Gerlafingen
Peter Jordi: Der Unaufgeregte, der Klartext redet

Als Gemeindepräsident von Gerlafingen stand Peter Jordi auch für Fehler gerade, die er nicht selber verursacht hatte. Ein Portrait.

Christof Ramser
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Peter Jordi, Gemeindepräsident von Gerlafingen – ein Blick zurück
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Peter Jordi, Gemeindepräsident von Gerlafingen, mit Gattin
Ständerat Roberto Zanetti und Gemeindepräsident Peter Jordi, gingen zusammen zur Schule und lösten sich im Gemeindepräsidum ab
Peter Jordi präsentiert am Dorffest 2016 stolz das Gerlafinger Bier.
Beim Dorffest mit Blaulicht-Demonstration übergibt Peter Jordi den Schlüssel zum neuen Feuerwehrauto.
Wichtig für die Gemeinde: Die Stahl Gerlafingen. Peter Jordi spricht bei einer von Roberto Zanetti organisierten Führung im Juni 2015, bei der auch Eveline Widmer-Schlumpf eingeladen war.
Peter Jordi setzte sich dafür ein, den Velofahrern in Gerlafingen eine Alternative zur stark befahrenen Kriegstettenstrasse bieten.
Jordi 2015 mit der Redaktion des «Blickpunktes», der Dorfzeitung.
Peter Jordi im Dezember 2014 bei der Demonstration der Lehrerinnen und Lehrer gegen das neue Sparprogramm der Regierung im Bildungswesen.
Peter Jordi übergibt im Oktober 2012 Marcel Chatelain (Chef des kantonalen Amts für soziale Sicherheit) die Petition «Nein zum geplanten Asylzentrum».
2009: Jordi entscheidet sich, für eine weitere Amtsperiode zu kandidieren.
Portrait aus dem Jahr 2009
Peter Jordi kurz nach seiner Wahl im Jahr 2000.

Peter Jordi, Gemeindepräsident von Gerlafingen – ein Blick zurück

Michel Luethi

Noch tritt er nicht ab. Bis Ende August ist er mindestens noch im Amt. Doch den «Silberstreifen» am Horizont kann Peter Jordi deutlich ausmachen. «Ja, manchmal gnüegelet es mir. Vor allem dann, wenn ich nicht selber über meine Zeit bestimmen kann.» Und als vollamtlicher Gemeindepräsident mit regelmässigen Abendsitzungen ist Jordis Terminkalender oft fremdbestimmt.

Daran leistet auch er seinen Beitrag. Einladungen an Vereinsgeburtstage oder andere Jubiläen schlug er kaum jemals aus. «Dafür weiss ich jetzt, dass Hornusser tolle Leute sind und Minigolf ein ernstzunehmender Sport ist.» Es habe in der gesamten Amtszeit keine fünf Termine gegeben, an denen er sich nicht wohlfühlte.

Seit bald 17 Jahren steht Peter Jordi an der Spitze der Gemeinde Gerlafingen. Seine Wahl Ende 1999 kam einer kleinen Sensation gleich, selbst wenn die SP schon damals die stärkste Fraktion im Dorf stellte. Um nur 15 Stimmen Vorsprung distanzierte er in der Stichwahl den Kandidaten des geeinten Bürgerblocks. Seither amtet Jordi ausser Konkurrenz. Eine Stimmbürgerin setzte damals grosse Hoffnungen in den Nachfolger von Roberto Zanetti. «Ehrlich und kompetent muss er sein, und gegen aussen etwas darstellen», forderte sie.

Nun, konnte der Ammann diese Anforderungen erfüllen? «Ehrlich bin ich. Ich habe nie doppelbödig gespielt. Alles andere macht einem nur das Leben schwer.» Auf der Amtschreiberei habe er als Notar gelernt, für verschiedene Fachbereiche wie das Betreibungswesen, das Erbschaftwesen oder das Handelsregister Verantwortung zu tragen. «Für verschiedene Bereiche zuständig zu sein, das traute ich mir auch als Gemeindepräsident zu. Der Paragrafendschungel machte mir keine Angst.»

Und die Darstellung gegen aussen habe er sich angeeignet. «Hätte ich als 20-Jähriger vor Leute stehen müssen, ich wäre tausend Tode gestorben. Aber wenn man vier Wochen nach Amtsantritt die erste Gemeindeversammlung leiten muss, kann man nicht kneifen.

