Günsberg
Plastikeis bringt Leben ins Dorf

Um etwas zum Dorfleben beizutragen hat der Sportverein Günsberg eine Kunststoffeisbahn aufgestellt. Wir haben einen Selbstversuch darauf gewagt.

Morena Adimari
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Auf der Eisbahn in Günsberg
19 Bilder
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Das Eis eignet sich gut um zu üben
schon die Kleinsten haben ihren Spass daran
Mit Stützhilfe ist man sicherer auf den Kufen untewegs.
Verstecken Sie sich hinter der Bahne?
Warme Getränke gibts ebenfalls auf der Eisbahn
Warme Getränke gibts ebenfalls auf der Eisbahn
Spass haben auf jeden Fall alle auf der Eisbahn
Mit der Maschine wird dafür gesorgt, dass das Eis auch immer schön befahrbar bleibt.
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Das Tor muss gut gehütet werden
Der Helm muss gut sitzen
Früh übt sich
Mit diesem kleinen Ding kann man auf de Eis ganz schön viel Spass haben.

Auf der Eisbahn in Günsberg

Michel Lüthi

Das Eis knirscht unter den Kufen und es gleitet einfach dahin. So kennen es alle, die bereits auf einer Kunst- oder Natureisbahn Schlittschuh gelaufen sind. Auf einer synthetischen Kunststoffeisbahn ist dies etwas anders.

Nur mit Herrenschlittschuhen kann die Bahn betreten werden, Frauenschlittschuhe könnten sie mit den Zacken beschädigen. Gleich im Eispark können Schlittschuhe mit dem für Kunststoffeis perfekten Schliff, 15 Zentimeter Radius, für drei Franken gemietet werden. Einmal auf der Bahn, ist der allererste Eindruck gleich wie beim echten Eis: Achtung Rutsch- und Sturzgefahr! Doch dann merkt man schnell, dass hier etwas anders ist.

Gute Gleiter brauchen rund zehn Minuten zur Angewöhnung. Irgendwie ist es weniger rutschig, die Gewichtsverteilung muss anders balanciert werden und das Gleiten ist langsamer. Es ist definitiv anstrengender, auf dieser Bahn zu laufen. Da es weniger schnell ist und bei einem Schlittschuhschritt weniger weit geglitten wird, muss mehr Kraft eingesetzt werden. Bremsen ist für Langsamfahrer auf dieser Bahn fakultativ, die Geschwindigkeit nimmt von alleine wieder ab. Es dauert nicht lange, bis man zum Stillstand kommt.

Nach rund zehn Minuten sind die anfänglichen Schwierigkeiten überwunden. Man gewöhnt sich an diese andere Fahrweise. Beim Spielen kann sogar vergessen werden, dass ja eigentlich kein Eis unter den Kufen liegt.

Eine Schneeschicht, die keine ist

Die Kufen hinterlassen keine grossen Spuren in der Bahn, daher kann lange gespielt werden, ohne die Bahn wieder zu präparieren. Im Vergleich dazu: Eine Eisbahn muss nach jedem Hockeytraining wieder gereinigt werden, denn das Eis wird durch das Spielen beschädigt. Auf der Kunststoffeisbahn spielen Kinder und Erwachsene stundenlang und die Bahn bleibt gleich.

Die Hockey-Spieler und -Spielerinnen haben sichtlich Spass und die Tricks scheinen auch hier zu gelingen. Der Puck bewegt sich schnell und zielstrebig, aber er dreht etwas weniger. Nach dem Spiel wird es kalt; zum Glück steht ein Baucontainer, der zur Beiz umfunktioniert wurde, neben der Bahn.

«Beim Fahren wird immer eine minime Kunststoffschicht weggeschliffen», erklärt Ivan Schwab-Germann, Präsident des Sportvereins Günsberg. Was wie Schnee aussieht, und sich auch so anfühlt, ist also Plastik. Die Kunststoffeisplatten können puzzleartig zusammengesetzt werden und seien auch im Sommer benutzbar – sie brauchen nicht gekühlt zu werden.

Auf diesen Platten sind 20 Millimeter Kunststoff, auf dem Gleitmittel eingeimpft wurde. Auch der Unterhalt ist einfach: Die Platten werden mit Wasser gepflegt. Die Reinigung geschieht mit einer Maschine, die so aussieht wie die Bodenreinigungsmaschinen, die in Turnhallen eingesetzt werden. «Einmal in der Woche spritzen wir noch Gleitmittel darauf», sagt Schwab.

Ein Treffpunkt geworden

Der Unterhalt dieser Bahn sei günstiger als bei einer Kunsteisbahn und für Natureis brauche es konstante Minustemperaturen. «Dieses Jahr hätte es gut geklappt, den Platz zu spritzen, um eine Natureisbahn zu machen», sagt Schwab, dies sei aber im Voraus kaum planbar. Der noch junge Sportverein Günsberg habe sich alle Varianten gut ausgedacht und dann entschlossen, eine Occasion-Kunststoffeisbahn zu erwerben. Einen grossen Verdienst wollen die Initianten des Eisparks Jurasüd nicht, sie möchten möglichst die Erwerbskosten decken können. «Günsberg ist im Winter wie ausgestorben», lacht Schwab, da habe er mit einigen Freunden über eine sportliche Belebungsmöglichkeit gedacht.

Die ganze Idee um den Eispark sei spontan entstanden, hauptsächlich aus der Motivation, etwas zum Dorfleben beizutragen. Geklappt hat dies ganz gut: Während der Öffnungszeiten treffen sich die Kinder zum Schlittschuhlaufen und die Erwachsenen zum Hockeyspielen oder Eisstockwerfen. Abschliessend könne ein «Fürobebier» oder ein Eisparkkaffee den Ausflug abrunden. «Der Betrieb läuft sehr gut», stellt Schwab fest. Die Menschen seien sehr positiv und viele ehrenamtliche Helfer leiten den Bahn- und Barbetrieb.

Die Kunststoffeisbahn werde nicht nur zur Freizeitvergnügung genutzt. Gleich neben der Schule aufgestellt, werden die 450 Quadratmeter Kunststoffeis tagsüber von den umliegenden Schulen benutzt – Sportunterricht auf dem Eis. «Viele Kinder haben diesen Winter hier Schlittschuhlaufen gelernt», weiss Schwab. Für Anfänger sei es einfacher.

Öffnungszeiten Eispark Jurasüd bis 18. Februar: Mittwoch, Freitag und Samstag 14 bis 22 Uhr, Sonntag 14 bis 20 Uhr.