Ökologisch wohnen
In Bellach entsteht ein Tiny House mit drei Etagen ‒ es soll nicht das letzte seiner Art bleiben

Aus dem minimalen Platz das Maximale herausholen. Dieses Ziel verfolgt die Firma minim2 , die in Bellach ihr erstes Tiny House errichtet. Gewohnt wird hier auf einer Fläche von nur 36 Quadratmeter.

Fabio Vonarburg
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«Es war einmal..., so beginnen viele Märchen. Auch dieses», sagte Hilde Dreyer an der Grundsteinlegung eines bald wahr gewordenen Traumes von ihr und ihres Ehemannes. Und Dreyer fuhr fort: «Es war einmal eine Gasdruckreduzierstation der Regio Energie Solothurn.»

Die mittlerweile abgerissene Gasdruckreduzierstation der Regio Energie Solothurn. Im Haus auf der rechten Seite ist Markus Dreyer aufgewachsen.

Die mittlerweile abgerissene Gasdruckreduzierstation der Regio Energie Solothurn. Im Haus auf der rechten Seite ist Markus Dreyer aufgewachsen.

Zvg/Simon Von Gunten

Als die Regio Energie diese nicht mehr benötigte, bot sie das Grundstück zum Verkauf an. Dieses liegt gleich neben dem Haus, in dem ihr Ehemann, Markus Dreyer, aufgewachsen ist. Und die beiden griffen zu. «Wir wollten nicht, dass daraus etwa noch einmal Parkplätze werden.» Sondern das 150 Quadratmeter kleine Grundstück sollte so gut wie möglich genutzt werden. Die Idee eines Tiny House auf Bellacher Boden war geboren.

Schreiner Philip Aeschbacher erklärt, was ein Tiny House ist.

Fabio Vonarburg

Das Ehepaar holte den Architekten Johannes Iff und Schreiner Philip Aeschbacher an Bord, die sich beide schon seit der Schulzeit in Recherswil kennen und bereits früher zusammengearbeitet haben. Diese lancierten die minim2 GmbH, die individuelle Kleinwohnhäuser entwickelt und baut.

Jenes Tiny House an der Lommiswilerstrasse in Bellach soll das erste von vielen sein. Der Prototyp, wenn man so will. Dieser besteht aus drei Etagen, was für ein Tiny House eher ungewöhnlich ist.

So soll das Tiny House in Bellach aussehen.

So soll das Tiny House in Bellach aussehen.

Zvg / minim2

Im Parterre ist die Wohnküche, das Wohnzimmer liegt im zweiten Stock und zuoberst findest sich das Schlafzimmer. Insgesamt bietet das Kleinwohnhaus eine Wohnfläche von 38 Quadratmeter.

So soll das Tiny House von Innen aussehen

Minimaler Platz soll maximal genutzt werden.
7 Bilder
Das neue Tiny-House in Bellach wird dreistöckig sein.
Aufgebaut ist es als Holzelementbau.
Wenn das Haus Ende Juni aufgestellt wird, ist die Küche im Innern bereits installiert.
In der Visualisierung findet sich das Bett zuoberst im Haus.
Das Haus in Bellach ist ein Prototyp für weitere solche Häuser.
Ziel der Firma minim2 ist es, ökologisches und verdichtetes Bauen zu fördern.

Minimaler Platz soll maximal genutzt werden.

Zvg / minim2

Auf minimaler Grundfläche die maximale Raumnutzung herausholen – bei einem möglichst kleinem ökologischen Fussabdruck. So fasst Johannes Iff das Ziel des Tiny-House-Projektes zusammen. Dafür hat man die Regio Energie Solothurn dazu geholt, die das Projekt im Bereich der Gebäudetechnik unterstützt. Mit einer Solaranlage auf dem Dach, einer Wandladestation für ein Elektroauto, einem Wärmepumpeboiler und einem Pellet-Ofen wird das Tiny House in Bellach das erste SOclever-Mini-Haus.

Nach der Grundsteinlegung wird nicht viel Zeit verstreichen, bis das Tiny House in Bellach bezugsbereit ist. Bereits Ende Juli soll es so weit sein. Denn wegen des geringen Platzes, der die Bauarbeiten erschwert hätte, setzt man auf eine Modulbauweise. Die drei Module aus Holzelementen werden derzeit fertiggestellt, bevor sie dann beinahe fixfertig aufeinandergestapelt werden. Selbst die Küche und das Badezimmer sind zu diesem Zeitpunkt dann bereits eingebaut. «Nur das Bett und den Schrank muss man noch reinstellen», sagt Architekt Iff. Auch bei künftigen Projekten plant man so vorzugehen.

Eines von drei Modulen des Tiny House

Eines von drei Modulen des Tiny House

Zvg/Philip Aeschbacher

Ohne Land, Baunebenkosten und Gärtnerarbeiten kostet das Tiny House 260'000 Franken, führt Iff aus. Im Sinne des Konzeptes des nachverdichteten Bauens kann er sich vorstellen, dass sich solche Kleinhäuser wie der Prototyp in Bellach, etwa in einem grossen Garten eines Einfamilienhauses eignen würde. «Als eine Art Stöckli», sagt Iff. In dieses kann dann zum Beispiel die erwachsene Tochter einziehen.

Wer im Bellacher Tiny House als erstes einziehen wird, ist noch nicht klar. Es wird jedoch nicht das Ehepaar Dreyer sein. «Auch wenn ich unheimlich Lust dazu hätte», sagt Hilde Dreyer. Doch solange ihr Ehemann noch berufstätig ist, bleibt das Paar in Merligen. Danach sei der Umzug aber definitiv eine Option, so Dreyer.

Somit wird das Haus, das für maximal zwei Personen konzipiert ist, zu Beginn vermietet. «Wir haben noch nicht mit der Suche nach Mietern angefangen», sagt Hilde Dreyer, die hofft, dass das Projekt weitere Nachahmer nach sich zieht. «Weil es sinnvoll ist. Mit weniger geht es vielmals auch.»

Der Spatenstich an der Lommiswilerstrasse. Zuvor stand hier eine Gasdruckreduzierstation der Regio Energie.

Der Spatenstich an der Lommiswilerstrasse. Zuvor stand hier eine Gasdruckreduzierstation der Regio Energie.

Zvg/Michel Lüthi