Derendingen

Papeteriebesitzer Ernst Staub veröffentlicht sein Buch «Öppe so ischs gsi ...»

Produktiv im Alter: Ernst Staub hat ein dickes Buch mit Mundart-Versen gefüllt.

Produktiv im Alter: Ernst Staub hat ein dickes Buch mit Mundart-Versen gefüllt.

Der 79-jährige ehemalige Papeteriebesitzer und Künstler aus Derendingen veröffentlicht «gedanke us mym lääbe».

Jetzt macht der 79-jährige Ernst Staub aus Derendingen Nägel mit Köpfen. Vor ziemlich genau vier Jahren publizierte die Solotuhrner Zeitung einen längeren Bericht über die in Derendinger Mundart verfassten Verse des früheren Papeteriebesitzers, Druckers und Künstlers. Neben vielen Sonderlichkeiten war eine, dass seine Verse bisher nur seiner Familie zugänglich waren. Sein Werk hatte er jeweils in fünf Exemplaren vervielfältigt: eines für die Frau, je eines für die beiden Kinder, eines für ihn und eines als Reserve.

Damals hatte er zwei Bücher – je rund 200 Seiten, mit Fotos und seinen künstlerischen Druckwerken als Beigabe – fertiggestellt und ein drittes begonnen. Inzwischen sind es vier. «Ich wurde immer wieder darum gebeten, etwas zu veröffentlichen», erzählt Ernst Staub, den man auch unter seinem Spitznamen «Änggu» kennt. Das habe ihn angespornt, eine Auswahl von Versen, die man der Öffentlichkeit vorlegen dürfe, in einem Buch zusammenzufassen. «Viele Versli sind persönlicher Natur. Die wollte ich nicht an die grosse Glocke hängen.»

Eindringliche Warnung, das Werk zu lesen

Herausgekommen ist ein stattliches Werk mit etwa 180 Seiten. Auf Seitenzahlen hat er verzichtet. Das Buch in quadratischem Format hat ein Softcover und wurde im Papierhof Derendingen gefertigt. Am Ende des Werkes liest man im Impressum: «beschränkti uflaag» und zum Einband «iibang: hani säuber gmacht». Der Erfolg ist ansehnlich. Er habe im «Azeiger» ein Zwei-Zeilen-Inserat aufgegeben. Inzwischen hat er bereits 55 Bücher verkaufen können.

Betitelt ist das Buch mit «öppe so ischs gsi …» und als Autor ist «änggu» angegeben. Im Innern des Buches ist dem Titel der Untertitel «gedanke us mym lääbe» beigefügt. Wie in seinen vier nicht veröffentlichten Originalwerken mischt Ernst Staub Verse, Fotos und Drucke sowie Zeichnungen von Günter Canzler. Und bevor er den geneigten Leser weiterblättern lässt, mahnt er ihn, sich auch gut zu überlegen, was er sich nun anzutun gedenke. «I wett der gring de nid häre ha, wenns am schluss heisst: dää chunnt dra!»

Staub gewährt Einblicke in sein Leben

Nun, es lohnt sich alleweil. Der ungeübte Leser braucht etwas Angewöhnung, um die Mundart-Verse richtig zu entziffern, was Ernst Staub auch schon Kritik eingebracht hat, und er in Versen folgendermassen beschreibt: «Dues bim erika vernäh: i söus doch bitte z’härze näh. My schrybwys sigi nid z’verstoh, do würdi niemer nochecho. Max Frisch macht aber do kes wääse: me schrybi, für sech säuber z’lääse.»

Aber gerade das wäre schade. Seine Erinnerungen und Gedanken zu verschiedensten Themen geben Einblicke in Dinge, die man noch selber miterlebte (die älteren Leserinnen und Leser) oder sich vielleicht auch schon mal überlegte. In den Versen «1951 – sieger-ehrig» beschreibt er etwa, wie er mit «thedu» mitfieberte, der das «boumbärg-döörby» gewinnen wollte. In «1947 – der neger» erzählt er vom Studenten, der aus Afrika zu Besuch kam: «für üs giele e sensazion». In Reimen kommt Lokales zu Wort und die erste Rolltreppe (aus Holz), das Velo-Solex und «d’ärräss» oder weitere unzählige Dinge, Momente und Gedanken.

Zu guter Letzt gibt Ernst Staub grundehrlich und ohne Geziertheit Einblicke in sein Leben. In ein Leben für die Kunst und mit der Kunst, das manchmal absurde und komische, manchmal heitere, aber oft auch ernüchternde Momente kennt.

Hinweis: Das Buch kann im Papierhof in Derendingen erworben werden.

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