«Wir müssen nicht fusionieren. Aber wir möchten fusionieren.» Martin Willi (Präsident Spitexverein Bucheggberg) und Philippe Choffat (Präsident Spitexverein Aare-Nord-So) sind sich einig. Seit dem 1. Januar 2013 arbeiten die beiden Vereine zusammen. Es gebe eine Geschäftsleitung für beide Vereine, beide Vereine arbeiten mit derselben Software, die Lernenden werden gemeinsam betreut und in Ferienzeiten, oder wenn es sonst personelle Engpässe gibt, wird auch Personal ausgetauscht.

«Operativ sind wir schon fusioniert und für unser Personal ist die Zusammenarbeit Alltag», ergänzt Geschäftsführerin Mili Marti. «Für uns ist die Fusion der sachlogische Schritt», so Willi, Choffat und Marti in einem Gespräch mit dieser Zeitung deutlich. Die Vereine halten in der Zwischenzeit teilweise auch die Vorstandssitzungen gemeinsam ab und fällen strategische Entscheide gemeinsam.

Fusion auf Augenhöhe

«Die Spitexvereine müssen sich ständig neuen Rahmenbedingungen stellen und neue Aufträge erfüllen. Wir stehen unter Kostendruck. Wir sind darum überzeugt, dass eine kleine Spitex alle diese Anforderungen bis in fünf oder zehn Jahren nicht mehr erfüllen kann», meint Philippe Choffat. «Genau darum diskutieren wir über eine Fusion», so Martin Willi. «Wir könnten auch mit Solothurn oder Grenchen fusionieren. Aber dann wären wir der Juniorpartner. Ein Bittsteller. Wir würden nicht fusionieren. Wir würden übernommen und die Leberberger oder Bucheggberger Gemeinden könnten keinen Einfluss mehr auf den Betrieb der Spitex nehmen», ergänzt Choffat.

Die beiden Spitexvereine Bucheggberg und Aare-Nord-So seien sich sehr ähnlich. «Wir passen zusammen, wir sind ähnlich strukturiert, unsere Vereinsmitglieder sind die Gemeinden, wir haben ähnliche ländliche Strukturen. Kurzum: Wir fusionieren als Partner auf gleicher Augenhöhe.» Sowohl im Bucheggberg als auch im Leberberg schätze man eine gewisse Autonomie. «Genau diese würde mit der Fusion erhalten.

Im neuen Konstrukt hätten die kleinen Gemeinden immer noch etwas zu sagen», so Martin Willi. Und: Als neuer fusionierter Verein wäre man in der Zukunft ein ernstzunehmender Partner für eine andere Spitex. Ein weiteres Argument sei zudem, dass es für einen etwas grösseren Verein einfacher werde, gut ausgebildetes Personal zu rekrutieren. «In der Pflege herrscht Fachkräftemangel», so Mili Marti.

Skepsis ist verständlich

Als Martin Willi und Mili Marti die Fusion bei den Bucheggberger Gemeindepräsidenten im Juni 2016 das erste Mal vorstellten, war die Skepsis gross und es wurde laut «Halt» gerufen. «Die Bucheggberger sind sich bisher daran gewöhnt, dass sie mit den Wasserämtern zusammenarbeitet, die Leberberger kennt man weniger», versucht Willi dies zu erklären. «Das war im Leberberg zu Beginn nicht anders», ergänzt Choffat. «Wir erhielten den Auftrag, zuerst eine Fusion mit geografisch benachbarten Vereinen zu prüfen. Nachdem klar wurde, dass diese alle nicht interessiert sind, haben wir grünes Licht erhalten, das Zusammengehen mit dem Bucheggberg voranzutreiben.»

Klienten stehen im Vordergrund

«Für die beiden Vereine und die Mitarbeitenden stehen die Klienten und ihr Wohl im Vordergrund», macht Mili Marti deutlich. «Im Bucheggberg bekommen wir nur positive Rückmeldungen und die Zahl der Spenden, die der Spitex zukommen, zeigen die Akzeptanz und auch unsere Qualität», meint Martin Willi. «Darum ist es schade, wenn unsere Arbeit zu einem Politikum wird», ergänzt Mili Marti. Die beiden Vereine hätten die gleichen Probleme. «Auch auf Vorstandsebene arbeiten wir gut zusammen», so Choffat. Für das Personal sei die Fusion Alltag, und es fehle nur noch der letzte Schritt. «Den dürfen die Gemeindebehörden nun noch machen.»

«Das Personal der beiden Vereine ist sehr engagiert», meint Mili Marti. Von den über 70 Angestellten an den beiden Standorten arbeite der allergrösste Teil immer im gleichen Bezirke. «Nur sieben Leute sind sogenannte Springer.» Und springen, das heisse nicht, von Schnottwil aus nach Günsberg zu fahren, um einen Verband zu wechseln. «Das wäre volkswirtschaftlich gesehen Blödsinn. Eine Springerin arbeitet entweder im Bucheggberg oder im Leberberg. Sie wechselt den Stützpunkt während des Tages nicht.»

Auch nach einer Fusion sollen die beiden Stützpunkte in Selzach und Hessigkofen bestehen bleiben. «Wir wollen zudem weiterhin eine flache Hierarchie beibehalten und den administrativen Aufwand klein halten.» Beide Vereine seien auch finanziell gut unterwegs, was der Benchmark beweise.

Was, wenn die Fusion der beiden Spitexvereine nicht zustande kommt? «Dann ist es möglich, dass irgendwann auch die heutige Zusammenarbeit vom Tisch ist», meint Philippe Choffat schulterzuckend. «Angenommen wir sind in ein paar Jahren dazu gezwungen, mit dem Spitexverein Solothurn zu fusionieren. Dann kann ich mir gut vorstellen, dass die Zusammenarbeit mit dem Bucheggberg zum Thema würde.»