an diesem Punkt.

Wie ging es weiter?

Wir haben uns einen Leitfaden ausgearbeitet, was gibt es und was braucht es wirklich? Das dauerte einige Monate. Um uns nicht zu verzetteln, haben wir uns für jedes Jahr einen Schwerpunkt gesetzt.

Was gibt es, und was ist möglich? Mit Schwerpunkt auf erstem?

Nein gar nicht. Ich bin sogar eher überrascht darüber, wie viel unsere Kommission auslösen konnte. Ein Thema war, wie können wir Identität in einem Dorf wie Derendingen schaffen, das sich schon eher städtisch als dörflich entwickelt? Das wollten wir fördern.

Wie?

Wir haben lange darüber diskutiert und kamen zum Schluss, dass Derendingen eine Dorfzeitung braucht. Das war eines der ersten Projekte. Die Dorfzeitung gibt es inzwischen, ist installiert und bereitet Freude, wie sie wahrgenommen wird und wie darüber diskutiert wird.

Mit Kidz folgte ein weiterer Schwerpunkt.

Im Prinzip ist es ein Schülerhort, für den die Gemeinde nun ein Gebäude baut.

Damit hat die Kommission schon viele kostenintensive Projekte verwirklicht. Wie gehen Sie damit um?

Es sind der Gemeinderat und am Ende die Gemeindeversammlung, die das Geld gesprochen haben. Der Nachholbedarf ist da, vergleicht man Derendingen mit umliegenden Gemeinden. Und ich habe im privaten Umfeld oft gehört, dass die schulergänzenden Tagesstrukturen nötig sind.

Wie wird Strategie in der Kommission gewichtet?

Diese Frage beschäftigt uns weniger. Wir schauen, was es in der Gemeinde braucht, und wir versuchen, etwas in diese Richtung anzustossen. Wir hatten aber auch schon Misserfolge.

In welchem Bereich?

Im Thema Integration. Wir haben verschiedene Dinge angestossen oder mitgetragen, beispielsweise einen Runden Tisch zusammen mit der Kirche und dem Sozialdienst. Da ging es darum, Beschäftigungen für die doch etwa 100 Asylsuchenden in der Gemeinde zu finden. Wir haben eben günstigen Wohnraum, und der Sozialdienst ist ebenfalls hier angesiedelt.

Was lief nicht optimal?

Es braucht immer Leute, die nicht nur die strategischen Entscheide fällen, sondern auch vor Ort etwas machen. Leute, die die Vorschläge umsetzen und nachstossen. Aber das hat nicht richtig funktioniert. Einerseits geht es um Beschäftigung, andererseits aber auch darum, die Asylsuchenden am gesellschaftlichen Leben teilnehmen zu lassen.

Wie?

Es sind schon Dinge geschehen. Unter Konfirmanden fand ein Austausch statt, auch im Fussballverein oder in der Läufergruppe. Dort kamen dann aber plötzlich 15, 16 Asylsuchende und liefen mit. Das wurde für den Verein schwierig. Die Asylsuchenden konnten wegen der grossen Zahl nicht mehr durch die Läufergruppe betreut werden. Auf Privatinitiative einer Mitarbeiterin der Sozialdienste können sie aber weiterhin trainieren und an Läufen teilnehmen. Auch im Fussballklub scheiterte es aus ähnlichen Gründen.

Wird sich die Kommission weiterhin mit Integration beschäftigen?

Das wird uns weiter beschäftigen. Der Kanton hat ein Programm «Start.Integration» entwickelt, das die Gemeinden umsetzen müssen. Dabei werden Erstgespräche durchgeführt. Da sind wir jetzt dran. Dabei ist es schon Absicht, dass es nicht einfach beim Gespräch bleibt, sondern dass das ausgebaut werden kann mit einer Begleitung beispielsweise. Aber das ist noch nicht spruchreif.

Hat die Kommission weitere Themen im Visier?

Ein grosses Anliegen ist es, Projekte für Jugendliche anzubieten. Nicht die 16-Jährigen, die verbringen ihre Freizeit nicht in Derendingen, aber für die jüngeren zwischen 10 und 16 Jahren. Sie können lernen, Verantwortung zu übernehmen. Es gibt die Meinung, dass Derendingen eine offene, aufsuchende Jugendarbeit braucht.

Wir haben andererseits viele aktive Vereine. Man kann hier alles machen. Die Vereine werden für ihre Jugendarbeit von der Gemeinde unterstützt. Das wäre jetzt ein Thema, bei dem wir noch nicht wissen, wohin es führt und zu dem in der Kommission auch kein Konsens herrscht.

Gibt es viele solche Themen in der Kommission?

Die Parteicouleur spürt man wenig, aber es sind schon sehr unterschiedliche Meinungen vorhanden und auch verschiedene Persönlichkeiten. Das ist auch wichtig für eine Gruppe. Das Erkennen der Probleme ist nicht das Thema, aber die Lösung derselben. In den meisten Geschichten haben wir uns gefunden und sehr lösungsorientiert gearbeitet. Einige wenige blieben blockiert.

Wie geht es nun weiter?

Mit der neuen Legislatur müssen drei Mitglieder der Kommission ersetzt werden. Ich mache weiter, möchte aber das Präsidium abgeben.