Was für ein schöner Zirkus! Da wird gelacht und fast geweint, geträumt, getanzt, gegaukelt. Und natürlich gesungen über «immer diese dumme Liebe», die dann gar nicht dumm über alle Intrigen und Täuschungen am Ende siegt. «Die Zirkusprinzessin» als Gesamtkunstwerk: Was die Bühne Burgäschi zeigt, überzeugt auf hohem Niveau. Da werden selbst Zuschauende, die Operette nicht unbedingt zu ihrem Lieblingsgenre zählen, zu freudigen «Überläufern».

Liebe und Intrige

Stefanie Frei gibt eine starke Fürstin Fedora Palinski, die glaubt, den geliebten Prinzen Korossow geheiratet zu haben und dann als Frau eines Zirkusartisten, als Zirkusprinzessin ausgelacht wird. Stimmlich absolut sicher und souverän lässt sie die Fürstin erzürnen und mit Grandezza schmachten und jubeln. Zum Beispiel im Duett «Ich und du, und du und ich» mit einem hervorragenden, packenden Simon Jäger, der den vermeintlichen Zirkusartisten und geheimnisvollen Mister X spielt (der dann doch von Adel ist), kann sich das Publikum der bezwingenden musikalischen Energie, die das Paar aussendet, unmöglich entziehen. Fabio De Giacomi als Sohn Toni der Hotelbesitzerin und Melanie Gehrig Walthert als Zirkusreiterin Mabel sind das zweite Liebespaar und vermitteln temperamentvolle, unbeschwerte Lebensfreude.

Ein Symphonieorchester

Stimmlich stark und präsent ist ein weiteres «Paar»: die beiden Finsterlinge Prinz Sergius Wladimir (Roger Bucher) und Baron Peter Brusowsky (Peter Bader), die als abgewiesene Verehrer die Fürstin mit Mister X verbandeln. Auch Susanne Mathys als Hotelbesitzerin, Hermann Gehrig als Zirkusdirektor und Andy Hubert als Oberkellner und Clown wissen das Publikum zu erfreuen. Engagiert, aber immer mit leichter Hand dirigiert Reimar Walthert (musikalische Leitung) das Orchester – eigentlich ein Symphonieorchester - der Bühne Burgäschi. Die Szenen verbindet und modelliert der charmante Chor der Bühne, der aufs Schönste auch sein schauspielerisches Können zeigt.

Artisten und «Feen»

Einmal poetisch, einmal witzig und oft auch atemberaubend begleiten die Artisten Letizia Jakob (Nummerngirl, Tanz) und Artur Libanio (Gewichtheber, Tanz) das Geschehen, setzen Akzente: Zauberhaft die die Hochzeitsstimmung vorwegnehmende Letizia Jakob auf der Schaukel, gefährlich und wild der «Löwen-Breakdance» von Artur Libiano. Als gute «Zirkusfeen» wirken die Clowns (Melanie Braun, Violette Knausz, Gabriela Nyffeler-Berger, Emanuel Gfeller, Pirmin Walthert): Sie kommentieren als engagierte Zuschauer, ergreifen Partei, rangeln, sausen herum und geben zusammen mit den beiden Artisten auch schon mal lustig-fröhliche «kleine Mädchen im Trikot» ab.

Ideenreich, mit Sinn für Situationskomik und feine Details wird die Operette «Die Zirkusprinzessin» umgesetzt. So liest zum Beispiel Toni seine Liedertexte scheinbar von einer Schallplatte ab, ein Typ kommt von unmotiviert irgendwoher und beobachtet bewaffnet das Intrigenplanen, Artisten werden zu Gepäckträgern… Und in Wien ist es am schönsten, wenn «der Flieder blüht und die Löwen brüllen»: Hier tarnt sich der Chor mit Löwenöhrchen – zu keiner Zeit aber besteht die Gefahr, ins Lächerliche abzugleiten. Also Manege frei für «Die Zirkusprinzessin» als Gesamtkunstwerk und grosses Teamwork: eine, unter den nicht gerade wenigen Kulturangeboten in der Region, imponierende und herausragende Leistung, von der sich das Premierenpublikum absolut begeistert zeigte.

Weitere Aufführungen: 7.6., 9.6., 10.6., 14.6., 16.6., 17.6., 20.6., 23.6., 24.6., 25.6., 27.6., 30.6., 1.7., 2.7., 5.7., 6.7. (Ersatzdatum), 7.7., 8.7., 10.7., 11.7. Beginn: 20.15 Uhr, sonntags 19.15 Uhr. Werkeinführung 45 Minuten vor Vorstellungsbeginn. Info: www.burgaeschi.ch