Vor einiger Zeit wurde im Zuchwiler Birchi-Quartier von der Kantonspolizei eine Verkehrszählung durchgeführt. 2600 Fahrzeuge zählte die Polizei hochgerechnet auf 24 Stunden auf den Hauptverkehrsachsen im Tempo-30-Quartier. Das sind zu viele, findet Felix Sommerhalder, der auf der Bleichenbergstrasse das letzte Haus in Richtung Biberist bewohnt. «Wenn ich die Autonummern genauer betrachte, lese ich sehr viele Berner Nummern, aber auch von anderen Kantonen und ausländische.»

Er und Robert Bennett, ebenfalls wohnhaft an einer der viel befahrenen Hauptachsen (Bleichenberg- Bühl-, Rain- und Tellstrasse), schätzen den Anteil des Durchgangsverkehrs auf über 90 Prozent. «Die Autos aus dem Quartier kennt man ja ungefähr.»

Petition eingereicht

Felix Sommerhalder und Robert Bennett haben an der letzten Gemeindeversammlung eine Petition eingereicht. Die Konsequenzen des zunehmenden Verkehrs seien nicht mehr tragbar. Dazu gehören eine unverhältnismässige Zunahme von Lärm, eine Abwertung des auf Erholung, Gesundheit und Wohnqualität ausgerichteten Raumes, ein erhöhtes Risiko für Kinder auf ihrem Schulweg und eine Abwertung der Liegenschaften.

Damit diese Nachteile eingedämmt werden, fordern sie eine klare Verschärfung des Tempo-30-Regimes. «Wenn ich aus meiner Garageneinfahrt fahren will, kommen die Fahrzeuge noch mit Tempo 50 um die Ecke. Und wenn sie auf der Gegenseite Richtung Biberist das Tempo-30-Quartier hinter sich lassen, beschleunigen sie unverhältnismässig», erklärt Felix Sommerhalder.

Im Schnitt würden täglich zwei bis drei 40-Tönner durch das Quartier fahren, weiss Felix Sommerhalder. Dabei gilt ein LKW-Fahrverbot. «Wir wollen erreichen, dass tatsächlich keine
40-Tönner mehr hier durchfahren», so Sommerhalder. Als Massnahme verlangen sie eine Versetzung des Schildes LKW-Fahrverbot, sodass die Fahrer frühzeitig sehen, was Sache ist und nicht erst beim Dorfeingang.

Bei Messungen der Polizei wurden zudem über 10 Prozent der Autolenker für zu schnelles Fahren gebüsst. Die Petitionäre fordern deshalb permanente Blitzer und Speedy-Anlagen.

Verengen der Strasse und Poller

Sommerhalder und Bennett, sowie die über 200 Mitunterzeichner der Petition hoffen aber, vor allem mit geeigneten Massnahmen die Verkehrszunahme einzudämmen und die Sicherheit zu erhöhen. Als geeignete Massnahmen betrachten die Petitionäre eine Verengung der Einfahrten in die Quartiere auf Linienbusbreite. Die Schleusenfunktion sei so zu gestalten, dass beim Ein- und Ausfahren ins und aus dem Quartier die Fahrzeuge nicht kreuzen können. Bei den bestehenden Bodenschwellen (sogenannte Berliner Kissen) sollen Poller ein Ausweichen verunmöglichen.

«Gerade auf der Bühlstrasse haben wir bei den Einfahrten ins Quartier gefährliche Situationen für Schulkinder, die die Strasse überqueren müssen. Die Autolenker rollen beim Übergang von Tempo 50 auf Tempo 30 meistens aus, was eben zu den Gefährdungen führt.» Mit den beschrieben Massnahmen würden die Autolenker bei den Quartiereingängen sofort auf Tempo 30 gezwungen.

Schon der zweite Anlauf

Die Petition, die dem Gemeinderat vorgelegt werden muss, ist nicht der erste Versuch, die Situation zu ändern. «Vor etwa einem Jahr haben ich und zwei Bekannte bei einem Gespräch mit dem Gemeindepräsidenten und dem Leiter Abteilung Bau und Planung unser Anliegen vorgetragen.» Geändert habe sich einzig, dass bei einer Bodenschwelle das Trottoir erhöht wurde. Das ist den Petitionären zu wenig. Deshalb haben sie einen neuerlichen Anlauf genommen, dieses Mal mit einer Petition.

Gemeinderat soll handeln

Die Gemeinde sei willens, etwas zu unternehmen, sagt Gemeindepräsident Stefan Hug. Das Problem sei bekannt, denn die Strasse werde seit eh und je stark befahren. «Die Situation ist nicht neu. Nun haben die Anwohner vielleicht die Nase voll.» Der Gemeinderat werde die Angelegenheit proaktiv angehen. «Wir schauen, ob die Petition in Teilen bereits umgesetzt wurde, wo rasch etwas umgesetzt werden kann und welche Massnahmen weiter in Erwägung gezogen werden können.»

Auch Hug weist darauf hin, dass bereits an einer Stelle das Trottoir erhöht wurde, damit Autofahrer nicht einfach über das Trottoir den Strassenschwellen ausweichen können. «Die jetzige Trottoirkante ermöglicht Velofahrern das Ausweichen. Aber das ist natürlich nicht für Fahrzeuge gedacht. Das ist gefährlich.»

Weiter wurde bereits ein Tempomat installiert. Zudem werde einmal im Monat die Geschwindigkeit der Fahrzeuge von der Polizei gemessen. «Ich habe mir auch schon überlegt, die Strasse zuzumachen. Aber es ist eine Sammelstrasse, zudem wird sie vom Bus befahren.» Der Gemeindepräsident bedauert es sehr, dass in Biberist Tempo 30 auf der Bleichenbergstrasse abgelehnt wurde. «Dann wäre diese Verbindung wirklich unattraktiv geworden», ist Stefan Hug überzeugt.