Zwischen der Gemeinde und der Schweizerischen Post schwelt ein Streit. Streitobjekt ist das in den 1970er-Jahren erstellte Gebäude, in dem die Gemeindeverwaltung und die Post untergebracht sind, sowie der südliche Anbau der Post aus den 1990er-Jahren. Das gemeinsame Gebäude muss saniert werden. Kompliziert machen die Sanierung die Besitzverhältnisse. Laut Gemeindepräsident Anton Probst gehört das Grundstück, auf dem die Schalterhallen sowie der Anbau sind, der Post. Der Teil des Gebäudes mit der Gemeindeverwaltung gehört der Gemeinde. Gleichzeitig hat die Gemeinde ein Überbaurecht auf dem Teil der Post.

Energieschleuder Heizung

Die Sanierung von Fassade und Heizung sei überfällig. «Man muss sich schämen», spricht der Gemeindepräsident die Energiewerte der Heizung an. Dabei kommt erschwerend hinzu, dass auch die Heizungsanlage der Gemeinde und der Post je zur Hälfte gehört. «Was früher vielleicht mal gut war, ist heute ein Problem», so Anton Probst. Denn die Post hat momentan überhaupt kein Interesse an einer Sanierung. Im Jahr 2013 habe der Gelbe Riese beispielsweise bekannt gegeben, dass für 2014 kein Geld für eine Sanierung budgetiert ist. Das gleiche Prozedere habe sich 2014 wiederholt, berichtet Probst. Es sei klar geworden, dass die Post grundsätzlich nicht mehr in «alte» Gebäude investieren will.

Viel Planung, wenig saniert

Die Verärgerung ist gross. Die Gemeindeversammlung hatte 2011 einen Kredit von 50 000 Franken für die Planung der Sanierung gesprochen. Ein Jahr später erfolgte die Genehmigung eines Zusatzkredites von noch einmal 100 000 Franken. Immerhin konnte damit nicht nur die Planung der 2,2-Millionen-Sanierung, sondern auch die Renovation der Arztpraxis finanziert werden.

Inzwischen hat der Gemeindepräsident eine Kreditabrechnung im Gemeinderat beantragt. Von den 150 000 Franken wurden für Planung und Renovation nicht ganz 140 000 Franken gebraucht. Aktuell wird auch der Eingangsbereich der Gemeindeverwaltung einer Pinselrenovation unterzogen.

Poststandort nicht gefährdet

Gemeldet hat sich in der Zwischenzeit auch die Post. Sie unterbreitete der Gemeinde eine Offerte für den Verkauf ihres Besitzes. Die Gemeinde soll den Anteil der Post kaufen, worauf dann die Post ihren bisherigen Anteil für die nächsten fünf Jahre von der Gemeinde mieten will. Aber die Offerte ist beim Gemeindepräsidenten noch nicht auf Wohlwollen gestossen.

Jürg Haller, Immobilien Post, bestätigt Verkaufsverhandlungen mit der Gemeinde Bellach. Dies habe nichts mit dem Poststandort Bellach zu tun. Dieser sei unbestritten, erklärt Jürg Haller. Fünfjahresverträge mit Option für eine weitere Miete würden der aktuellen Poststrategie entsprechen.