Innovation wird heute immer grossgeschrieben: Was aber macht eine innovative Firma aus? Häufig wird dieser Faktor anhand der angemeldeten Erfinder-Patente gemessen; zumindest wenn es sich um einen international ausgerichteten Konzern handelt.

Die Step-Tec AG in Luterbach gehört seit 2002 dem GF Machining Solutions Konzern an, eine Division von Georg Fischer Schweiz. Seit diesem Zeitpunkt wurden aus Luterbach Patente angemeldet.

Bis jetzt sind bereits drei registriert worden, weitere zwei sind technisch ausgereift und befinden sich in der Prüfphase. Dem zehnköpfigen Forschungs- und Entwicklungsteam schweben weitere Erfindungen vor. So soll das jüngste Projekt in das «Industrie 4.0»-Zeitalter führen. Um was es sich handelt, sei aber noch geheim.

Teure Patentanmeldung

Auch ohne Patentierungen setzte die Firma vor dem Eintritt in den Konzern auf Eigenentwicklungen: Experimentiert und entwickelt wurde viel, aber kaum Patente eingereicht, erklärt Edwin Reinhard, Mitgründer der Step-Tec AG und Leiter des Forschungs- und Entwicklungsteams. «Für ein KMU ist eine Patentanmeldung kostspielig», zudem müsse darauf eine strenge Kontrollarbeit geleistet werden: Patente sind öffentlich und einer Nachahmung ausgesetzt.

Für solche Tätigkeiten habe ein KMU weder die Zeit noch die Ressourcen. Der Anschluss an den Konzern habe die Patentrate angekurbelt: Dieser übernehme nun die Kosten, die Anmeldung und die Kontrolle. Der Firma bleibe so «mehr Zeit für die Entwicklung neuer Ideen», sagt Reinhard.

Meistens entstehe ein neues Produkt, wenn nach einer Lösung gesucht werde, «ein Mensch ohne Herausforderung ist nicht innovativ», so Reinhard. Wenn die Recherchearbeiten zeigen, dass die Lösung für ein Problem nicht existiert, starte die Tüftlerphase: Es wird nach Auswegen und Alternativen gesucht. Am Schluss der Entwicklungs- und Testphase entsteht das neue Produkt, die Unterlagen werden von den konzerninternen Patentanwälten geprüft und eingereicht.

Internationale Erfinderprojekte

Vermehrt werden Neuentwicklungen nicht im Alleingang in der Step-Tec AG ausgearbeitet. Mit den nationalen Projekten von der Kommission für Technologie und Information (KTI) fördert der Bund die Zusammenarbeit zwischen Industriepartner und Hochschulen: Der Bund übernimmt die Bezahlung der Forschenden, die Firma deckt hingegen die Materialkosten und Spesen sowie die eigenen Arbeitsaufwände. Diese jeweils 2–3-jährigen Projekte ermöglichen Studenten und Studentinnen eine Forschungsmöglichkeit, die von praxisorientierten Tests und Entwicklungen begleitet ist.

Mit dem Patent «Vorrichtung zur Kühlung von Maschinenbauteilen» hat die Firma zusammen mit der Hochschule Luzern und der Inspire AG (ETH-Zürich) ein Kühlmittel entwickelt, das besser als Wasser funktioniert. Künftig könne dies in der Produktion eingesetzt werden: «Die Wirtschaftlichkeit der Patente ist zentral», erklärt Reinhard. Man betreibe nicht nur Forschung um des Forschens willen, sondern, um das Resultat auch industriell einzusetzen. Nicht nur schweizweit arbeitet die Firma mit Hochschulen zusammen, sie nimmt auch an internationalen Projekten teil, die länderübergreifend über das EurostarsProgramm koordiniert und mitunter von EU-Fördergeldern unterstützt werden.

Für die heutigen Erfinder sei die Zeit der Einsamkeit definitiv vorbei. «Es ist wichtig, international vernetzt zu sein, um innovativ zu bleiben», so Reinhard. Oftmals werde in der angewandten Forschung und Entwicklung und nicht in der Theorie gearbeitet. Die heutigen Innovationen finden näher an der Praxis statt: «Es ist schwierig, heute etwas Weltbewegendes zu machen.»