Reto Egger, warum investierte die Regiobank in einen Neubau?

Reto Egger: Sie sehen es selber, die heutige Infrastruktur entspricht nicht mehr den Erwartungen der Kunden, aber auch nicht mehr unseren Erwartungen. Wir wollen als Regiobank einen modernen, frischen und dynamischen Auftritt nach aussen haben. Zudem besteht mit dem Neubau die Möglichkeit, sich in Räumlichkeiten zu bewegen, in denen wir das persönliche Banking noch besser leben können.

Entstehen auch neue Arbeitsplätze?

Wir überprüfen unsere Ressourcen regelmässig und beobachten auch die Entwicklung in unserem Marktgebiet aufgrund des Neubaus. Je nach Entwicklung würden wir entsprechende kleine Anpassungen vornehmen.

Werden Sie das ganze Haus nutzen?

Nein. Wir haben die Bank im ersten Stock, ...

... im ersten Stock?

Das ist vielleicht etwas speziell. Normalerweise wird das Banking im Parterre angeboten. Wir haben dort Parkplätze, einen Drive-in-Bankomaten und die 24-Stunden-Selbstbedienungszone. Im obersten Stockwerk vermieten wir zwei Wohnungen.

Reto Egger, Leiter der Regiobank-Geschäftsstelle in Zuchwil

Reto Egger, Leiter der Regiobank-Geschäftsstelle in Zuchwil

Weshalb diese Aufteilung?

Wir haben darauf geachtet, mit dem Neubau auch neue Themen ins Banking zu transportieren. Beispielsweise den Drive-in-Bankomaten, das ist ein Kundenbedürfnis. Für persönliche Kundengespräche haben wir unter anderem einen Lounge-Bereich. Wir werden weiterhin Schalter anbieten. Der Markt will immer noch Bargeld, obwohl das elektronische, mobile Banking stark im Kommen ist. Wir haben das in den letzten Monaten gespürt, als immer wieder die gleiche Frage zum Neubau gestellt wurde: Ob wir weiterhin einen Schalter haben werden?

Erreichen alle Autofahrer den Drive-in-Bankomaten?

Hier hat sich aus Erfahrungswerten die Höhe der Tastatur ergeben. Sie liegt etwa in einem Meter Höhe. Das ist ein Durchschnittswert. Die Höhe wurde bereits mit unterschiedlichen Fahrzeugtypen von Mitarbeitenden getestet. Es ist aber nicht der einzige Bankomat. Wir haben auch im 24-Stunden-Bereich einen mit Einzahlungsfunktion.

Auf der anderen Strassenseite geschäftet eine Bank in einem umgebauten Bauernhaus. Sie erhalten einen extravaganten Bau. Wie hat das Eine das andere beeinflusst?

Die Mitbewerber haben unsere Überlegungen nicht beeinflusst. Wir haben den Neubau am neuen Standort von Grund auf, auf die Kundenbedürfnisse und unsere Vorstellungen abgestimmt, geplant. Unserer Meinung nach passt die neue Bank sehr gut ins Dorfbild.

Die Geschmäcker sind verschieden.

Das stimmt. Aber wir haben bis anhin sehr positive Feedbacks bekommen. Das bestätigt uns in der Annahme, dass es für ein breites Publikum stimmig ist. Wir haben versucht, Akzente zu setzen. Mit den geschwungenen Formen nehmen wir ein Stück weit Bezug auf unser Marktgebiet, das Wasseramt. Mit den geschwungenen Formen auch in der Schalterhalle wird die Wellenform des Wassers symbolisiert.

Wie viel hat die Regiobank für den Neubau ausgegeben?

Diese Information wollen wir nicht an die Öffentlichkeit tragen.

Eine ganz andere Frage: Welche Konditionen geben Sie mir für einen Kredit über 50'000 Franken?

Für einen Gewerbekunden bewegt sich der Zinssatz für einen Kontokorrent-Kredit, je nachdem ob dieser gedeckt ist oder nicht, bei 4,5 bis 5 Prozent.

Und für eine Hypothek?

Die Zinssätze bewegen sich aktuell zwischen 1 und 1,7 Prozent.

Sie geben mir also noch kein Geld, wenn ich eine Hypothek bei Ihnen abschliesse?

(Reto Egger lacht.) Was Sie ansprechen, ist für uns eine Herausforderung – die Tiefzinssituation. Wir versuchen, die Balance zu halten und dem Sparkunden noch etwas zu geben. Für den Hypothekarkunden andererseits ist die Situation natürlich angenehm.

Die Regiobank braucht zusätzliche Gelder. Kommt mit dem Neubau die Vermögensverwaltung stärker zur Geltung?

Mit dem Neubau ändert sich an unserem Geschäftsmodell grundsätzlich nichts. Wir setzen nach wie vor auf den physischen Vertrieb, aber auch auf die Digitalisierung. Der Spagat zwischen persönlicher Beratung und digitalen Vertriebskanälen ist die Herausforderung. Wir haben uns bewusst entschieden, den Schalter weiterhin anzubieten. Das Persönliche steht im Vordergrund, jedoch werden wir die digitale Schiene weiter entwickeln. Das wird in absehbarer Zeit so bleiben.

Aber es gibt Kunden, die wollen digital mit der Bank kommunizieren. Werden sie künftig auch Hypotheken mit dem Smartphone anbieten?

So weit sind wir noch nicht. Das Bedürfnis ist noch klein. Aber es ist klar, dass wir uns für die Zukunft vorbereiten und parat sein werden.

Sie haben einen Neubau gewagt. Die Geschäftsstelle ist für Sie berechtigt. Wie berechtigt ist sie effektiv?

Wir sind stark verwurzelt in Zuchwil und im Wasseramt. Wir haben viele Kunden aus der Region. Wir wollen nahe beim Kunden sein und haben hier eine lange Tradition. Unser bisheriger Standort wurde 1985 eingeweiht. Die Regiobank ist seit 1961 in Zuchwil.

Wegen dem Neubau werden die Solothurner etwas neidisch sein.

Das dürfen sie auch sein. Ich glaube, der Neubau ist nun schon etwas wie das Flaggschiff der Regiobank.

Etwas Erstaunen ruft der neue Standort aber schon hervor. Sie haben ja bereits ein Haus in Zuchwil. Wer hatte die Idee für den Standortwechsel?

Wir hatten auch ein Projekt für den alten Standort. Dann ergab sich die Möglichkeit, die Liegenschaft am heutigen Standort zu kaufen. Das Gebäude, in der die bisherige Geschäftsstelle untergebracht war, wurde in der Zwischenzeit verkauft.