Die grossformatige Fotografie an der Wohnzimmerwand zeigt einen fantastischen Ausblick auf die Dolomiten im Sommer. Hinter den eigenartig geformten Bergspitzen versteckt sich der Misurinasee. Der Besuch im Südtirol ist der in Luterbach wohnenden Petra Gfeller nachhaltig in Erinnerung geblieben.

«Misurina» nennt sie ihr Musikprojekt. Und die CD, die frisch gefertigt auf dem Tisch liegt, hat dazu den Titel erhalten «Süchtig nach em Summer». «Diese Worte beschäftigen mich schon seit langem. Es war klar, dass ich meine erste CD mit diesem Titel versehen würde», erklärt die Mutter von zwei Kleinkindern. Sommerliche Gefühle und die Liebe seien die Themen des Liedes, nach dem auch die CD benannt ist.

Mundartsängerin Petra Gfeller spielt Chopfsvoraa is Gwitter

Mundartsängerin Petra Gfeller spielt Chopfsvoraa is Gwitter

Zu Besuch bei der Mundartsängerin Petra Gfeller. Sie spielt das selbst komponierte Stück «Chopfvoraa is Gwitter».

Ihre Klavierlehrerin habe sie ermuntert, sie solle doch das Lied-Material veröffentlichen, das sie in den letzten Jahren erarbeitete. Die Klavierlehrerin hat ein gutes Gespür. Die im emmentalischen Heimisbach bei Lützelflüh aufgewachsene Petra Gfeller dringt mit ihrer hohen, jung gebliebenen Berner Meitschi-Stimme mitten ins Herz der Zuhörerinnen und Zuhörer. Ihre Berner Mundart-Texte sind eigen und berühren, und am Klavier begleitet sie sich mit selber komponierten, einfachen Melodien.

Das Cornett verkauft

Sie habe sich schon überlegt, ob sie ihr Werk mit anderen Musikern realisieren will, habe aber davon abgesehen. «Das Ganze ist eine derart persönliche Sache. Es wäre komisch, wenn andere bei diesen von mir erarbeiteten Liedern Korrekturen anbringen wollten.»
Musik und Text vereinen sich im Spiel der Geologin in besonderer Art und Weise.

Das kommt nicht von ungefähr. «Ursprünglich wollte ich Musikerin werden.» Sie blies Cornett, spielte in vielen Bands und auch in der Oberaargauer Brassband. Aus gesundheitlichen Gründen musste sie aber den Traum vom Konservatorium begraben. «Vor einem Jahr habe ich mich entschlossen, mein altes Profiinstrument zu verkaufen – unter Tränen. Eine Woche darauf habe ich mir ein Klavier angeschafft.» Denn schon als Siebenjährige habe sie einmal Orgel gespielt.

Bis zu diesem Neuanfang hat Petra Gfeller schon gut ein Dutzend Lieder selber erarbeitet. Alle Texte sind in Berndeutsch verfasst. «Das ist meine Muttersprache.» Berndeutsch sei aber auch eine Herausforderung, denn auf keinen Fall will sie nichtssagende englische Texte vortragen. Und sie will auch keine Schnulzen singen. Die Krankheit und der Verlust ihres grossen Traumes hätten sie womöglich gelehrt zu schauen, was wichtig ist.

Das Lieder schreiben sei wie die Arbeit an einem Puzzle. «Dann kommt mir wieder etwas in den Sinn, eine Melodie vielleicht mit einem Refrain, und rundherum suche ich Wörter und Töne.» Mit den Wörtern sei sie zudem erblich vorbelastet. Ihr Urgrossonkel war der Mundartschriftsteller Simon Gfeller aus dem Emmental.

Termin im Studio gebucht

Mit dem Klavierspiel wuchs das Repertoire auf 20 Lieder an. «Es hat sich eine Eigendynamik entwickelt.» Angesteckt von der Klavierlehrerin, habe sie einfach einen Termin im Musikstudio gebucht. Irgendwie sei das schon lange in ihr drin gewesen. «Das hat sich wie in mir aufgestaut.» Kreativ etwas erarbeiten, liege ihr, und sie nennt das Nähen oder das Zeichnen als Beispiele. «Geworden bin ich aber Geologin.»

Zum Taschentuch, wie vielleicht ihre Zuhörerinnen und Zuhörer, muss Petra Gfeller nicht greifen, wenn sie singt. «Obwohl sehr viel Persönliches in den Liedern steckt. Aber das ist mein Weg, das auszudrücken.» Sie legt den Fokus nicht auf den perfekten musikalischen Vortrag. «Mir sind die Texte am wichtigsten.» Das macht ihren Gesang sympathisch. Er wirkt authentisch, im Moment geboren und wiedergegeben. «Ich singe Stücke, die ich von A bis Z arrangiert habe und jedes Mal gleich spiele. Daneben gibt es Lieder, bei denen ich tatsächlich stärker in den Akkorden wandle.»

Auf der CD vereint Petra Gfeller 17 Mundartlieder. Sie habe bereits einige Konzerttermine abmachen können und will schauen, wohin die Lieder sie führen. Dabei müsse die Balance zwischen Familie, Musik und Arbeit stimmen. Ihr Mann wird die Kinder hüten. «Aber eigentlich möchte er am liebsten immer dabei sein.» Dann verrät sie, dass kaum jemand von ihrem Musikabenteuer weiss. «Es wird mein grosses Coming-out. Ich habe es für mich behalten, bis ich etwas Fertiges vorweisen kann.»

Konzerte 22. Februar, 19 Uhr, ONO Bern; 18. März, 19 Uhr, Plattentaufe «Süchtig nach em Summer», Theater Delly Solothurn; 5. April, 19 Uhr, Open Mic, Mahogany Hall Bern, Spielzeit ca. 20 Minuten; 21. oder 22. April, Chansonade an der Künstlerbörse in Thun.

Von jedem Album – ob physische CD oder Download – gehen 20 Prozent des Verkaufspreises an das Projekt «Burkina Nooma». Im Projekt wird ein Waisenhaus in Burkina Faso betrieben. www.misurina.ch