Wechsel

«Ohne etwas zu sagen»: Der Chef von Stahl Gerlafingen wurde abgesetzt

Stahl Gerlafingen ist mit seinen rund 480 Stellen nicht zuletzt ein wichtiger Arbeitgeber in der Region.

Daniel Aebli, erfolgreicher Chef von Stahl Gerlafingen, ist vor drei Wochen Knall auf Fall abgesetzt worden. Die Öffentlichkeit wurde nicht informiert. «Ist auch noch nicht nötig», findet der externe neue Manager. Das sorgt für Unsicherheit.

René Bollier, 58-jährig, lic. oec. HSG, ist seit rund drei Wochen der neue starke Mann bei Stahl Gerlafingen. Kommuniziert wurde der Wechsel gegen Aussen nicht. Auf seiner Homepage bietet sich der in Uetikon am See wohnhafte Bollier als «Interim Manager» für die Führung «erfolgskritischer Projekte für Familienunternehmen und mittelständische Konzerne» an. Als seine Schwerpunkte nennt der Change-Manager «Leistungssteigerung, Restrukturierung und Internationalisierung».

Informiert soll später werden

Was sein konkreter Auftrag bei Stahl Gerlafingen ist – Tochterfirma der italienischen Beltrame Group –, das will Bollier auf Anfrage dieser Zeitung nicht erläutern. «Ich bin jetzt da», sagt er zur Frage, ob er nur interimistisch Chef bleiben werde. Am liebsten würde er eigentlich gar keine Fragen beantworten: Dafür sei es jetzt noch zu früh, er wolle sich nun zuerst einen Überblick verschaffen und keine Informations-Schnellschüsse abgeben. «Im Juni findet ein Kundentag statt – dann werden wir die Öffentlichkeit orientieren.» Das Personal werde «in einem laufenden Prozess informiert», anschliessend sei «die Politik an der Reihe, dann die weitere Öffentlichkeit».

Die Stahl Gerlafingen AG sei jedenfalls eine «erfolgreiche Firma, der es gut geht und die gute, motivierte Mitarbeiter hat», hält Bollier fest. Ziel sei es nun, mit einer Vorwärtsstrategie noch erfolgreicher zu werden.

Gemeinde per Mail informiert

Gerlafingens Gemeindepräsident Philipp Heri ist Anfang letzter Woche über den Abgang Aeblis und die neue Führung informiert worden: «Per Mail, in einer gewöhnlichen, secen Mitteilung», wie er sagt. «Der Wechsel kommt sehr überraschend und könnte gewisse Befürchtungen wecken.» Mit Aebli habe man ein gutes, partnerschaftliches Verhältnis und regelmässigen Kontakt gehabt, beschreibt Heri. Für gestern Freitag war schon seit längerem eine solche Aussprache abgemacht gewesen, die nun buchstäblich ins Wasser fiel. Ein Gespräch mit dem neuen starken Mann des Stahlwerks sei jetzt für Ende April/Anfang Mai vorgesehen, berichtet Gemeindepräsident Heri.

Auch dem kantonalen Amt für Wirtschaft und Arbeit (AWA) gegenüber ist der Wechsel an der Spitze von Stahl Gerlafingen «nicht offiziell kommuniziert worden», sagt Amtsvorsteher Jonas Motschi auf Anfrage. Erst im Januar habe er die Firma und Daniel Aebli noch besucht: «Da tönte es recht optimistisch.» Nun gelte es, die weitere Entwicklung abzuwarten.

Aebli: Vier Jahre an der Spitze

Der kurzfristig in die Wüste geschickte Daniel Aebli war 2007 zur Stahl Gerlafingen AG gestossen, zuerst als Leiter Personal und Kommunikation. Per 1. April 2014 wurde er vom italienischen Mutterhaus Beltrame Group zum Gesamtleiter ernannt und fungierte als Country Manager für die Schweiz. Unter seiner Führung kam Stahl Gerlafingen in etwas ruhigere Gewässer und war – trotz massiver ausländischer Konkurrenz und hoher Produktionskosten – auch wirtschaftlich wieder erfolgreicher. Nicht zuletzt engagierte sich Aebli im Kanton auch über seine Firmentätigkeit hinaus. Was sagt er zu seiner Absetzung? «Am liebsten gar nichts», kommt seine knappe Antwort.

Stahl Gerlafingen ist mit seinen rund 480 Stellen nicht zuletzt ein wichtiger Arbeitgeber in der Region. Ebenso ein zentraler Player in der Schrott-Entsorgung: Hier wird der Grossteil des in der Schweiz anfallenden Altmetalls eingeschmolzen und wieder in marktfähige Stahlprodukte umgewandelt.

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Autor

Urs Mathys

Urs Mathys

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