Zuchwil
Polizei will im Feldacker Schiesstrainigs abhalten – das gibt mehr Schiesstage und mehr Lärm

Bereits am Freitag endet die öffentliche Mitwirkung zum Projekt auf der Schiessanlage Feldacker in Zuchwil. Dort will die Kantonspolizei künftig ihre Schiesstrainings abhalten.

Urs Byland
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Die Schiessanlage Feldacker.

Die Schiessanlage Feldacker.

Hanspeter Bärtschi

Die Änderung des Bauzonen- und Gesamtplans sowie des Gestaltungsplans hat ein Ziel: Die heutige Pistolen-Schiessanlage im Feldacker in Zuchwil soll für die Bedürfnisse der Kantonspolizei (Kapo) umgebaut werden.

Die Kapo führt ihre Schiesstrainings seit 35 Jahren in der Pistolenschiessanlage Leuental in Oensingen durch. Aufgrund der fortschreitenden Überbauung des angrenzenden Wohngebietes können die Lärmgrenzwerte heute nicht mehr eingehalten werden. Dementsprechend hätten auch die Reklamationen aus der Bevölkerung zugenommen, schreiben die Autoren des Raumplanungsberichtes. Eine Lärmsanierung an diesem Standort würde – bedingt durch die reflexionsgeprägte Lage im Talkessel – einen gedeckten Hallenbau erfordern. Aber die Polizei will nicht indoor schiessen, sondern draussen unter natürlichen Klimaeinflüssen.

Die Anlage Zuchwil Feldacker wurde ausgewählt, weil ein wesentlicher Anteil der nötigen Infrastrukturen bereits besteht. Die Zonierung biete zudem ausreichend Platz, um den Ausbau innerhalb des bestehenden Baugebietes zu realisieren, so der Bericht. Die nächsten Wohnliegenschaften seien in einer Distanz von mehr als 300 m gelegen und mehrheitlich vom Lärm abgeschirmt.

Der schematische Plan der neuen Kapo-Schiessplätze beim Schützenhaus Feldacker. Oben links ist der verwinkelte Bau des Schützenhauses zu sehen.

Der schematische Plan der neuen Kapo-Schiessplätze beim Schützenhaus Feldacker. Oben links ist der verwinkelte Bau des Schützenhauses zu sehen.

zvg

Sicherung mit hohen Wänden

Am künftigen Schiessstandort Feldacker sollen keine Waffen aufbewahrt werden. Der Schiessplatz 3 (siehe Illustration), die bisherige 25 Meter-Laufschlittenanlage, wird genutzt wie bis anhin. Sie wird betrieblich nicht verändert. Die Anlage verfügt weiterhin über zwei separate Laufschlitten und soll weiterhin den Vereinen dienen. Für diese Anlage hat aber die Kapo ebenfalls Bedarf («statisches Schiessen»). Neu werden auf beiden Seiten der Anlage auf der ganzen Länge genügend hohe Schiess- und Schallschutzwände errichtet, sodass kein Schuss seitlich die Anlage verlassen kann.

Mit dem Schiessplatz 1 mit einer Breite von rund 13 Meter entsteht eine kombinierte Anlage. Die bestehende 50 Meter-Anlage wird zurückgebaut und die heutigen 12 Schützenplätze werden auf 6 reduziert. Neu werden elektronische Zielscheiben benutzt. Dadurch entfällt die bisherige Seilzug-Anlage. Die Effizienz wird gesteigert, weil der «Laufweg» der Scheiben eingespart wird.

Die Zielscheiben sind elektrisch versenkbar. Sobald die elektronischen Zielscheiben versenkt sind, kann der dahinter liegende Kugelfang für das Kurzdistanzschiessen verwendet werden, wie dies die Polizei benötigt. Das heisst, sobald die Scheiben versenkt sind, können Holzrahmen mit polizeilichen Zielscheiben gesteckt werden und die Schussdistanz kann bis auf 50 m frei variiert werden («dynamisches Schiessen»).

Schiessen bei wenig Licht

Aus Sicherheitsgründen seien nur zwei Trainingsmodelle denkbar. Einerseits befinden sich alle Schützen auf einer Linie nebeneinander und verschieben gemeinsam von Distanz zu Distanz; andererseits trainieren nur ein bis zwei Schützen gleichzeitig, die jedoch bezüglich Verschiebung flexibler arbeiten können. Die Anlage muss mit einem Fahrzeug befahren werden können. So sei es beispielsweise möglich, dies als simuliertes Patrouillenfahrzeug zu verwenden, vor den Kugelfang zu fahren, auszusteigen und Schüsse abzugeben. Nicht erlaubt werde ein Schiessen aus dem fahrenden Fahrzeug, auch nicht bei Schritttempo.

Der Schiessplatz 2, heute eine unbenutzte Fläche, mit einer Breite von rund 13 Meter wird neu errichtet. Es handelt sich um eine reine Kurzdistanzanlage bis rund 30 Meter. Optional ist eine horizontale Abdeckung vorgesehen, damit zu den ordentlichen Schiesszeiten, also tagsüber, das Schiessen bei schwachen Lichtverhältnissen trainiert werden kann.

2018 betriebsbereit

Alle Schiessplätze werden neu mit Schiess- und Schallschutzwänden umgeben, damit sämtliche drei Schiessplätze gleichzeitig betrieben werden können. Durch die Umnutzung zu einer professionellen Übungs- und Ausbildungsschiessanlage ist eine Umzonung von der Zone Sport- und Freizeitaktivitäten in eine Zone für öffentliche Bauten und Anlagen angezeigt.

Der Umbau soll Anfang 2018 starten, wenn die Schiessaktivitäten der Schützenvereine auf ein Minimum reduziert sind. Während der Bauzeit werden auf der Pistolenschiessanlage kaum Aktivitäten stattfinden können. Die umgebaute Anlage soll noch 2018 in Betrieb genommen werden.

Mindestens 30 zusätzliche Tage

Zum heutigen Zeitpunkt findet der Schiessbetrieb in der Regel an Abenden, Samstagen und Sonntagen statt, vorwiegend auf der 300 m-Anlage und der Jagdschützenanlage. Pro Jahr wird an durchschnittlich 120 Tagen geschossen. Diese Anzahl lasse sich um zirka 15 Schiesstage reduzieren.

Mit dem Schiessbetrieb der Kapo kommen 65 Schiesstage hinzu, an welchen neu tagsüber geschossen wird. Voraussichtlich lassen sich davon zirka 15 Schiesstage mit Schiessaktivitäten anderer kombinieren, wird im Bericht festgehalten. Folglich werde mit einem optimierten Gesamtregime zukünftig an 150 bis 160 Tagen geschossen.

Messungen hätten ergeben, dass an zwei Punkten mit Wohnnutzung und einem mit gewerblicher Nutzung schon heute die Lärmwerte nicht eingehalten werden können. An zwei Punkten würden auch künftig die Lärmemissionen zu hoch sein. An einem Punkt soll es mit der Neugestaltung gar eine Verbesserung geben.

Weiter sei vorgesehen, die belasteten Standorte im Rahmen der Bauarbeiten auf jeden Fall zu sanieren.