Lommiswil

«Pitypalatty» bringt die Schweiz in die Zirkusmanege

Der Kinder- und Jugendzirkus Pitypalatty geht heuer mit ihrem neusten Programm auf «Tour de Suisse». Darin werden diverse Regionen der Schweiz mit Zirkusdisziplinen thematisch aufgegriffen.

Die dominierende Tenüfarbe des Pitypalatty-Kinder- und Jugendzirkus ist noch dunkelblau. Es ist Samstagvormittag, und in der Turnhalle in Lommiswil sind die letzten Übungsstunden im Gang. Nach und nach werden die 35 Artistinnen und Artisten das blaue Vereins-T-Shirt erstmals gegen ihre Kostüme tauschen und am Nachmittag einen ersten Probedurchlauf ihres diesjährigen 14. Programms «Tour de Suisse» in Angriff nehmen.

Doch – wie bringt man die Schweiz in die Zirkusmanege? Mit dieser kniffligen Frage haben sich Barbara von Arx, die die Gesamtleitung des Pitypalatty-Zirkus innehat, und ihr Leiterteam zusammen mit den Kindern und Jugendlichen auseinandergesetzt. Das Resultat ist die Zirkusvariante einer «Tour de Suisse», auf der die Besonderheiten diverser Regionen der Schweiz mit verschiedenen Zirkusdisziplinen thematisch aufgegriffen werden.

Auch wenn die Kulisse noch eine Turnhalle ist, die Zirkusatmosphäre ist bereits spürbar. Im Eingangsbereich feilt ein Trio an seiner Clownnummer, während sich in der Turnhalle junge Artistinnen und Artisten auf einer Matte versammeln, um unter Anweisungen eine Akrobatiknummer nochmals Schritt für Schritt durchzugehen. An Vertikaltüchern, -seilen und Trapezen wird eifrig hochgeklettert, sich eingehakt oder verwickelt, Ein- und Hochräder werden durch die Halle bewegt, während andere dabei sind, die Handgriffe einer Jonglage-Nummer zu festigen.

Es braucht viel Talent

Als wären die Gedanken erhört worden, fordert eine sanfte Berührung dazu auf, es doch gerade einmal auf dem fünf Meter langen dynamischen Seil der Marke Eigenbau zu probieren. Dynamisches Seil deshalb, erklärt Numa Gaudy, Mitbegründer des Zirkus, weil es mithilfe von Stossdämpfern eines ausgedienten BMWs einen Meter über dem Boden aufgespannt ist. Die damit verbundene Eigenart des Seils sorgt für Nervenkitzel und lässt die Kostprobe zur amüsanten Erfahrung werden.

Für Seilakrobatik brauche es viel Talent, gute Körperbeherrschung alleine genüge nicht, sagt Gaudy, der die staatliche Artistenschule in Budapest absolviert hat und den Seiltanz seine Passion nennt. Voraussetzungen, die Dea Eberli (16 Jahre) offensichtlich mitbringt. In einer Nummer quert sie das Seil auf dem Einrad, seitlich begleitet von einer Artistin auf dem Hochrad. Daneben tritt Dea Eberli in einer Jonglage- und einer Trapeznummer auf. Begeistert erzählt sie von den Trainingsstunden und davon, dass sie Vertrauen in sich selbst und ins ganze Team gewonnen habe. «Man wächst zusammen», sagt sie. Dieser Zusammenhalt sowie die Glücksmomente nach Aufführungen hielten sie davon ab, den Zirkus- gegen einen Sportverein zu tauschen.

100 neue Kostüme angefertigt

Nicht nur Schleifen an den Programmnummern, auch die Kostümanprobe steht an diesem letzten Trainingstag an. Für die 35 Artistinnen und Artisten, die meisten von ihnen treten in zwei oder sogar drei Nummern auf, entwarfen Nicole Roth und Cati Loosli die Kostüme. Trotz grossem Fundus haben sie heuer gegen 100 Einzelstücke neu und nach Mass angefertigt. Nun, da die Programmnummern erstmals in den Kostümen durchgeführt werden, steht auch für sie die Feuerprobe an.

Die Kostüme müssen schliesslich nicht nur zum Programmpunkt passen und publikumswirksam sein, sondern auch Bewegungsfreiheit garantieren, unter Umständen die Knöchel schützen und rutschfest sein. Für «Tour de Suisse» sei es gar nicht so einfach gewesen, ein Thema in einem Zirkuskostüm aufzugreifen, ohne es mit Klischees zu überladen, sagt Nicole Roth. «Ich geniesse es sehr, der Kreativität freien Lauf zu lassen.» Die Fleissarbeit folge jeweils im Anschluss, so Roth. Paula Herrgarten (15), die eben ihr erstes Kostüm probeträgt, ist sehr zufrieden. Im Hinblick auf die Zirkusvorführung in knapp drei Wochen wünscht sie sich, dass es ihr und der ganzen Zirkusfamilie gelingt, das Publikum zu begeistern.

Vorführungen Samstag, 30., und Sonntag, 31. Mai, in Lommiswil bei der Dorfhalle. Freitag, 14. August, und Samstag, 15. August, in Solothurn beim Baseltor.

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