Gerade fährt ein Lieferwagen mit aufgedrucktem Biolabel zum hinteren Eingang des Bauernhofs von Familie Zimmermann in Küttigkofen und lädt frisches Gemüse im Kühlraum ab. Es ist einer der Lieferanten, von denen Claudia Zimmermann Lebensmittel für ihren Bio-Hofladen bezieht.

Seit Mai letzten Jahres betreiben die ehemalige Kindergärtnerin und ihr Mann Matthias Zimmermann einen eigenen Hofladen, sozusagen ausser Konkurrenz. Denn Konkurrenz haben sie im Dorf keine. Es ist der einzige Laden, den es in Küttigkofen gibt. Auch die Post und das Schulhaus mussten bereits vor einigen Jahren schliessen.

Nicht grundlos wurde Zimmermann von einem Kunden gefragt, ob sie denn nicht auch gleich noch die Post übernehmen wolle, sagt sie und lacht. Diese Dorfsituation sei ein ausschlaggebender Grund gewesen, den Hofladen ins Leben zu rufen, erklärt sie. «Die Leute bekommen durch den Laden wieder einen Ort im Dorf, wo man sich begegnet und miteinander diskutiert.» Als Ergänzung zur Verkaufsfläche hat Zimmermann eine kleine Kaffeestube mit Kinderecke im ehemaligen Hausgang eingerichtet. Nun muss die Familie durch die Küche ins Haus gehen.

Würste für die Tiefkühltruhe

Mittlerweile konnte Zimmermann rund zwölf verschiedene regionale und schweizweite Lieferanten und Bauern für sich gewinnen – sieben davon stammen aus dem Bucheggberg.
Diese liefern über Lebensmittel, Haushaltsartikel bis hin zu Kosmetikprodukten alles – ausschliesslich Bioprodukte. Sogar die Wimperntusche, die Zimmermann trägt und verkauft, stammt aus ökologischer Produktion. «Im Hofladen sollen die Kunden alles finden, was sie brauchen, sodass sie nicht mehr ins Auto steigen müssen.»

Der Laden komme auch den Bauern zu Gute, denn diese können den Preis für ihre Produkte selbst bestimmen. «Diese Preise nehme ich entgegen, weil sie fair sind.» Seit sich Zimmermann mit dem Verkauf von Produkten direkt ab Hof auseinandersetzt, hat sie festgestellt, dass dieses Thema auch immer mehr andere Bauern beschäftigt.

Den Bauernhof hat Zimmerman gemeinsam mit ihrem Mann vor vier Jahren übernommen. Schon dazumal war der Hof ihrer Schwiegereltern gänzlich auf biologische Produktion ausgelegt. «Wäre es kein Biohof gewesen, hätten wir ihn mit Sicherheit umgestellt.»

Denn das Bauernpaar produziert und verkauft aus Überzeugung nur Produkte aus ökologischem Anbau, wie zum Beispiel verschiedenste Gemüsesorten, Kräuter, Salben oder Mehl. Auch ihr Fleisch stammt aus Freilandhaltung. «Die Leute können sehen, wie die Ferkel auf der Wiese umherspringen und wissen dadurch genau, woher das Fleisch stammt.» Eine solche Tierhaltung sei in der Region nicht mehr so verbreitet. Das ist wohl auch der Grund, weshalb der Fleischverkauf schon fast ein Selbstläufer sei, sagt Zimmermann. «Es gibt Leute, die kaufen auf einen Schlag zehn unserer Bratwürste, als Vorrat für die Tiefkühltruhe, weil sie immer so schnell ausverkauft sind.»

Eine Wunschliste für Kunden

Damit das Sortiment möglichst allen Bedürfnissen der Kunden entspricht, hat Zimmermann den Laden dazumal mit halb vollen Regalen eröffnet. «Ich habe eine Liste bereitgelegt, damit die Leute mir ihre Wünsche mitteilen können.» Bis jetzt konnte sie diese fast alle erfüllen. Ausser einer: Zigaretten. Das möchte sie nicht anbieten.

Der Aufwand den Laden zu führen, auch wenn er nur drei Tage in der Woche offen hat, sei gross. «Das habe ich zu Beginn etwas unterschätzt», sagt die 36-Jährige. Auch fehlen ihr hin und wieder ihre Schützlinge aus dem Kindergarten. Umso mehr freut sie sich über Kinder, die samstags mit glänzenden Augen und mit einem Nötli ausgerüstet im Laden stehen und für die Familie den Sonntagszopf kaufen.

«Unser Laden soll für die Leute nicht nur ein Laden sein, sondern auch ein Erlebnis», sagt Zimmermann. «Wir haben bereits Mails bekommen von Leuten aus der Stadt, die im Sommer mit dem Velo einen Ausflug in die Natur zu uns auf den Hof machen möchten.» Daher stellt Zimmermann auf dem Vorplatz des Hauses auch Tischchen und Stühle auf, wenn es warm ist. Künftig sollen für die Kinder auch einige Hof-Tiere wie Esel oder Minipigs auf der Wiese vor dem Hof grasen.