Riedholz
Parteiloser Kandidat Ueli Kammer: «Ich bin von hier»

Ueli Kammer will Gemeindepräsident von Riedholz werden und tritt als Parteiloser an.

Urs Byland
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Ueli Kammer strebt das Amt ohne Unterstützung seiner bisherigen Partei an.

Ueli Kammer strebt das Amt ohne Unterstützung seiner bisherigen Partei an.

Solothurner Zeitung

Beim Besuch bei Ueli Kammer, im oberen Dorfteil von Riedholz, gilt es wachsam zu sein. Nicht wegen politischen Aussagen, sondern wegen Wespen, die im Garten ein Nest in einer Trauerweide bauten.

«Die Feuerwehr ist alarmiert», beruhigt Kammer am Gartentisch neben dem Pool sitzend und lässt sich von den herumschwirrenden Wespen, die ihn besonders lieben, nicht beirren. Auch nicht von seiner Partnerin, der SVP-Kantonsrätin und Gemeinderätin Stephanie Ritschard, die manches gerne kommentieren möchte, sich aber zurückhält und mit dem Servieren von Wasser begnügt.

Sie versuchte vor zwei Jahren auch schon, aber erfolglos, Gemeindepräsidentin von Riedholz zu werden. Jetzt soll es also ihr Partner, den sie seit über 20 Jahren kennt, richten. «Das denken wohl viele. Mit solchen Fragen werde ich auch konfrontiert. Wir haben auch beide unser Interesse an dieser Arbeit artikuliert und abgewogen, was Sinn macht. Aber sie hat es schon versucht, und es hat sich gezeigt, dass es in Riedholz ein SVP-Mitglied sehr schwer haben wird, das Amt zu erhalten», analysiert Kammer.

Die SVP für die Gemeindepräsidiumswahl verlassen

Ueli Kammer wurde zwar noch für die SVP als Ersatzgemeinderat gewählt, strebt nun aber das Gemeindepräsidium aus eigener Kraft, parteilos, an. «Ich bin bewusst aus der SVP ausgetreten, nicht wegen Meinungsverschiedenheiten, sondern weil ich nicht im Kreuzfeuer der politischen Parteien stehen will.» Stolz zeigt er den selber angefertigten Flyer. «Wenn ich parteilos bin, soll auch nicht eine Partei mir diesen Flyer bezahlen». Den Abgabetermin der Gemeinde für die Wahlpropaganda verpasste er knapp. Nun steckt er den Flyer in die Briefkästen aller Haushaltungen, und wo sich ein Gespräch ergibt, redet er mit den Einwohnerinnen und Einwohnern von Riedholz.

«Manchmal bin ich gefragt worden, was ich für einer sei. Ich habe dann geantwortet, ich sei von hier. Dann kam oft die Antwort: Das längt scho.» Den Hinweis, dass er aus der Region stammt, hebt Kammer in seinem Wahlkampf hervor. «Es hat mich erstaunt, wie wichtig es vielen Menschen in Riedholz ist, dass jemand aus ihrer Umgebung antritt. Vielleicht liegt das aber auch an meiner hochdeutsch sprechenden Konkurrentin ums Gemeindepräsidium», so Kammer.

Der 38-jährige Ueli Kammer, «Riedholzer aus Überzeugung», wie er in seinem Flyer schreibt, ist im Bürgerspital Solothurn geboren worden. Aufgewachsen ist er in Bellach, danach wohnte er fünf Jahre in Selzach, eine kurze Zeit in Bern, bevor die Familie – dazu gehören aktuell die leiblichen Zwillinge (13 Jahre alt) sowie das Pflegekind (12) – 2011 in Riedholz ein passendes Haus gefunden hat. «Mir hat es schon immer in der Region gefallen, mit den Bergen und dem Fluss.» Kammer ist medizinischer Produktberater und in der ganzen Deutschschweiz unterwegs. In seiner Freizeit kocht er gerne, musiziert viel mit den Kindern, und er will mit seiner Partnerin künftig auf Motorradtour gehen. Er sei auch oft mit der Familie im «Heidiland» unterwegs, sei es auf Ski oder wandernd.

Abwechslungsreiches Berufsleben

In jungen Jahren musste er sich entscheiden zwischen Beruf und Sport. Er spielte Fussball in der kantonalen Auswahl bis und mit der U19. «Ich wollte dann eine Lehre absolvieren und dabei gleichzeitig kreativ wirken.» Er lernte Fotofachangestellter. Trotz einer Zusatzlehre als Detailhändler «wollte ich mehr und auch sozial tätig sein». Er absolvierte die Polizeischule als Mitarbeiter der Stadtpolizei Olten, konnte aber den Beruf aus gesundheitlichen Gründen nicht ausüben. «Ich ging wieder in die Radio-, TV-Branche zurück, war Geschäftsführer und machte mich schliesslich selbstständig. Aber es befriedigte mich nicht wirklich und die Konkurrenz war gross. Ich wollte mehr.»

