Geht alles glatt, wird die neue Mountainbike-Strecke am Weissenstein nächstes Jahr eingeweiht: 5 Kilometer behördlich bewilligter Fahrspass zwischen der Berg- und der Talstation der Gondelbahn. Derzeit fahren manche Biker über Wanderwege. «Ein Wildwuchs», sagen die Behörden.

Für die Planung der Strecke arbeitet die Betreiberin, die Seilbahn Weissenstein, mit einem renommierten Bahnbauer zusammen. Samuel Hubschmid hat den beliebten Gurtentrail in Bern zum Erfolg geführt. Derzeit berät er die Tourismusregion Gstaad, die sich als Bikedestination profilieren will.

Hubschmid sieht eine grosse Chance, dass die Bikestrecke am Weissenstein ein Erfolg wird. «Das Marktpotenzial für diese Strecke ist riesig.» Der Berg liege nah an der Stadt, was viele Möglichkeiten biete. Ein weiterer Vorteil sei das grosse Einzugsgebiet der geplanten Strecke, das bis Stuttgart reiche.

Deutliche Verbesserung

Die grobe Linienführung der Bikestrecke ist definiert. Von der Bergstation gehts hinunter zum Nesselboden, wo sich ein zweiter Einstieg befindet. Danach führt die Piste in vielen Kurven in die Klus und via Steinbruch Giacometto zur Talstation. Der Höhenunterschied beträgt 618 Meter, das durchschnittliche Gefälle 12 Prozent. Den Schwierigkeitsgrad wolle man nicht zu hoch setzen, damit die Strecke auch für Anfänger attraktiv ist, sagt Hubschmid. «Unser Produkt soll Löhne bezahlen.»

Der Streckenverlauf ähnelt jenem der bisherigen, behelfsmässigen Piste. Er wird nahe an der Passstrasse, dem Bahntrassee und bestehenden Wegen geführt. Hubschmid erachtet dies als wichtig, damit das Projekt naturverträglich bleibe und nicht zu viel Gelände verbrauche. Deshalb setze man auch auf eine naturnahe Bauweise. Stege etwa kämen nur dort zum Einsatz, wo Gewässer überquert werden müssen.

Eine deutliche Verbesserung gegenüber der alten Strecke bestehe in der Entflechtung der Wege. Wanderer und Biker sollen sich künftig nicht mehr in die Quere kommen. Ein wichtiges Element sei die Linienführung, die vor den Kreuzungen die Geschwindigkeit drosselt und Übersicht schafft. Abschrankungen hingegen seien nur das letzten Mittel und würden zurückhaltend eingesetzt.

Unterstützung vom Kanton

Unterstützt wird das Projekt vom Kanton. Damit die Planung in die Tat umgesetzt wird, hat das Raumplanungsamt das Heft in die Hand genommen und führt ein kantonales Nutzungsplanverfahren durch. Das Projekt befindet sich derzeit in der Vorprüfung. Und diese wird gemäss Rolf Glünkin, stellvertretender Chef im Amt für Raumplanung, sehr gründlich durchgeführt. «Es ist uns bewusst, dass das Projekt nicht unumstritten ist», sagt Glünkin. Gerade mit Grundeigentümern und Jägern könne es zu Konflikten kommen. Zudem sei durch den «Wildwuchs», also die unbewilligte Installation von Anlagen, Missmut entstanden.

Aus diesem Grund wurden Jäger und die Naturschutzverbände bereits vorinformiert. «Sie konnten ihre Anliegen kundtun», sagt Glünkin. Die öffentliche Mitwirkung, wo breite Kreise ihre Interessen einbringen können, soll Anfang 2017 stattfinden.

Bikestrecke Weissenstein im Bereich des Steinbruchs

Bikestrecke Weissenstein im Bereich des Steinbruchs

Bürger fordern Entschädigung

Eine zentrale Rolle im Bewilligungsverfahren spielen die Grundeigentümerinnen. Rund 80 Prozent des Bodens gehört der Bürgergemeinde Solothurn. Bürgergemeindepräsident Sergio Wyniger will sich nicht im Detail zum Projekt äussern. Grundsätzlich sei er «für eine Bike-Strecke». Es seien aber flankierende Massnahmen nötig – also Entschädigungen für die Bürgergemeinde, wo die Waldnutzung beeinträchtigt werde. «Die Bürgergemeinden erbringen gemeinwirtschaftliche Leistungen für die Allgemeinheit. Diese muss abgegolten werden.» Wyniger hofft, dass dank der neuen Strecke die Bike-Nutzung kanalisiert wird. Die heutige Situation sei unbefriedigend.

Rund ein Fünftel der Strecke, im Abschnitt zwischen der Talstation und der Klus, befindet sich auf dem Boden der Bürgergemeinde Oberdorf. Bürgergemeindepräsident Rudolf Schluep findet es ebenfalls «gut», dass es mit der Planung der neuen Strecke vorwärtsgeht. Als Wanderer lebe man dort heute gefährlich. Selber habe er sich schon mehrfach nur mit einem Sprung zur Seite vor einer Kollision mit einem talwärts fahrenden Biker retten können.

Vorbehalte macht Schluep bei der Sicherheit beim Steinbruch und beim Schiessstand. «Mit der vorgesehenen Linienführung in diesem Bereich sind wir nicht glücklich.» Es herrsche Steinschlaggefahr. Zudem sei der Hang derart steil, dass eine grössere Verbauung nötig sei. Die Pläne sehen einen eineinhalb Meter breiten Holzsteg vor, vergleichbar mit einer Brücke im Bereich von Wasserläufen.

Einstimmig stelle sich der Bürgerrat auch hinter den Kleinkaliberstand. Der Schiessbetrieb dürfe auf keinen Fall eingeschränkt werden. «Das muss in den Verträgen geregelt werden. Andernfalls gibt es keine Bike-Strecke.»