luterbach
Pilotbetrieb erfolgreich beendet: Swiss Shrimp AG erntet 300 Kilo Crevetten

Das Jungunternehmen Swiss Shrimp AG in Luterbach beendet den Pilotbetrieb. 2017 soll dann die professionelle Crevettenzucht starten - allerdings im Aargau. Wo genau, halten die Pioniere noch geheim.

Franz Schaible
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Erntereife Shrimps aus dem Grow-out- Becken
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Es ist das erste Mal, dass in der Schweiz fangfrische Shrimps «geerntet» werden.
Shrimps-Ernte in Luterbach
Shrimps aus dem 30°C - Becken
Dort wurden die Tiere aufgezogen
Im 1-2 °C Eiswasser folgt der 3-4 Sekunden dauernde Tötungs-Vorgang
Bioanalytiker Martin Weber, im Team der Swiss Shrimp AG verantwortlich für das Tierwohl, «erntet» erste Garnelen aus der Pilotanlage in Luterbach.
Versandgerechte Verpackung
Versandgerechte Verpackung
Die AG rechnet mit einem Verkaufspreis «von deutlich unter 100 Franken». Vergleichbare, aber tiefgefrorene im Ausland gezüchtete Ware kostet im Handel zwischen 25 und 70 Franken.

Erntereife Shrimps aus dem Grow-out- Becken

Hans Ulrich Mülchi

In Luterbach sind derzeit Pioniere am Werk: Erstmals werden in der Schweiz gezüchtete fangfrische Shrimps «geerntet». Damit schliesst die Swiss Shrimp AG auf dem Areal der ehemaligen Zellulosefabrik Borregaard ihre Pilotproduktion ab (wir berichteten mehrfach). Im vergangenen Dezember sind die ersten 2000 Larven aus Florida eingetroffen. Monat für Monat folgten neue Larven, ihre «Vorgänger» wurden dann jeweils ins nächstgrössere Zuchtbecken umgesiedelt.

Inzwischen wiegen die Garnelen 25 bis 30 Gramm und sind rund 15 Zentimeter lang. Gross genug um geerntet, im Eisbad in Sekundenschnelle getötet und fachgerecht verpackt zu werden. «Bis Ende August werden wir 200 bis 300 Kilogramm Crevetten ernten», sagt Rafael Waber, Geschäftsführer der Swiss Shrimp AG. Diese werden nicht verkauft, sondern an Unterstützer, Geldgeber und im Bekanntenkreis verschenkt. Auch Chefköche der Luxusgastronomie wie beispielsweise im «Viktoria Jungfrau» in Interlaken sollen zu «Testzwecken» beliefert werden.

«Mit dem Pilotbetrieb ist unser Know-how in der Zucht von Garnelen enorm gewachsen», zieht Waber eine erste Bilanz. Nach dem Praxistest wisse man nun, dass die Zucht fangfrischer Garnelen auch im Binnenland Schweiz möglich sei. Zudem sei die Glaubwürdigkeit des vor vier Jahren gestarteten Projektes gestiegen, was sich bei der nun anstehenden Investorensuche positiv auswirken werde.

Produktion ab 2017

Und dies wird nötig sein, haben doch die sechs «Freizeit-Jungunternehmer» als Kernteam der Swiss Shrimp AG Grosses vor. Geplant ist der Aufbau einer professionellen Zucht fangfrischer Garnelen. Vorerst will man 30 Tonnen jährlich produzieren. Über einen Horizont von zehn Jahren ist ein Ausbau auf bis 120 Tonnen geplant. Auf der Suche nach einem geeigneten Standort sei man im Kanton Aargau fündig geworden.

Geplant sei ein Neubau auf einem Areal einer Industriefirma, deren Abwärme für die Aufrechterhaltung der Temperatur des Salzwassers genutzt wird. Den genauen Standort will Waber erst später bekannt geben, es besteht derzeit erst eine Absichtserklärung. Den Investitionsbedarf beziffert er auf vier Millionen Franken für die Anlagen und zwei Millionen für den Bau der Produktionshalle. Wobei Ziel sei, die Halle von einem Immobilieninvestor mieten zu können.

Die Finanzierung soll über eine Erhöhung des Aktienkapitals erfolgen. Erste Investoren seien gefunden, weitere werden gesucht. Bereits an der Hand habe man einen erfahrenen deutschen Anlagebauer, der solche Installationen schon in Deutschland gebaut habe. Wenn alles klappt, soll mit dem Bau 2016 gestartet werden, um ab 2017 die Shrimps professionell zu züchten.

Grossverteiler «an der Angel»

Das Marktpotenzial für fangfrische Shrimps – in der Schweiz werden jährlich rund 8500 Tonnen tiefgefrorene Crevetten konsumiert – sei vorhanden. Die Resonanz im Handel wie etwa bei Migros, Coop, Globus oder Manorfood sowie in der gehobenen Gastronomie sei sehr gross. Die weitaus grössere Herausforderung sei es, die Kosten im Griff zu halten, um eine rentable Zucht zu betreiben.

Der Pilotbetrieb habe die nötigen Grundlagen dazu geliefert. Waber rechnet mit einem Verkaufspreis «von deutlich unter 100 Franken». Vergleichbare, aber tiefgefrorene im Ausland gezüchtete Ware kostet im Handel zwischen 25 und 70 Franken.