Zuchwil
Polizisten wollen im Feldacker schiessen

Der Gemeinderat Zuchwil unterstützt den Wunsch der Kantonspolizei, für die Schiessausbildung von Oensingen in die 25/50-Meter-Schiessanlage an der Waldeggstrasse zu wechseln.

Urs Byland
Drucken
Teilen
Die Ausbildung an der Maschinenpistole erfolge im Einzelschuss-Modus, sagte der Kommandant Thomas Zuber.

Die Ausbildung an der Maschinenpistole erfolge im Einzelschuss-Modus, sagte der Kommandant Thomas Zuber.

zvg

Einstimmig unterstützt der Gemeinderat die Kantonspolizei in ihrem Wunsch, die Schiessausbildung künftig auf der Schiessanlage Feldacker zu machen. Die dortige 25- und 50-Meter-Anlage hat sich in der Standortevaluation als die geeignetste herausgestellt. Geprüft wurden 127 Schiessanlagen. In Zuchwil überzeugen vor allem die Nähe zur Autobahn, die schnelle Zu- und Wegfahrt, die wenigen Betroffenen in Sachen Lärmbelastung sowie die vorhandene Anlage.

Am bisherigen Standort im Leuetäli, Oensingen, hätten sich die Probleme gehäuft. Mit dem Näherrücken der Siedlungen im Leuefeld müsse sich die Kantonspolizei vermehrt mit Lärmklagen auseinandersetzen, erklärte Thomas Zuber, Kommandant der Kantonspolizei im Gemeinderat. Der in Zuchwil wohnhafte Kommandant ergänzte, dass im Leuetäli eine Lärmsanierung bedingt durch den Talkessel nicht möglich sei.

405 Polizistinnen und Polizisten

«Und ein Deckel darüber bringt es betrieblich nicht.» Denn, so Zuber, die Polizisten müssten einen Teil ihrer Schiessausbildung draussen absolvieren, unter möglichst realistischen Verhältnissen in Bezug auf Licht beispielsweise. «Wir müssen parat sein. Die Bevölkerung darf erwarten, dass wir auf Ereignisse reagieren und allenfalls lebensgefährliche Situationen stoppen können.»

Zur Bewaffnung gehöre eine dauernde Ausbildung. Die sachlich vorgetragenen Argumente für die notwendige Schiessausbildung verfehlten ihre Wirkung im Gemeinderat nicht. Beigetragen zur breiten Unterstützung hat die umfassende Präsentation des Geschäftes.

Die 405 Schiesspflichtigen der Kantonspolizei müssen 3 ihrer 5 Schiessausbildungen draussen absolvieren. Die Planung geht von 20 Schützinnen und Schützen pro Halbtag aus, die in 5er-Gruppen im Wechsel Theorie oder «scharfen Schuss» absolvieren. Sie verschiessen mit der Pistole oder der Maschinenpistole die Munition (Para 9 mm) immer im Modus Einzelschuss. Die Ausbildung wird zu Bürozeiten absolviert, also von Montag bis Freitag von 8.15 bis 17.30 Uhr, mit einer Mittagspause von 11.50 bis 13.15 Uhr. In den Monaten Juli und Dezember werde kaum ausgebildet. Maximal kommen so 65 Schiesstage zusammen.

Mehr Risikobereitschaft

Zuchwils Personal wird künftig nicht mehr der Pensionskasse des Kanton Solothurns (PKSO) angeschlossen sein, sondern der Sammelstiftung Integral. An der letzten Sitzung hatte der Gemeinderat den Wechsel zur vorgesehenen Pensionskasse SHP sistiert und eine nochmalige Prüfung verlangt, begleitet von einem externen Berater. Diese ergab nun ein anderes Bild.

In einem Vergleich von Pensionskassen etwa bei der durchschnittlichen Verzinsung der Alterguthaben, der Erträge und des Umwandlungssatzes schneidet die Sammelstiftung Integral positiv ab.