Zu jung, um bloss Rasen zu mähen und Papier zu bündeln

In die SP eingetreten ist Peter Jordi mit 28 Jahren – aufgrund der industriellen Tradition Gerlafingens. Die rote Geschichte verpflichtet. Seine Familie war politisch; der Onkel im Kantonsrat, der Vater im Gemeinderat. Nach einer kaufmännischen Lehre in einem Solothurner Anwaltsbüro wurde Peter Jordi im Betreibungsamt des Bezirks Lebern angestellt.

Nicht ganz ohne Nebengeräusche. Der langhaarige Jüngling mit den Plateauschuhen wurde schief angeschaut. Doch das unkonventionelle Äussere hinderte ihn nicht an der verwaltungsinternen Weiterbildung bis zum Staatsexamen als Notar. Die Affinität zu Gesetzen und Urkunden ist geblieben.

Nach der Pensionierung als Gemeindepräsident will Jordi ein «kleines, aber feines» Notariatsbüro betreiben. Und sich wieder mit Eheverträgen, Testamenten und anderen Urkunden beschäftigen. Nur Rasen mähen und Papier bündeln, dafür sei er dann doch noch zu jung, scherzt der 62-Jährige.

Die Gerlafinger Lebensqualität verteidigte er vehement

Bis zu seinem Ausscheiden aus dem Gemeindepräsidium im Herbst will sich Peter Jordi weiterhin Zeit nehmen für die Sorgen und Anliegen, die an ihn herangetragen werden. Dabei sei die Frau, die auch für ihren fünften Vierbeiner noch die Hundesteuer bezahlen müsse, genauso wichtig wie der Investor, der ein 40-Millionen-Bauprojekt vorstellen will. Wer den Gemeindepräsidenten kontaktieren will, schafft dies in der Regel direkt.

Seine Telefonnummer steht auf der Internetseite, bei Bedarf ist er schnell am Draht. Auch für Fehler stand Jordi einige Male gerade – selbst wenn er diese nicht selbst verursacht hatte. «Das ist meine Aufgabe, auch wenn der Gegenwind ins Gesicht bläst.» Selbst heikle Briefe habe er persönlich unterschrieben – etwa wenn es um das Pfandrecht der Gemeinde an einem Haus ging, wo die Wasserrechnungen nicht bezahlt worden waren.

Neben der aktiven Rolle als Gemeindevorsteher habe er sich intern aber auch zurücknehmen können. Seinen Abteilungsleitern habe er immer viel Vertrauen entgegengebracht. «Ich muss dem Bauverwalter oder dem Sozialamtschef fachlich nicht dreinreden.»

Die klare Ansprache ist eine weitere Eigenschaft von Peter Jordi. Etwa, wenn es um die Verteidigung der Gerlafinger Lebensqualität ging. Von einer Beratungsfirma war die Wasserämter Gemeinde 2011 als unattraktivste der Deutschschweiz eingestuft worden. Dann konnte der ruhige und überhaupt nicht impulsive Gemeindepräsident laut werden und die Verfasser der Rangliste als «Wall-Street-Bonsais» oder gar «Deppen» bezeichnen.

Die mangelnde Anerkennung der «enormen Integrationsleistung», die durch Schule, Behörden, Bevölkerung und Vereine erbracht werde, sei denn auch die grösste Enttäuschung in seiner Amtszeit gewesen. «Es war das Gefühl, nicht über die Vorurteile hinwegzukommen.»

Italienisch auffrischen und lange Töfftouren

Als Höhepunkte dagegen bezeichnet Jordi die Realisierung des Schulraumprojektes Rochade, die «anständige und vorbildliche» Liquidation der gemeindeeigenen Bau- und Wohngenossenschaft, ohne dass jemandem Verlust entstanden sei, sowie die Aufnahme der Nordumfahrungsidee in den kantonalen Richtplan.

Damit das Dorfzentrum endlich vom Schwerverkehr entlastet würde. «Eine Freude war zudem die Etablierung des Kinderhorts und der Schulsozialarbeit.»

Nun freut sich der zweifache Familienvater darauf, sein Italienisch aufzufrischen, das er als junger Mann während eines anderthalbjährigen Aufenthalts in einem Tessiner Dorf gelernt hatte. Oder auf längere Fahrten mit seinem BMW-Reisetöff.

Und eine Erleichterung werde es sein, nicht mehr jedes Wort in der Öffentlichkeit gewichten zu müssen. Etwa am Samstagmorgen beim Einkaufen oder beim Bier mit den ehemaligen Turnvereinskollegen. Denn Gemeindepräsident war Peter Jordi auch ausserhalb der Bürozeiten.

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