Er bewarb sich in der Jugendpsychiatrischen Klinik in Solothurn und absolvierte ein Praktikum, um die Ausbildung zum Sozialpädagogen machen zu können. In dieser Zeit wurde er aber von der Firma kontaktiert, die medizinische Produkte anbietet. «Sie suchten einen guten Verkäufer. Nun arbeite ich seit Anfang Jahr für die Zuger Firma und kann der Gesellschaft mit diesem Produkt etwas Gutes tun.»

«Ich bin sehr sozial eingestellt»

Diesen Wunsch, der Gesellschaft etwas zu geben, betont Kammer immer wieder. Das sei auch der Grund dafür gewesen, das Gemeindepräsidium anzustreben. Er entspreche gar nicht dem Bild eines «rechten Rassisten». «Das wird ja den SVP-Sympathisanten gerne unterstellt, aber ich hatte selber zwei Italiener als Lehrlinge angestellt, und wir engagieren uns im Pflegekind-Bereich. Ich bin sehr sozial eingestellt.» Vor kurzem habe er gar Ferien gemacht mit einem stark links wählenden Paar. «Sie haben gesagt, sie werden mich wählen. Ich bin der Meinung, dass auch politisch sehr unterschiedliche Menschen gut miteinander auskommen können.»

Er habe die Ressourcen für das Gemeindepräsidium und wolle so das Dorf aktiv unterstützen. Das sei ein Privileg, dass er Zeit zur Verfügung stellen könne. Politisch strebe er ein verkehrssichereres Dorf an, «auch in Niederwil». Ein Bus zum Wallierhof soll das obere Riedholz erschliessen und so den Autoverkehr mindern. Kammer setzt sich auch für eine 30er-Zone in ganz Riedholz ein. «Grundsätzlich will ich dafür sorgen, dass das Bestehende nicht verloren geht. So wie Riedholz stelle ich mir das Schweizer Land vor, so stelle ich mir Schweizer Qualität vor. Hier zu leben bedeutet Lebensqualität.»

«Es gibt in Riedholz sehr viel zu tun»

Am Sonntag wählen die Stimmberechtigten von Riedholz eine neue Gemeindepräsidentin oder einen neuen Gemeindepräsidenten. Die bisherige Gemeindepräsidentin demissionierte auf Anfang 2020. Seither wird das Gemeindepräsidium ad interim geführt. Innerhalb der Frist haben sich zwei Personen für eine Kandidatur angemeldet. Die beiden Bewerber, Sandra Morstein und Ueli Kammer, beantworten hier die gleichen drei Fragen.

Welche Erfahrungen bringen Sie für das Amt als Gemeindepräsident mit?

Ueli Kammer: Als langjähriger Geschäftsführer und Unternehmer kenne ich mich in der Geschäftswelt aus. Das Führen eines Unternehmens ist in sehr vielen Punkten mit dem Führen eines Dorfes zu vergleichen. Dabei möchte ich vier wichtige Punkte anwenden, welche ich in der Geschäftswelt mit grossem Erfolg eingesetzt habe. Diese sind: Das Wohl des Menschen, auf Augenhöhe kommunizieren, klare Spielregeln und Schwächen eliminieren.

Welches Anliegen im Zusammenhang mit Riedholz wollen Sie im Amt speziell verfolgen?

Es gibt sehr viel zu tun. Einige meiner Ziele sind: Sicherheit für die Bürgerinnen und Bürger von Riedholz, Niederwil und Attisholz. 30er-Zonen in Riedholz und Niederwil sowie einen Bus für Riedholz und den Wallierhof zur Verkehrsentlastung. Einen haushälterischen Umgang mit den Steuergeldern ohne Steuererhöhung, das nähere Zusammenfügen der Dorfteile Riedholz und Niederwil, die GSU unterstützen aber auch ihre Finanzlage kritisch hinterfragen.

Wie wollen Sie künftig die Dorfteile Niederwil, Riedholz und Attisholz zusammenschweissen?

Ich bin der Meinung, dass mindestens zwei Gemeinderäte mit Wohnsitz Niederwil im Gemeinderat sein sollten. Dabei spielt die Parteizugehörigkeit keine Rolle. Ich werde mich für Kandidatinnen und Kandidaten von Niederwil einsetzen. Ein Dorffest mit dem Gewerbe aus Niederwil und Riedholz ist auch ein toller Gedanke. Zudem befürworte ich einen jährlichen Standortwechsel der 1. August Feier zwischen Niederwil und Riedholz.

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