Diagnose Hirntumor
Plötzlich hatte Ex-Miss Tanja Gutmann Todesangst

Die Diagnose Hirntumor veränderte das Leben von Tanja Gutmann an Weihnachten 2002 innert Sekunden. Jetzt hat die Ex-Miss-Schweiz aus Biberist ein Buch über diese Zeit geschrieben.

Nadine Schmid
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Tanja Gutmann hat ein Buch geschrieben, in dem sie erzählt, wie sie einen Hirntumor bewältigt hat.

Tanja Gutmann hat ein Buch geschrieben, in dem sie erzählt, wie sie einen Hirntumor bewältigt hat.

Hanspeter Bärtschi

Ihre Fernsehauftritte sind nicht weniger geworden, seit Tanja Gutmann ihr Amtsjahr als Miss Schweiz beendete. Inzwischen hat die Biberisterin aber die Seiten gewechselt. Heute wird sie meist nicht mehr interviewt, sondern stellt als Moderatorin Fragen, etwa beim Lokalfernsehen Tele M1. Den Niedergang der Miss-Wahlen hat die schönste Schweizerin des Jahres 1997 nicht mehr mitverfolgt, weshalb sie sich dazu heute lieber nicht äussert.

Grund für das Treffen ist ein anderer: Die 39-Jährige hat ein Buch geschrieben. Sie erzählt darin, wie sie mit dem Hirntumor umgegangen ist, den Ärzte an Heiligabend 2002 diagnostizierten. «Das Buch ist das Persönlichste, was ich je von mir preisgegeben habe», sagt Gutmann. Die TV- und Eventmoderatorin arbeitet heute auch als Hypnosetherapeutin. Morgen Mittwoch liest sie in Solothurn aus ihrem neu erschienenen Buch.

Tanja Gutmann, 2002 hatten Sie gerade die Schauspielschule abgeschlossen und Ihre erste Rolle in einem deutschen Film. Wie war es, als Ihnen der Arzt an Heiligabend die Diagnose Hirntumor verkündete?

Tanja Gutmann: Die Diagnose kam völlig unerwartet und stellte mein Leben auf den Kopf. Zunächst war da der lähmende Schock. Erst später kehrten die Emotionen mit voller Wucht zurück und brachten Todesängste mit sich. Man muss sich vorstellen: Von einem Moment auf den anderen wird einem mit einem Satz die ganze Kontrolle über das eigene Leben genommen. Die Todesangst hat mich am meisten durchgeschüttelt, aber genau sie war es auch, die mir bewusst machte, wie wertvoll mein Leben ist.

Zwei Tage nach der Diagnose lagen Sie unter dem Messer.

Ja. Man konnte nicht mit Sicherheit sagen, wie der Tumor weiterwächst und ob er womöglich bösartig wird. Für mich war klar, dass er aus meinem Kopf entfernt werden muss. Es gab da ein Schlüsselerlebnis: Nach einer Voruntersuchung entwickelte ich plötzlich eine unglaubliche Energie und wusste, dass alles gut kommen würde. Ich habe keine Ahnung, warum. Da habe ich zum ersten Mal bewusst begonnen, mich auf das Positive zu fokussieren. Heute weiss ich, dass positives Denken Berge versetzen kann.

Wie ging es weiter?

Nach der Entfernung des Tumors fühlte ich mich erst so glücklich wie nie zuvor, obwohl nichts in meinem Leben so lief, wie es sollte. Ich hörte auf dem linken Ohr fast nichts, ich hatte fast kein Geld mehr. Ich wusste auch nicht, ob ich je wieder in meinen Beruf würde einsteigen können. Das grosse Tief kam, als ich wieder den Schritt in die Gesellschaft zurück machen musste. Als ich in die Arbeitswelt zurückkehrte, erlebte ich die ersten depressiven Phasen. Ich habe mit der Zeit begonnen, die einzelnen Phasen zu beobachten und die Depression zu hinterfragen. Mir ist es schliesslich gelungen, den Mechanismus meiner Depression zu durchschauen und sie zu überwinden.

Sie erwähnen in diesem Zusammenhang die positive Lebenseinstellung, die Ihnen half.

Positives Denken macht uns psychisch stabiler und belastbarer. So können wir eine enorme mentale Kraft entwickeln. Es sind die Gedanken, die in erster Linie Gefühle auslösen. Es geht uns psychisch besser, als wenn wir in destruktiven Gedanken stecken bleiben. Wir haben so auch einen viel besseren Zugang zu unseren ganz persönlichen Ressourcen. In jeder noch so schlimmen Situation findet man auch immer Positives. Wenn man will.

Was ist die Message, die Sie den Lesern Ihres Buchs mitgeben wollen?

Dass Schicksalsschläge nicht per se negativ sind. Man kann aus ihnen lernen und wachsen. Die Tumor-Erfahrung war sehr einschneidend, aber durch sie habe ich heute ein besseres und intensiveres Leben. Durch die bereits erwähnte Todesangst, die mir die Bedeutung des Lebens bewusster machte, wurde mir meine heutige Lebensqualität ermöglicht. Ich möchte den Lesern aufzeigen, wie man mit sehr belastenden Momenten konstruktiv umgehen und seine eigenen Ressourcen entdecken kann. Es soll motivieren, das Leben gerade dann in die Hand zu nehmen. Man ist einem Schicksalsschlag nicht einfach ausgeliefert.

Was hat Sie dazu inspiriert, Ihr Buch zu schreiben?

Der Verlag hat mich angefragt, ob ich nicht Lust dazu hätte. Auch werde ich noch heute oft von Leuten auf meine Gesundheit angesprochen. Für mich war von Anfang an klar, dass, wenn ich dieses Buch schreibe, es unverblümt, ehrlich und authentisch sein soll. Das Buch ist das Persönlichste, was ich je von mir preisgegeben habe. Es enthält meine Geschichte mit dem Tumor, aber es sind auch viele fachliche Informationen darin. Spezialisten haben mich dabei unterstützt.

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Keystone

Heute arbeiten Sie auch noch als Hypnosetherapeutin.

Ja. Ich weiss aus den vielen Gesprächen aus den Hypnosesitzungen, dass Menschen oft mit Schicksalen hadern und aus der Bahn geraten. Schaut man dann genau hin und verarbeitet man das Nicht-Verarbeitete und im Unterbewusstsein als negativ abgespeicherte Erlebnis, dann kann sehr schnell Besserung oder gar Heilung eintreten. Der Körper hat ein grosses Bedürfnis zur Selbstheilung. Wenn du nicht rechtzeitig hinschaust, zwingt dich der Körper früher oder später dazu. Es ist wichtig, eine optimistische Einstellung zum Leben mit all seinen schönen, aber auch schwierigen Momenten zu haben. Und wenn Probleme auftauchen, sie so rasch wie möglich anzugehen. Denn wartet man ab, werden sie in der Regel nicht kleiner.

Vernissage: Morgen Mittwoch, 21. September, findet im Buchhaus Lüthy in Solothurn um 20 Uhr die Vernissage mit Tanja Gutmann statt. Eintritt frei, Reservation beim Buchhaus erwünscht.

Tanja Gutmann: «Dem Leben so nah wie nie zuvor – Wie der Tumor mich stärker machte», Cameo-Verlag Bern.

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