Sigrun Kuhn (FDP) wollte wissen, weshalb man nun mehr Risiko mit der Wahl der Pensionskasse eingehen will. Stefan Hug (SP) und Patrick Marti (SP) zeigten sich überzeugt, dass man nicht mehr Risiko eingehe. «Keine der von uns angeschauten Pensionskassen musste in den letzten 30 Jahren saniert werden», so Patrik Marti.

Finanzer Michael Marti wies darauf hin, dass niemand vor Risiken gefeit sei. «Wir bieten dem Personal bessere Leistungen bei einer höheren Risikobereitschaft.» Vergleicht man die jährliche Altersrente für einen 65-jährigen Mann, der 2017 pensioniert wird, berechnet mit dem jeweiligen Rentenumwandlungssatz, würde der PKSO-Versicherte 47'200 Franken und der Integral-Versicherte 79'000 Franken erhalten.

Dabei sind die jährlichen Gesamtkosten der Integral zirka 28'000 Franken teurer als bei der PKSO. Die SHP wäre 40 000 Franken teurer gewesen. Der Gemeinderat stimmte dem Wechsel zu. Eingesetzt wird eine Vorsorgekommission, paritätisch besetzt mit je zwei Vertretern der Arbeitnehmer und -geber. (uby)

Der Gemeinderat entschied über zwei Punkte. Einerseits muss das Gelände (ohne das Areal des 300-Meter-Standes nebenan) von der Zone für Sport- und Freizeitanlagen in eine Zone für öffentliche Bauten und Anlagen umzoniert werden. Andererseits wird ein Gestaltungsplan nötig. Dieser ist einfach, weil keine Neubauten entstehen. Aber eine umfangreiche Schalldämmung wird nötig. Eine 3 Meter hohe durschusssichere Mauer soll das Gelände umgeben. Innen isoliert wird auch das bestehende Gebäude.

Die Folge des Schiessbetriebs der Kantonspolizei ist eine relevante Zunahme des bisherigen Schiessbetriebes. Deshalb soll der Betrieb auf der 300-Meter-Anlage optimiert werden. Dort wird aktuell an 120 Tagen jährlich geschossen, vor allem am Wochenende und nach Feierabend. Eine Berechnung ergab, dass mit der Optimierung und der Schiessausbildung der Kantonspolizei künftig an rund 160 Tagen geschossen wird. Die Lärmemissionen werden gemäss Gemeinderat Reto Affolter (Grüne und Bunte), dessen Planerbüro im Auftrag des Kantons das Projekt begleitet, zunehmen. «Aber es gibt keine zusätzliche Überschreitung der Grenzwerte.» Betroffen wären wie bis anhin zwei Liegenschaften, die Büroräume im BSU-Depot sowie das Altersheim St. Elisabeth, das auf dem Bleichenberg in 400 Meter Luftlinie entfernt thront. Ansonsten ist die Schiessanlage von Gewerbegebiet und Landwirtschaftsland umgeben.

Der Kanton zahlt

In den Sonderbauvorschriften sollen Lärmschutz, Schiesszeiten, Anzahl Schiesstage sowie Kontrolle festgeschrieben werden. In einem separaten Verfahren wird die Optimierung der heutigen 300-Meter-Anlage durch eine Sanierungsverfügung des Amtes für Umwelt ausgelöst. Zudem soll der Kugelfang der 25/50-Meter-Anlage ebenfalls saniert werden. Alle Kosten übernimmt der Kanton, wie Zuber auf Nachfrage von Patrick Marti (SP) bekräftigte.

Für die SP-Fraktion ergriff Beatrice Schibler das Wort. Ihre Aussagen dürften für alle Parteien gelten. «Eine gute Ausrüstung und damit eine gute Ausbildung der Polizeikräfte ist richtig und wichtig.» Das schaffe Sicherheit, zumal die Anforderungen an die Polizei immer mehr steigen. Zuber hofft, dass Ende 2017 das planungsrechtliche Verfahren abgeschlossen sein wird und 2018 investiert werden kann.

Aktuelle Nachrichten