Einmal seinen Traum auf zwei Rädern fahren dürfen, sei es ein Sofa auf Rädern oder ein bis auf das Skelett reduzierter Roadster: Derendingen war über das Wochenende der Treffpunkt der Töffliebhaber in der Region. Alle wichtige Motorrad-Importeure waren ins TCS-Verkehrssicherheitszentrum gekommen, um ihre Neuheiten zu präsentieren.

Nicht weniger als 250 Modelle konnten ausprobiert werden. Trotzdem bildete sich bei manchen Ständen eine lange Schlange. Ein Zeichen für die Beliebtheit oder für schlechte Organisation? «Die Nachfrage ist gewaltig, wir haben konstant alle unsere Motorräder auf der Strecke», hiess es bei Ducati. Eine halbe Stunde anstehen zu müssen um eines der italienischen Kulträder fahren zu dürfen, das schien den Besuchern also nicht viel auszumachen.

Auch mit Elektroantrieb

Auch bei BMW gab es zeitweise einen Besucherstau. «Es sind wirklich sehr viele Leute gekommen, alle Motorräder sind fast ständig unterwegs», sagte Aussteller Konrad Hess. An seinem BMW-Stand fiel ein Motorrad ohne Auspuff auf: Der C Evolution Roller. «Er hat auch keine Kupplung und keine Übersetzung, alles wird mit dem Elektromotor geregelt», erklärt Hess das Gefährt der neusten Generation.

«Die Reichweite ist 120 Kilometer und die Batterie kann in zwei bis drei Stunden an jeder normalen Steckdose geladen werden. Dieser Roller ist ideal, um von Solothurn aus nach Biel, Bern oder Olten zur Arbeit zu fahren.» Der ökologisch vernünftige Roller hat nur einen Nachteil: Er kostet etwa 16'000 Franken, weil die Akkus so teuer sind.

Neu zwei Strecken – mit Radar

Sei es das tiefe Poltern einer Harley Davidson oder das metallische Ventilklicken einer Ducati mit offenem Luftfilter: Was für die Töfffahrer wie Musik in den Ohren klingt, ist für andere einfach nur Lärm. So sind im letzten Jahr einige Klagen der Anwohner der Teststrecke eingegangen. Deshalb wurden diesmal für Samstag und Sonntag zwei unterschiedliche, rund 18 Kilometer lange Strecken ausgesteckt.

«Wir sind hier um uns die Motorräder anzuschauen und zu geniessen», sagte Kantonspolizist Meyer, «nicht um Bussen zu verteilen. Aber obwohl wir deutlich darauf aufmerksam gemacht hatten, dass es auf der Teststrecke Radarkontrollen geben wird, ist einer innerorts mit 90 Stundenkilometern geblitzt worden.» Da gebe es keine Ausreden mehr, sagt der Polizist. «99 Prozent der Motorradfahrer sind vernünftig, aber wegen dem einen Prozent ist es wichtig, dass wir auch hier an den Töfftesttagen präsent sind.»

«Wir sind absolut glücklich mit dem grossen Aufmarsch an Besuchern», zog Reto Feurer, Geschäftsführer der Motopresse Schweiz AG, die als Herausgeberin des Magazins «Töff» das Treffen organisiert hatte, eine erste Bilanz. Zahlen konnte er aber noch keine nennen. «Die Leute sind glücklich, die Infrastruktur ist super und die Anbieter freuen sich über das gewaltige Interesse.»

Zwei Drittel aus der Region

Einen echten Töfffahrer selbst das bisschen Regen nicht abschrecken, der hat ein Kombi dabei. Meistens blieb es sowieso trocken. «Zwei Drittel der Töfffahrer kommen aus der Region mit einem Radius von etwa 50 Kilometern», beschreibt der Organisator den typischen Besucher. «Weniger als 10 Prozent haben mehr als 100 Kilometer zurückgelegt.» Und welches Motorrad hätte Reto Feurer am liebsten ausprobiert? «Oh, da gibt es einige. Wenn die Zeit gereicht hätte, dann den neuen R90 von BMW oder den Moto Guzzi California.»