CBD-Hanf
Pionier will am Etziker Dorfrand eine Hanfproduktion aufziehen

In Etziken sollen in einem leerstehenden Firmengebäude Hanfpflanzen wachsen – am Werk ist ein Pionier.

Urs Byland
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Solche Pflänzchen sollen bald auch in Etziken wachsen. (Archiv)

Solche Pflänzchen sollen bald auch in Etziken wachsen. (Archiv)

Bruno Kissling

Das sei eine riesige Welle, überall in der Schweiz werde Hanf angepflanzt, sagt Yilmaz Simsir. Er will ebenfalls Hanf anpflanzen, legalen Hanf mit einem THC-Gehalt unter einem Prozent. Dieser nicht psychoaktiv wirkende Hanf soll in einer Fabrikhalle in Etziken angebaut werden.

«In Indooranlagen mit Alarmsystemen können unsere hoch entwickelten Genetika besser von äusseren Einflüssen geschützt werden», begründet Yilmaz Simsir das Projekt. 300 Lampen sollen für genügend Licht sorgen. Er plane mit zwei Vollzeitstellen.

In diesem Firmengebäude am Dorfrand von Etziken will Yilmaz Simsir Hanf produzieren. Urs Byland

In diesem Firmengebäude am Dorfrand von Etziken will Yilmaz Simsir Hanf produzieren. Urs Byland

Gerade ist dazu die entsprechende Baupublikation abgelaufen. Die Grundeigentümerin, die Moser Maschinen+Immobilien AG aus Gerlafingen dürfte glücklich sein, für das leer stehende Fabrikgebäude in der Industriezone von Etziken eine neue Bestimmung gefunden zu haben. Einsprachen gibt es laut einer Nachfrage bei Etzikens Baukommissionspräsident Max Jäggi Stand Freitag keine zu vermelden. Noch könnten aber welche auf dem Postweg eintreffen.

Yilmaz Simsir ist ein Pionier im Verkauf von Hanfprodukten. Der Türke mit Wohnsitz Solothurn führt in der Prisongasse ein Import/Exportgeschäft. 2015 gründete er mit einem Italiener und seinem Geschäftspartner Volkan Kaymaz die Firma Swiss Cannabis SA mit Hauptsitz in Härkingen.

Bundesamt für Gesundheit: «Die CBD-Forschung steht erst am Anfang»

CBD ist die Abkürzung für Cannabidiol, ein chemischer Wirkstoff aus der Klasse der Cannabinoide. CBD und THC (Tetrahydrocannabinol) sind vom Aufbau her sehr ähnlich und besitzen die gleiche chemische Formel. Auch Aussehen und Geruch kann man kaum unterscheiden. CBD und THC können mit blossem Auge nicht unterschieden werden. CBD hat allerdings geringfügige Abweichungen in der molekularen Struktur und ist deshalb nicht psychotrop und wirkt nicht auf das zentrale Nervensystem wie THC. Im Handel legal erhältliches Cannabis hat einen CBD-Gehalt von zehn bis 20 Prozent und einen Rest-THC-Gehalt von 0,3 bis 0,7 Prozent.
Klinische Studien an Menschen zur Wirkung von CBD seien am Laufen, erklärt Adrien Kay, Mediensprecher beim Bundesamt für Gesundheit. In Tierstudien habe es sich gezeigt, dass CBD eine leicht beruhigende Wirkung hat. Bislang sind keine gesundheitlichen Risiken von CBD bekannt. Problematisch sei primär das Rauchen von CBD-Hanf, der als Tabakersatzprodukt eingestuft ist, denn beim Rauchen entstehen in jedem Fall toxische Stoffe. Andererseits gebe es aus der Forschung Hinweise, dass CBD die psychotrope Wirkung von THC vermindert. «Die CBD-Forschung steht erst am Anfang. Es gibt dazu fast wöchentlich neue Publikationen und sollten sich Anzeichen ergeben, dass mit CBD grössere Risiken verbunden sind, werden auch regulatorische Eingriffe zu prüfen sein», so Adrien Kay. (uby)

Daraufhin eröffnete diese Firma sogenannte Hanf-Apotheken in Bern, Basel, Zürich und Luzern. Laut einem Bericht im «Bund» zur Eröffnung der Hanfapotheke in der Berner Altstadt basieren die Produkte auf einer Hanfsorte, die «einen sehr geringen und daher legalen THC-Gehalt aufweist und dafür eine erhöhte Konzentration des erlaubten, beruhigenden Wirkstoffes CBD enthält».

Keine Apotheken

Inzwischen sind deren 21 Hanftheken in Betrieb. Auf der Internetseite der Firma fühlt man sich bei der Beschreibung der Produktion wie in einem Pharmabetrieb. «Mit unseren Rohstoffen von höchster Qualität entwickeln wir verschiedenste Produkte im Lebensmittel- und Kosmetikbereich.»

Aber der Versuch, mit dem Namen Apotheke dieses Image zu verstärken, misslang im ersten Anlauf. Der Name Hanf-Apotheke musste nach Intervention der Behörden geändert werden. Man einigte sich auf Hanftheke.

«Persönliche Differenzen»

Swiss Cannabis SA verlegte in diesem Frühsommer ihren Sitz ins St. Gallische. Volkan Kaymaz und Yilmaz Simsir schieden aufgrund persönlicher Differenzen aus der Firma aus, wie Simsir erklärt. Im März 2017 haben die beiden Geschäftsmänner bereits eine neue Firma «weedz AG» gegründet, mit Sitz in Zug. Das Wort «weedz» ist ein Hinweis, in welche Richtung die zwei Männer geschäften wollen.

Unter der Marke «Weedz» wird bereits heute ein laut Anbieter 100 Prozent legales Cannabis-Lifestyle-Produkt, welches als Tabakersatz verwendet wird, angeboten. Unternehmen, die legales Cannabis als Tabakersatz an den Raucher bringen wollen, gibt es bald wie Sand am Meer. Aber Simsir wiegelt ab: «Wer sich künftig nur auf das Tabakgeschäft konzentriert, wird langfristig nicht erfolgreich sein, da sich der Tabak-Konsum weiter rückläufig entwickeln wird.»

Verkauf an Grosshändler

Die neue Firma von Yilmaz Simsir und Volkan Kaymaz änderte im September ihren Sitz und ist neu im waadtländischen St. Sulpice domiziliert. Mit an Bord genommen wurde der in St. Sulpice wohnhafte Konrad Hurni. Dieser vertrete die Investorenseite, so Simsir. Hurni ist in der weedz SA Verwaltungsrat und «unterstützt uns in finanziellen Belangen und in der Unternehmensführung und -entwicklung».

Zum gleichen Zeitpunkt erfolgte die Prüfung eines neuen Markenlogos der Firma weedz SA für Einzel- oder Grosshandelsdienstleistungen jeweils im Bereich Tabak und Raucherartikel und auch für medizinische und veterinärmedizinische Dienstleistungen sowie Gesundheits- und Schönheitspflege. Laut Simsir sollen die Produkte an Grosshändler in der chemischen Industrie und in der Tabakindustrie verkauft werden.

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