Deitingen
Petition gibt Schub für die Einführung von familien- und schulergänzender Kinderbetreuung

Urs Byland
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In Deitingen wird ein Konzept für Tagesstrukturen erarbeitet. (Archiv)

In Deitingen wird ein Konzept für Tagesstrukturen erarbeitet. (Archiv)

KEYSTONE/ALESSANDRO DELLA VALLE

Draussen beim Eingang zum Pfarrheim Baschi geht der Arm mit der geballten Faust hoch. Es ist kein Siegeszeichen. Es ist der Ausdruck von Freude und Erleichterung über den eben im provisorischen Gemeinderatszimmer gefällten Entscheid.

Der Gemeinderat sprach mit 5 zu 2 Stimmen einen Nachtragskredit über 16'740 Franken für die Erarbeitung eines Konzepts für Tagesstrukturen in Deitingen. Die jungen Menschen draussen haben die Debatte drinnen zwar nur als Gäste miterlebt, aber sie sind wohl verantwortlich dafür, dass nun der Gemeinderat ein ganzheitliches Konzept für Tagesstrukturen ausarbeiten und zur Entscheidung bringen will.

Vom Mittagstisch zu umfassenden Tagesstrukturen

«Ja, wir haben zuerst nur von einem Mittagstisch gesprochen», antwortete zuvor Sabine Scheidegger (CVP) im Gemeinderat Michael Tüfer (SVP), als dieser seine Kritik zum Vorhaben anbrachte. «Aber die Petition der Eltern an den Gemeinderat zeigt, dass auch in Deitingen das Bedürfnis für Tagesstrukturen gross ist.» Anfang Mai überreichten 33 Elternpaare mit insgesamt 59 Kindern die Petition dem Gemeinderat unter dem Titel «Wichtiger Standortfaktor einer Gemeinde und dringendes Bedürfnis der Eltern» und forderten umfassende Tagesstrukturen.

Keine Bundesfeier

Der Gemeinderat von Deitingen gibt alle öffentlichen Anlagen wieder frei. Aussenanlagen und Fussballplatz dürfen mit einem entsprechenden Schutzkonzept wieder benutzt werden. Abgesagt hat er die Bundesfeier und damit auch die Jungbürgerfeier. Diese soll später in entsprechendem Rahmen nachgeholt werden. (uby)

«Die Petition spricht meine Sprache. Es ist gut, dass sich die Einwohner gemeldet haben. Wir diskutieren nun nicht mehr nur einen Mittagstisch, sondern etwas ganz anderes», begründet Scheidegger den Nachtragskredit. Und das sei auch das Verdienst der Petitionäre. Tüfer ärgerte sich dennoch. Einerseits befürchte er, dass nicht verschiedene Modelle angeschaut werden. Andererseits stemme er sich gegen ein externes Büro. «Da wird Geld zum Fenster hinausgeworfen. Das ist eine Zwängerei. Wir könnten das mit eigenen Mitteln erarbeiten», spielte er auf Zeit.

Man hofft auf zusätzliche Steuereinnahmen

Tüfer war nicht allein mit seiner Kritik. Jan Binzegger (FDP) wandte sich aus formellen Gründen gegen den Nachtragskredit. «Mit Nachtragskrediten haben wir jahrelang gearbeitet und das wollen wir eigentlich nicht mehr. Das ist am Volk vorbeipolitisiert», fand er. Und einen Moment lang schien der ambitionierte Einführungs-termin der Tagesstrukturen auf das Schuljahr 2021/22 gefährdet.

Gemeindepräsident Bruno Eberhard (CVP) erklärte aber, dass der Gemeinderat sehr wohl die Kompetenz habe, Geld zu sprechen. «Dafür sind wir ja auch da, berechtigte Bedürfnisse zu erkennen.» Zuvor schon wies er darauf hin, dass mit Tagesstrukturen langfristig auch die Gemeindekasse profitiere und das Geld für die Erarbeitung eines Konzepts keineswegs hinausgeschleudertes Geld sei.

Franziska Sterchi (CVP) erklärte im Eingangsreferat («das Angebot ist überfällig»), dass mit einem Beitrag vom Bund für die Erarbeitung des Konzeptes in der Grössenordnung von 50 Prozent zu rechnen sei, «aber nur, wenn wir mit einem externen Büro zusammenarbeiten». Die Petitionäre, als Gäste aufgefordert, ihre Meinung kundzutun, erklärten, dass das Bedürfnis nach Tagesstrukturen vorhanden sei, dass man eine Mitarbeit anbiete und dass man keine Gratisbetreuung der Kinder anstrebe. Eine Arbeitsgruppe soll nun die Entscheidungsgrundlagen für die Einführung von Tagesstrukturen
erarbeiten. Die Co-Schulleitung übernimmt den Lead in der Konzepterarbeitung. Fachliche Unterstützung soll beigezogen werden.

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