Ausserordentliche Wahlen sind sich die Kriegstetter inzwischen gewohnt. Im Wasserämter Dorf, wo in den letzten Jahren oft mehr über Personalien als über politische Inhalte gestritten wurde, kommt es schon bald erneut zu einem Wahlgang. Gemeinderat Pascal Hohl von der Vereinigung Junges Kriegstetten zügelt weg.

Auch die beiden Ersatzmänner der Listenvertretung verlassen Kriegstetten oder wohnen schon nicht mehr dort. Eins stille Wahl ist nicht möglich. Das «Junge Kriegstetten» konnte niemanden nachnominieren und verschwindet somit aus der inzwischen stark zersplitterten Politszene der Gemeinde.

Damit kommt es am 8. März 2015 zu einer Ersatzwahl. «Bis dahin beraten wir die Geschäfte zu viert», sagt Gemeindepräsident Manfred Küng (SVP). Neben ihm sitzen Thomas Affolter (Culture Vereinigung Kriegstetten CVK), Roger Gerber (parteilos) und Simon Wiedmer (FDP) in Rat. Die Legislatur dauert bis 2017. Ein zweiter Wahlgang wird, falls nötig, am 14. Juni 2015 angesetzt.

«Zusammenarbeit nicht möglich»

Bis jetzt sind nach Auskunft von Margrit Jaggi, Leiterin der Gemeindekanzlei, keine Wahlvorschläge eingegangen. Bis am 19. Januar haben die Parteien Zeit. Für die CVP, die den Rat unter Protest verlassen hatte, kommt eine Kandidatur nicht infrage, wie Parteipräsident Hans Ernst sagt. Mit dem Gemeindepräsidenten Manfred Küng könne die Partei nicht konstruktiv und kollegial zusammenarbeiten, hiess es nach dem Rückzug. Auch aus den Kommissionen hat sich die Partei zurückgezogen.

«Die Voraussetzungen haben sich nicht geändert», sagt Ernst. Den Entscheid zum Rückzug habe man einstimmig gefällt, eine Kandidatur sei deshalb nicht logisch. Zu prüfen sei eine Rückkehr in den Rat auf die nächste Legislatur. Bis dahin will sich die CVP an Gemeindeversammlungen aus der Oppositionsrolle bemerkbar machen. Und wenn Küng nach 2017 weiterhin auf dem Präsidentenstuhl sitzt? Dazu will Ernst nichts sagen.

Auch Brigitte Palacios, die in der Wahl ums Gemeindepräsidium knapp unterlag, will in dieser Legislatur nicht zurück in den Rat. Auch sie kann sich eine Zusammenarbeit mit Küng nicht vorstellen. «Ausserdem würde mir die Zeit fehlen.» Ihre Gruppierung, die Interessensgemeinschaft Kriegstetten, sei aber weiterhin aktiv und gestalte die Dorfpolitik mit, etwa an den Gemeindeversammlungen.

Ebenfalls weggezogen ist Friedrich Müller, der 2013 erfolglos für die SVP kandidiert hatte. Jedoch amtete Müller als Friedensrichter. Für dieses Amt wird nun ebenfalls ein Ersatz gesucht.

FDP will kandidieren

Als einziger Parteipräsident hat Simon Wiedmer von der FDP Kontakt zu Interessenten. Er hat in alle Haushalte Flugblätter verteilt und ein Inserat geschaltet. «Ich werde in den nächsten Wochen Gespräche führen», sagt das Gemeinderatsmitglied. Wiedmer richtet sich nicht nur an FDP-Parteigänger.

«Obwohl es natürlich schön wäre, jemanden auf der liberalen Linie zu finden.» Er glaubt, dass die vielen Rücktritte aus dem Gemeinderat nicht gut sind für die Stabilität. Viele Kriegstetter seien frustriert über das Hickhack. Andererseits gebe es im Dorf viele persönliche, ungerechtfertigte Angriffe auf den Gemeinderat. «Dabei arbeiten wir gut miteinander, viel besser als auch schon.»

Auf Kandidatensuche ist schliesslich Han van der Kleij von der SP. Die Partei habe nur wenige aktive Mitglieder, daher dürfte die Suche «extrem schwierig» werden, meint er. Zahid Butt von den Grünen, der bei der letzten Wahl ein respektables Resultat erzielte, war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.