Oberdorf
Kirchgemeinde springt ein: Die traditionelle Chüubi ist abgesagt, der Chüubisonntag angesagt

Nach der Absage der traditionellen Chüubi in Oberdorf springt die Kirchgemeinde ein und organisiert am kommenden Samstag, 15. August, den Chüubisonntag. Unter anderem mit einem «Zauberhaften Gottesdienst».

Silvia Rietz
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Roger Brunner, Verena Sieber und Hans Zünd (von links) bringen die Chüubi in die Kirche. Auf dem Bild fehlt: Urban Fink.

Roger Brunner, Verena Sieber und Hans Zünd (von links) bringen die Chüubi in die Kirche. Auf dem Bild fehlt: Urban Fink.

Tom Ulrich

Seit dem vierten Jahrhundert ist es üblich, alljährlich den Gedenktag des Kirchenpatrons und den Weihetag der Kirche zu feiern. Daraus entwickelte sich das Kirchweihfest, die «Chüubi», welche in Oberdorf an «Maria Himmelfahrt» jeweils viel Publikum anlockt. Doch das Dorffest fällt auch heuer Corona zum Opfer.

Spontan beschloss ein Team von zwei Priestern und zwei Kirchgemeinderatsmitgliedern, die «Chüubi» am 15. August in die Kirche zu holen und einen «Chüubisonntag» zu organisieren: Neben dem Festgottesdienst um 10 Uhr wird zudem um 15 Uhr ein «Zauberhafter Gottesdienst» für Spektakel sorgen, da mit Zauberer Ricky Sieber und Panflötenspieler Marcel Sieber in Oberdorf aufgewachsene Brüder mitwirken.

Auf die Frage, ob in der Kirche denn gezaubert werden dürfe, schmunzelt Mitorganisator Hans Zünd: «Die Kirche im neurenovierten Barockglanz umfängt bereits ein Zauber. Zudem strotzt die Bibel geradezu von Zauberern und Magiern. Ein Grund mehr, sich mit dem Zauber (Mensch) und dem Zauberer (Gott) auseinanderzusetzen. Wir wollen den Unterschied zwischen Zauber und Wunder erklären und erlebbar machen.»

Vize-Kirchgemeindepräsidentin Verena Sieber ergänzt: «Die Wallfahrtskirche ist ein malerischer Ort, der nach Fröhlichem und Lebendigem schreit, zum Besinnen und zur Gemeinschaft einlädt. Mit dem «Zauber in der Kirche» wollen wir genau diese Gegensätze zusammenbringen und einen kleinen Ersatz für die abgesagte Chüubi anbieten.» Pastoralraum-Pfarrer Roger Brunner findet es toll, dass die Pfarrei etwas Kreatives auf die Beine stellt. «Jetzt, wo wegen der Pandemie vieles nicht stattfinden kann, ist es auch Aufgabe der Kirche, dort einzuspringen, wo etwas fehlt. Gerade in Zeiten des Wandels und Umbruchs ist es geboten, Dinge auszuprobieren, experimentierfreudig zu sein und so neues Interesse bei Gläubigen und Kirchenfernen wecken.»

Die von Roger Brunner gestaltete Vesper-Andacht, eine weniger bekannte Liturgieform, schliesst um 17.30 Uhr den Festtag ab. «Die Vesper ist das Abendgebet der Kirche, ich bete die Vesper täglich für mich alleine. Schöner ist natürlich das gemeinsame Beten.» Der junge Geistliche mag den meditativen Wortgottesdienst und die gesungenen Psalmverse, die von der Orgel begleitet werden. «Gerade in den Psalmen spiegelt sich unsere eigenen Glaubens- und Lebenserfahrungen. Höhepunkt wird das Anbeten des Allerheiligsten. Dabei steigt Weihrauch auf, lässt uns den Gottesdienst mit allen Sinnen erleben. Ich liebe dies», resümiert Roger Brunner. Er schätzt, dass jede Pfarrei des Pastoralraums Mittlerer Leberberg eigene Ideen einbringt und sich allen gegenüber offen und gastfreundlich zeigt.

Mystik und Alltag sollen vereint werden

Maria Himmelfahrt ist in Oberdorf auch Frauentag. Grund für Urban Fink-Wagner, um 16.30 Uhr unter dem Titel «Marienbilder und Marienfiguren in der Kirche Oberdorf» durch den Sakralraum zu führen. Für den Historiker und Theologen passen die Marienbilder gerade wegen der engen Bindung der Oberdörfer Kirchenheiligen zum Dorf und zur Wallfahrtskirche zum Chüubi-Charakter. «Maria Himmelfahrt ist für viele Heimat. Die Oberdörfer Marienkirche schenkt Heimat im Glauben und unter den Menschen. So lohnt sich eine Spurensuche über die überaus vielfältigen und hintergründigen Marienbilder. Maria steht als Fürbitterin bei Gott für uns Menschen, ist aber auch Symbol für die Kirche.»

Die Planer des «Zauberhaften Chüubisonntags» versuchen, Mystik und Alltag zu vereinen, mit ungewohnten Formen in und um das Gotteshaus herum zu überraschen, um auch Leute anzusprechen, die mit der Institution Kirche nichts am Hut haben. «Meine Aufgabe als Seelsorger ist, die Menschen mit Gott zu verbinden. Innerhalb und ausserhalb der Kirche. Anhand des ‹Zaubers im Leben› will ich Neugierde auf die Begegnung mit Gott wecken», freut sich Hans Zünd. Dies soll dank des mit dem Chüubisonntag verbundenen Patroziniumssonntag gelingen.

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