Drei Höfe

Oskar Fluris neue Kunstausstellung «Wesenheiten»

Oskar Fluri aus Bolken stellt in der Galerie Näijerehuus in Hersiwil aus.

Oskar Fluri aus Bolken stellt in der Galerie Näijerehuus in Hersiwil aus.

Oskar Fluri hat sich mit Bühnenbildern und Kostümen einen Namen gemacht. Seit 1989 für die Sommerspiele Selzach, zum Beispiel. Im Näijerehuus zeigt er jetzt unter dem Titel «Wesenheiten» neuere Zeichnungen und Malereien.

Während im Parterre und auf dem Zwischenboden des Näijerehuus vorwiegend Zeichnungen zu sehen sind, zeigt Oskar Fluri im grossen Raum unter dem Dach Malereien. Die meisten sind – bis auf ein paar Ausnahmen – nach seiner Arbeit an der Ausstattung des «Fliegenden Holländers» entstanden, der 30-Jahre-Jubiläumsproduktion der Sommerspiele Selzach im vergangenen August.

«Nach einer Oper oder einer Theaterproduktion habe ich jeweils das Bedürfnis, für mich zu arbeiten», so Fluri. Dabei beginne er meist mit Naturstudien. Daraus ergebe sich dann Neues, manchmal skurril anmutende, fast surreale Welten. «Formen und Farben lassen sich daraus entwickeln, oder es entstehen Ideen, die ich in anderen Arbeiten weiter verwende.»

Garten-Herbstszenerie

Die Ausstellung hat einen klar definierten Anfang. Es ist ein kleiner roter Kürbis aus dem Garten von Oskar Fluri in Bolken. Der Kürbis hängt im Parterre des Näijerehuus, gleich beim Ausgang zum Garten hin, an der Decke. «Dieser Kürbis tat mir leid: Zu klein für eine Suppe, hing er verloren über dem Buchs», so Oskar Fluri. Ausgehend von diesem ist eine Reihe von Zeichnungen entstanden, die sich von Studien eines einzelnen Kürbis hin zu einer ganzen Garten-Herbstszenerie erstrecken: verwelkende Blätter, Früchte und Stängel sind sorgfältig in Szene gesetzt, sie wirken, als wären sie Figuren auf der Bühne. Anspielungen ans Theater finden sich denn auch in den Titeln wieder: «Il dramma della zucca morente», das Drama, die Tragödie des sterbenden Kürbis.

Die Quitte ist ein weiteres Beispiel seiner Auseinandersetzung mit der Natur. Auch sie ist Fluri Modell gestanden. «Die Quitte kann man fast nicht fassen», zieht er Fazit. Seine Zeichnungen zeugen von einem Zelebrieren der Strukturen, Formen und Farben. Eine übergrosse Quitte, auf Leinwand gemalt, lässt die Faszination an der Auseinandersetzung mit dieser Frucht erkennen. Sie ist eine Übersetzung ins Surreale. Hell leuchtet sie in Gelbtönen vor hellblauem Hintergrund und erinnert an ein Organ. Während die Zeit nicht spurlos an der Frucht vorbei ging, begleitete Fluri sie mit seinem Zeichenstift beim «Altern».

Vanitas (lat. «leerer Schein, Nichtigkeit, Eitelkeit») und Memento mori (lat. «gedenke des Todes») sind als Leitmotive in seinen Stillleben präsent. Nicht ganz zufällig. «Mit 70 schaut man zurück, nicht mehr vorwärts», sagt Fluri. In seinen Zeichnungen, aber nicht nur darin, setzt er sich mit der Frage auseinander: «Was heisst Dasein, Sein und Vergänglichkeit?» Auch bei der Quitte suchte er nach ihrem Wesen. Seine Zeichnungen sind ein Versuch, das Eigentliche eines Objektes zu verstehen. Deshalb der Ausstellungstitel «Wesenheiten».

Musik und Malerei

Die Verbindung von Musik und Bildender Kunst ist in Fluris Schaffen essenziell. Unter den Malereien im Dachraum finden sich drei Bilder mit Titeln von je einem Musikstück der Komponisten Gabriel Fauré, John Cage und Erik Satie. Darin nimmt er die Formensprache und Farben aus den Quitten-Zeichnungen wieder auf und verbindet sie mit der Struktur und der Klangerfahrung dieser Musikstücke. Seine bestimmten Klangvorstellungen zu Farben kommen auch in anderen Bildern zum Tragen, etwa in der ausgestellten Trilogie «Klang-Farben-Feld, Nebelland, Eden City». Strukturen aus der Landschaft fügen sich dort zu Farbfeldern zusammen, die im Ganzen als Metapher zur heutigen Zeit gedeutet werden können.

«Wesenheiten» Zu sehen bis 24. März. Musikalischer Spaziergang durch die Ausstellung am 17. März, 10.30 Uhr. Weitere Infos unter: www.n-h.ch

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