Die Odd Fellows haben einiges zu feiern. Einerseits wurde die Bruderschaft vor exakt 200 Jahren in Washington (USA) durch einen ausgewanderten Engländer gegründet, andererseits ist die Solothurner St. Ursen Loge soeben in ihr neues Lokal an der Gewerbestrasse in Zuchwil umgezogen. Grund genug also, einen Tag der offenen Tür einzuberufen.

Für die rituelle Sitzung mit Gästen wurde die mit den Symbolen der Loge dekorierte Halle abgedunkelt und bei Kerzenlicht forderte Obermeister Hans Lenz einen «Beamten», die Türe von innen abzuschliessen. Dies ein Ritual aus Zeiten, als die Logen noch als subversiv und gefährlich galten und sich schützen mussten. Heute diene es dazu, die Sorgen und Ängste draussen zu lassen, erklärte der Obermeister.

Begleitet durch feierliche Streichmusik, werden die Rituale abgehalten, mit denen sich die Odd Fellows ihre Grundsätze in Erinnerung rufen. «Kein Mensch ist so klug und mächtig, dass er der Freundschaft entbehren könnte», sagt der Obermeister zum Beispiel. «Wie ein Bündel weit stärker ist als ein einzelner Stab, so sind auch wir als Gemeinschaft weit stärker als jeder einzelne.»

Den Mittelteil gestaltete der Chansonnier Ruedi Stuber mit seinen humorvollen und gleichzeitig nachdenklich stimmenden Liedern, für deren Texte er 2013 mit dem Preis für Literatur des Kantons Solothurn ausgezeichnet wurde. Es folgte ein zweiter ritueller Teil, die Türe wurde wieder aufgeschlossen und der Anlass mit einem feinen Apéro abgeschlossen.

«Nicht was der Mensch glaubt, sondern wie er handelt macht seinen Wert aus», erklärt der Obermeister die Grundhaltung der Odd Fellows. «Wir sind alle Brüder, Hautfarbe, Partei oder Religion spielen keine Rolle. Wir schauen zueinander», sagt Hans Lenz. «Wenn es einem unserer Brüder schlecht geht, kümmern wir uns um ihn, und wenn einer stirbt, unterstützen wir die Wittwe und die Familie.»

Eine wichtige Tätigkeit seien Vorträge und Diskussionen zu verschiedenen Themen. Dieses Jahr widmen sich die Odd Fellows dem Begriff Vertrauen. «Wir beleuchten das Thema unter den verschiedensten Aspekten und das Ziel ist, dass wir unser Bewusstsein weiterentwickeln. Wichtig ist, dass es bei unseren Diskussionen nicht darum geht, als Gewinner hervorzugehen und Recht zu bekommen. Vielmehr wollen wir andere Perspektiven kennenlernen und andere Meinungen akzeptieren», erklärt Hans Lenz.