Auf dem Turnierplatz des Reitvereins Wasseramt riecht es nach nasser Erde, nach Tabak und natürlich nach Pferden. Besonders ältere Rösseler verbinden die Pferdesporttage gern mit der Erinnerung an ihre Zeit als Kavalleristen, und dazu gehört hie und da ein rassiger Stumpen. Zu hören sind vor allem die Hunde, die in grosser Zahl auf dem Platz sind. Einige von ihnen begleiten Frauchen und Herrchen sogar bei der Parcoursbesichtigung. Dafür, dass sie anschliessend den galoppierenden Pferden nicht zwischen die Hufe geraten, sorgt die Leinenpflicht.

Der Reitverein Wasseramt führt die Pferdesporttage heuer bereits zum 31. Mal durch. Sie finden immer am ersten Augustwochenende statt, selbst wenn das bedeutet, den Nationalfeiertag einzubauen und mit Rücksicht auf die Pferde den Parcours zu beenden, bevor rundherum Feuerwerk gezündet wird.

Ideale Spring-Bedingungen

Diesmal ist der 1. August schon vorbei. Vom Regen am Freitagnachmittag lassen sich die Teilnehmer nicht stören, die Zuschauer ebenso wenig, die allmählich das Festzelt füllen. Ein Reiter, der auf dem Sandplatz wartet, bis er an die Reihe kommt, sucht Schutz unter den überhängenden Bäumen, die übrigen nehmen den Guss kaum wahr. Als der Regen aufhört, sehen lediglich die Schimmel so richtig nass aus, weil ihre dunkle Haut nun durch das Fell schimmert. Den braunen Pferden ist die Dusche kaum anzusehen.

Pferdesporttage Subingen 2016

Auch im Turnierbüro reagieren alle gelassen. Susanne Probst, Vereinspräsidentin des Gastgebers und OK-Vizepräsidentin, erinnert sich mit einem Schmunzeln an Pferdesporttage in ihrer jahrzehntelangen Vereinskarriere, als der Turnierplatz mit Schaufeln vom Huf hoch liegenden Hagel befreit werden musste.

Vom Wetter liessen sich Pferdefreunde niemals in Verlegenheit bringen, ist sie überzeugt. OK-Präsident Fritz Brunner ergänzt: «Dem Boden schadet das Wasser nicht. Unser Grasplatz ist an diesem Wochenende in einem idealen Zustand zum Springen, schön elastisch.» Der Rest des Turniers kommt denn auch in den Genuss von Bilderbuchwetter.

Treue Gäste

«Das wichtigste Ziel dieser drei Tage ist die Pflege der Kameradschaft», erklärt Brunner. Das rechtfertige den enormen Aufwand für den Reitverein jeden Sommer. 30 Helfer seien jeweils auf dem Platz, an allen Turniertagen seien gesamthaft mindestens 100 im Einsatz. Sie sorgen dafür, dass die 600 Reiter mit guten Turniererfahrungen heimkehren und dass bei den 23 Prüfungen von der Sektion der Senioren bis hin zum Qualifikationsspringen der Freiberger und Haflinger alles klappt.

Erstere machen den Auftakt. Sie sind nicht etwa gemächlicher unterwegs als junge Reiter, dafür teilweise seit dem Beginn des Turniers in Subingen mit von der Partie. Die meisten Reiter aller Altersklassen kommen aus den umliegenden Kantonen, einige reisen sogar aus der Ostschweiz an. Eine besonders enge Verbundenheit habe der Reitverein mit den ehemaligen Dragonern in Luzern, sagt Probst.

Bei den Startern aus den eigenen Reihen hebt sie als ältesten Aktiven den 79-jährigen Fredi Tschumi aus Riedholz hervor – «mit einem jungen Pferd aus eigener Zucht». Die Atmosphäre ist familiär, Sprachbarrieren gibts nicht. Die Romande erzählt gern auch auf Hochdeutsch vom letzten Trainingserfolg mit ihrem Nachwuchspferd, der Gesprächspartner, der sich neu zu ihrer Gruppe gesellt, hilft seinem Französisch ungeniert mit Gesten nach. Über Pferde gibt es so viel zu sagen, dass hier in Subingen alle gehört werden wollen – und verstanden werden.