Etwas über 40 Personen liessen sich über das räumliche Leitbild der Gemeinde informieren. Damit wurde die öffentliche Mitwirkung eröffnet. «Insgesamt kamen unsere Ideen gut an», erklärt Urs Loosli (Präsident Bau- und Planungskommission) im Nachgang. Auch Gemeindepräsident Beat Muralt bestätigte, dass es kaum kontroverse Diskussionen gab.

Obergerlafingen wird in den kantonalen Planungen als «Wohngemeinde» (Richtplan) oder als «agglomerationsgeprägter Raum» (Raumkonzept) bezeichnet. So nennt man Gemeinden mit ländlichem Charakter, die hauptsächlich auf die Wohnnutzung ausgerichtet sind. In den letzten 15 Jahren ist die Bevölkerung von 1090 auf 1123 Personen angewachsen. Der Kanton sieht für Obergerlafingen eine negative Bevölkerungsentwicklung bis ins Jahr 2035 vor. Damit sind Planungskommission und Gemeinderat, die das räumliche Leitbild gemeinsam entwickelt haben, nicht einverstanden. Angestrebt wird ein Wachstum von einem Prozent. Obergerlafingen ist ein klassisches Einfamilienhausdorf, mit ein- bis zweigeschossigen Bauten. Es hat nur wenige Mietwohnungen und Wohnstrukturen für Junge fehlen weitgehend. Dies zeigt sich auch in der Bevölkerungsstruktur, der Anteil der 65- bis 79-Jährigen ist höher als im Durchschnitt des Wasseramtes.

Im Leitbild wird festgehalten, dass man sich für die Überbauung der bestehenden unbebauten und erschlossenen Bauzonen einsetzen will. Auch die Umzonung und Umnutzung von nicht mehr genutzten Landwirtschaftsgebäuden sowie anderer leer stehenden Liegenschaften soll unterstützt werden. Bei Bedarf sollen zudem neue Entwicklungsgebiete für zwei und dreigeschossige Bauten geschaffen werden. Das war denn auch der einzige Punkt, der diskutiert wurde, wie Loosli erklärt. «Viele Einwohner haben Angst, dass dann nur noch Mehrfamilienhäuser gebaut werden.» Aber im Gespräch habe man aufzeigen können, dass dies nicht die Idee sei.

Angedacht ist aber die Umzonung der Zone für öffentliche Bauten und Anlagen (Oeba) rund um das Schulhaus und die Mehrzweckhalle. Dort könnte man sich auch die Entwicklung einer neuen Wohnzone vorstellen.

Dorfkern fehlt

Dem Dorf fehlt ein eigentlicher Dorfkern. Dieser Punkt wird im Leitbild explizit aufgenommen. «Wir setzen uns für die Schaffung eines lebendigen Dorfkerns ein», steht geschrieben. Dies war schon im Leitbild aus dem Jahr 1995 ein Wunsch.

Wichtig ist den Planungsbehörden auch, dass die Attraktivität der Gemeinde als Wirtschaftsstandort erhalten bleibt. Seit 1995 ist die Anzahl der Arbeitsstätten von 53 auf 59 angestiegen, diejenige der Arbeitsplätze von 225 auf 295. Der Bolacker soll weiter moderat entwickelt werden.

Langsamverkehr sicher machen

Beim Thema Verkehr fällt auf, dass die Sicherheit des Langsamverkehrs verbessert werden soll. Grundsätzlich ist man mit dem heutigen Angebot für den motorisierten Individualverkehr und dem öffentlichen Verkehr zufrieden. Probleme macht einzig der Durchgangs- und Fluchtverkehr durch die Wohnquartiere von Utzenstorf aus nach Recherswil. Die Einführung von Tempo 30 könnte hier Abhilfe bringen.

Die Kapitel Natur und Landschaft und Landwirtschaft sind eher kurz gehalten. Naturschönheiten sollen erhalten bleiben, die kommunalen Naherholunsgebiete werden wie bis anhin gepflegt, und die Landwirtschaft gefördert und unterstützt.

Obergerlafingen möchte auch in Zukunft unabhängig bleiben. «Wir stützen uns auf unsere eigenen Stärken und sehen in den Nachbargemeinden keine Konkurrenten, sondern Partner.» Weitere zukünftige Zusammenarbeiten werden jedoch nicht ausgeschlossen.

Die Mitwirkung läuft noch bis zum 22. Juni. Das räumliche Leitbild und die Fragebögen können auf der Homepage heruntergeladen werden.