Schwester Bettina Schuwey hat nach elf Jahren Imkertätigkeit im Bienenzüchterverein Solothurn-Wasseramt erstmals Honig zur Prämierung an den Partnerverein in Slowenien geschickt und gleich zwei Auszeichnungen bekommen. Die Ingenbohler Schwester erzählt, wie sie im Elisabethenheim zu den Bienen gekommen ist und was ihr die Aufgabe bedeutet, die ihr die Gemeinschaft übertragen hat.

Das Bienenhaus war einst für Ordensgemeinschaften ein wichtiger Wirtschaftszweig. Aufgrund der Überalterung haben viele die Imkerei inzwischen aufgegeben oder auswärts verpachtet. Im Elisabethenheim auf dem Hinterbleichenberg werden die Bienen noch immer von einer Ordensfrau gepflegt. Über 300 Kilogramm Blütenhonig habe sie von ihren 20 Völkern heuer ernten können, freut sich Schwester Bettina.

«Die Kolleginnen und Kollegen im Bienenzüchterverein haben mich ermutigt, an der Prämierung in Semic teilzunehmen, und da habe ich gedacht, ich könnte das in der Kategorie Blütenhonig probieren. So habe ich je ein Glas des Mai- und Junihonigs in die Sammelsendung in die Provinz Bela Krajina gegeben», erzählt die Ordensschwester. Das Ergebnis: Gold für den Junihonig und Silber für den Maihonig. «Wenn überhaupt, dann hätte ich die Auszeichnung umgekehrt erwartet», sagt sie schmunzelnd.

Drei bis vier Stunden täglich

Schwester Bettina hat die Imkerei im Herbst 2007 von Schwester Cyrina übernommen, welche im Elisabethenheim über 30 Jahre zu den Bienen geschaut hatte. Schwester Bettina stand vor der Pensionierung als Sonderschullehrerin im Grenchner «Bachtelen», als sie einmal Interesse an der Imkertätigkeit äusserte. «Schwester Cyrina hat mich beim Wort genommen, und da habe ich nach der Pensionierung im Wallierhof den Imkerkurs gemacht.»

Seither halten die Bienen der Mischrassen Buckfast, Carnica und Mellifera die Ordensschwester besonders während des Sommerhalbjahrs gehörig auf Trab. Drei bis vier Stunden täglich widmet sie dann der Imkerei. Sie, die im Alltag das Ordensgewand mit Schleier trägt, zieht zum Imkerhut mit Imkerbluse jeweils eine Hose an. «Die richtige Kleidung zur richtigen Zeit und am richtigen Ort, das ist meine Devise.»

Jetzt, da nur noch vereinzelte Tiere ausfliegen, ist Schwester Bettina mit dem Einschmelzen der Waben beschäftigt. Mithilfe eines Dampfwachsschmelzapparats formt sie in ihrer Werkstatt im Untergeschoss des Heims aus dem Wachs grosse Blöcke, zwölf bis 15 Kilo pro Herbst. Die Blöcke gibt Schwester Bettina einem Spezialisten, der für sie die so genannten Mittelwände giesst, in die die Bienenvölker im Frühling neue Waben bauen.

Gegenseitige Hilfe

So aktiv und vif die kleingewachsene Ordensfrau ist, für manche Arbeiten braucht sie Hilfe. Zum Beispiel zum Schleudern des Honigs. «Ich frage dann jeweils jemanden aus dem Verein. Manchmal hilft mir auch unser Gärtner, etwa beim Einfangen eines Schwarms. Und einige Tage besucht mich jedes Jahr meine Schwester, Marguerite Barras. Sie hilft mir bei den besonders anstrengenden Arbeiten, wie Honigentnahme, Abdeckeln (Öffnen der Honigwaben) und Schleudern.»

Der Honig dient einerseits im Elisabethenheim und im Mutterhaus Ingenbohl zur Selbstversorgung, andererseits wird er im Laden des Heims verkauft. Wie bei jedem Naturprodukt ist die Ausbeute unterschiedlich. Letztes Jahr erreichte Schwester Bettina mit über 700 Kilo einen Rekord. «Wir hatten am Bleichenberg ein Schildläusejahr», erklärt sie den Segen. «Damals hatten wir neben dem Blütenhonig auch viel Wald- und Blatthonig beziehungsweise Honigtauhonig, wie letzterer eigentlich korrekt heisst.» Heuer gab es keinen Waldhonig – dafür diese erfreulichen Auszeichnungen durch den Partnerverein.

Honigland Slowenien

«Slowenien ist ein richtiges Honigland. Die jährliche Prämierung ist ein Volksfest mit Ansprache des Bürgermeisters von Semic und mit reichlich Essen und Trinken», erzählt Schwester Bettina, die vor Jahren einmal dabei war. Auch ihr bedeutet das Wohlergehen ihrer Bienen viel. Dabei geht sie allerdings nicht so weit, dass sie den Königinnen Namen gibt. Ohne Bedauern fegt sie mit einem Handbesen tote Bienen und einige Wespen vom Bord vor den Fluglöchern. «Der Tod der Arbeiterinnen gehört zum Lebenszyklus der Honigbiene, ebenso wie das Eierlegen der Königinnen und das Schwärmen der Völker.» Ob sie nächstes Jahr ihren Honig wieder zur Prämierung nach Slowenien schickt, weiss Schwester Bettina noch nicht.