Gerlafingen
«Pflanzen gehören zur Inneneinrichtung»: Seine Firma baut spektakuläre vertikale Gärten – in Räumen

Vor 20 Jahren gründete Michel Aebi die auf Innenbegrünungen spezialisierte Creaplant AG – mit den spektakulären vertikalen Gärten in Innenräumen hat das Unternehmen Neuland in der Schweiz betreten.

Franz Schaible
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Michel Aebi erklärt vor einer grünen Wand den Werdegang seiner Firma Creaplant AG.

Michel Aebi erklärt vor einer grünen Wand den Werdegang seiner Firma Creaplant AG.

michelluethi.ch

Michel Aebi erinnert sich noch gut an seinen ersten Auftrag. Vor 20 Jahren konnte er für die Gewerbeausstellung in Biberist eine Palme in einem Topf für 80 Franken liefern. Damals machte sich der gelernte Zierpflanzengärtner und diplomierte Gärtnermeister selbstständig und gründete die Creaplant AG in Gerlafingen. «Ich hatte kaum Geld, dafür viele Ideen», sagt Aebi rückblickend. Er habe festgestellt, dass mit Pflanzen den teilweise sterilen Räumen eine neue Identität gegeben werden könne. «Die Umsetzung dieser Feststellung hat mich gereizt.»

Nach zwei Jahren stellte er die erste Teilzeit-Angestellte ein, nach drei Jahren konnte er den ersten grösseren Auftrag ausführen. Heute, 20 Jahre später, ist die Creaplant AG mit zwölf Mitarbeitenden ein respektables KMU, welches sich auf die Innenbegrünung von Büroliegenschaften spezialisiert hat. «Wir haben die ersten vertikalen Gärten im Innenraum installiert in der Schweiz», meint Aebi.

Mit «Pendularis» Preis geholt

Grüne Wände, aus denen sich Pflanzen dem Licht entgegenstrecken, Pflanzen, die sich um Hängesysteme schmiegen, oder «gewöhnliche» Topfpflanzen: Die Firma hat sich mit den vertikalen Gärten – Beispiele sind die Raiffeisenbank in Solothurn, die Aargauische Kantonalbank oder das Kantonsspital Luzern – einen Namen geschaffen. Ebenso mit dem schwebenden Bepflanzungssystem «Pendularis», mit dem Creaplant für die Innenbegrünung im Schalterraum der Spar- und Leihkasse Frutigen den europäischen Award für Innenbegrünung gewonnen hat.

Der Schalterraum der Spar- und Leihkasse Frutigen wurde prämiert.

Der Schalterraum der Spar- und Leihkasse Frutigen wurde prämiert.

zvg

Bei den Topfpflanzen sei der Topf in unterschiedlichsten Formen, Farben und Grössen mindestens ebenso wichtig wie die Pflanze selbst. «Die Töpfe sind Designobjekte, die im Raum wie Skulpturen effektvoll platziert werden», erklärt Aebi. Im Innenraum kämen immer tropische Pflanzen zum Einsatz, weil diese unter künstlichen Bedingungen leben und wachsen müssten. Damit sie im künstlichen Klima langfristig überlebten, benötigten sie bestimmte Rahmenbedingungen wie Lichteinfall, Luftfeuchtigkeit, Raumtemperatur oder Bewässerungsmöglichkeiten. «Wir erarbeiten deshalb nie ein Innenbegrünungskonzept, ohne zuvor die Räumlichkeiten gesehen zu haben.»

Spezialisiert auf Firmengebäude

Zu Beginn habe man alles gemacht, also auch Bepflanzungen von Terrassen, Balkonen oder Sitzplätzen. «2009 haben wir uns auf die reine Innenbegrünung fokussiert und uns kundenseitig auf Firmen konzentriert», hält der 52-jährige Unternehmer fest. Dazu arbeite man eng mit Architekten zusammen, denn Innengärten würden in der modernen Architektur gezielt als Bestandteil des Gebäudes eingesetzt. «Wir bieten für die Objekte vom Design über die Ausführung bis hin zur Pflege alles aus einer Hand an.» Selbst die Pflanzenmotive entwerfe Creaplant in Eigenregie.

Die Infrastruktur, also die Systeme für die Halterung, automatische Be- und Entwässerung oder Beleuchtung der Pflanzen, werden vorwiegend von externen Partnern beschafft. Sind solche Pflanzeninstallationen für ein Unternehmen nicht purer Luxus? «Nein», sagt Aebi bestimmt. Er ist überzeugt, dass Pflanzen das Raumklima dank höherer Luftfeuchtigkeit, besserer Luft und niedrigerem Lärmpegel positiv beeinflussen könnten. Michel Aebi geht sogar so weit, den Pflanzen eine Steigerung der Zufriedenheit, der Motivation und des Engagements der Mitarbeitenden zuzusprechen.

Jedenfalls nehme die Nachfrage nach einer Innenbegrünung in den Firmengebäuden zu. «Pflanzen sind heute integrierter Bestandteil der Inneneinrichtung.»

Die Creaplant AG sei organisch gewachsen und der Umsatz sei stetig gestiegen, sagt der Firmengründer und Alleininhaber. Zahlen nennt er keine. Der Umsatz werde je hälftig erwirtschaftet mit Gefässbegrünungen sowie mit massgeschneiderten Arbeiten wie eben grünen Wänden, «Pendularis» oder pflanzenintegrierten Regalen. Rund zwei Drittel der Aufträge seien Neueinrichtungen, ein Drittel entfällt auf die Pflege und den Unterhalt der Pflanzen.

Prestigeauftrag in Lausanne

Im laufenden Jahr sei man «sehr gut unterwegs». Zwei Aufträge hebt Aebi hervor: Für das neue Forschungszentrum des Aromen- und Riechstoffe-Herstellers Givaudan in Kemptthal hat Creaplant zwölf Meter hohe «Pflanzensäulen» installiert, welche dem sich über das ganze Bauwerk hinziehenden Innenraum eine besondere Note geben. Und: «Wir haben den Planungsauftrag für die Innenbegrünung des laufenden Neubaus des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) in Lausanne-Ouchy erhalten.»

Den Grossteil der Aufträge erobert sich Creaplant in den Grosszentren wie Zürich, Basel oder Luzern. Grund: Dort sind die meisten und grössten Büroflächen vorhanden, die sich für die professionelle und designbetonte Innenbegrünung eigneten. Deshalb ist die Unternehmung nebst am Hauptsitz in Gerlafingen auch in diesen «Hotspots» mit Niederlassungen vertreten. «Wir müssen die Pflege direkt vor Ort anbieten.»

Arbeit mit schönem Produkt

Den Weg in die Selbstständigkeit als Unternehmer hat Michel Aebi, der in einer Gärtnerfamilie in Obergerlafingen aufgewachsen ist, noch nie bereut – trotz einem schwierigen Start und unterschiedlichen Phasen in der Geschäftsentwicklung. «Ich arbeite zusammen mit einem engagierten Team mit einem schönen Produkt.»

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