Neophyten
Pflanzenschutz erfordert «regionales Denken»

Ein Gesetz zur Bekämpfung der Neophyten gibt es nicht. Damit die einheimische Fauna geschützt werden kann, erarbeitet die Repla Espace Solothurn ein Konzept, das Koordination zwischen den Gemeinden verbessern soll.

Rahel Meier
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Mitten in Biberist, nahe bei Martin Hubers Arbeitsplatz, finden sich auf Brachland verschiedenste Neophyten, beispielsweise Knöterich und Sommerflieder. Eine Goldrute wird hier gerade ausgerissen.

Mitten in Biberist, nahe bei Martin Hubers Arbeitsplatz, finden sich auf Brachland verschiedenste Neophyten, beispielsweise Knöterich und Sommerflieder. Eine Goldrute wird hier gerade ausgerissen.

Rahel Meier

Wenn es um die Bekämpfung von Neophyten geht, sind die Gemeinden und deren Verantwortliche wichtige Player. Darum hat die Repla Espace Solothurn die Koordination und Ausbildung für die «Gemeindeverantwortlichen Pflanzenschutz» übernommen. Die Bezeichnung stammt, so Martin Huber (Biologe), noch aus der Zeit, in der der Feuerbrand in der Region wütete und es darum ging die Ausbreitung zu unterbinden. Tatsächlich sind die «Gemeindeverantwortlichen Pflanzenschutz» beim Amt für Umwelt erfasst und erhalten auch regelmässig Post.

Bekämpfung geht nur Hand in Hand

In der Bundesverordnung über den Umgang mit Organismen in der Umwelt (Freisetzungsverordnung) werden die Kantone beauftragt, Massnahmen zur Bekämpfung und Verhinderung der Ausbreitung von Organismen anzuordnen, die Mensch, Tier oder Umwelt gefährden. Auf kantonaler Ebene ist die Arbeitsgruppe «Neobioten» mit Vertretern aus Landwirtschaft, Forst, Strassenunterhalt, Gewässerunterhalt und Naturschutz zuständig für Fragen rund um Neophyten. Im März 2013 wurde die von der Arbeitsgruppe «Neobioten» erarbeitete Strategie zur Eindämmung und Bekämpfung von invasiven Neophyten verabschiedet und die Arbeitsgruppe beauftragt, die Umsetzung der Strategie, die Zusammenarbeit aller Akteure sowie die Information der Bevölkerung im Kanton Solothurn zu koordinieren. In einer Serie sollen die verschiedenen Aspekte und Aufgaben der Akteure rund um das Thema «Neophyten» beleuchtet werden. Als Erstes wurden die Aufgaben der kantonalen Behörden vorgestellt. (rm)

Wegleitungen und Merkblätter alleine seien oft zu wenig, so Huber. Die Repla führte deshalb letztes Jahr zum ersten Mal einen praktischen Kurshalbtag durch, an dem allerlei Wissenswertes zum Umgang mit Neophyten erklärt wurde. «Die Neophyten können nicht vollständig ausgerottet werden», so Huber. Das sei auch nicht das Ziel. Die Ressourcen in den Gemeinden seien beschränkt. «Darum ist es wichtig, dass die Verantwortlichen wissen, wann die Pflanzen am schwächsten sind und am effektivsten behandelt werden können.» Auch die Entsorgung der Neophyten müsse richtig angegangen werden.

Koordination ist nötig

Wichtig sei auch die Koordination zwischen den verschiedenen beteiligten Stellen. «Im Wald beschäftigt sich der Forst mit den Neophyten, an den Strassenrändern ist es das Kreisbauamt, in Kiesgruben müssen die Betreiber die Verantwortung übernehmen und auf Industriebrachen ist das Amt für Umwelt zuständig.» Alle diese Leute hätten einen Erfahrungsschatz zu bieten. «Der Austausch dieser Erfahrungen ist eine wichtige Sache», so Huber.

«Genau genommen gibt es kein Gesetz, das die Bekämpfung der Neophyten vorschreibt», erklärt Huber. In der Freisetzungsverordnung sei nur Ambrosia explizit erwähnt. Für die anderen Neophyten gelte zwar ein Pflanzverbot. «Bekämpfen muss man sie aber nicht.» Man konzentriere sich darum auf diejenigen Pflanzen, die nachweislich gesundheitsschädigend seien, wie eben die Ambrosia, oder der Riesenbärenklau. Anders sei es mit der Gewässerschutzverordnung. Diese verlange entlang der Bäche eine standortgerechte Bepflanzung.

«Wenn wir das Problem der Neophyten aktiv angehen wollen, dann müssen wir regional denken.» Es nütze nichts, wenn entlang der Emme in Biberist die Neophyten aktiv bekämpft würden, im Kanton Bern aber nicht. «Mit der Emme werden auch Samen angeschwemmt, die in Biberist wieder Wurzeln schlagen.»

Die Repla versucht als Nächstes ein Grundlagenpapier zu erarbeiten, das in den Gemeinden als Bekämpfungskonzept, in dem die Prioritäten und Verantwortlichkeiten geregelt und räumlich dargestellt werden, genützt werden kann.

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